Einbrecher in Anwaltsbüros

Als letzten von drei Tätern hat das Haller Amtsgericht einen 20-Jährigen wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls verurteilt. Das Trio war 2013 unter anderem in zwei Anwaltskanzleien eingebrochen.

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Klein und schmal wirkt der 20-Jährige, als er von zwei Vollzugsbeamten in Handschellen in den Haller Gerichtssaal gebracht wird. Er kommt aus der Untersuchungshaft im Adelsheimer Jugendgefängnis. Der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts Dr. Wolfgang Amendt kennt ihn aus einer Verhandlung vom September letzten Jahres. Wegen einer Anzahl von PKW-Aufbrüchen wurde er damals zu einer Jugendstrafe von 14 Monaten mit Bewährung verurteilt.

Jetzt geht es um eine Einbruch-Serie vom letzten November. Als seine beiden Komplizen im Mai diesen Jahres abgeurteilt wurden, fehlte er unentschuldigt. Auch einen weiteren Termin versäumte er. Deswegen kam er in Haft. Jetzt sitzt der 20-Jährige neben seinem Verteidiger Bernd Schlefendorf (Heilbronn) und berichtet freimütig, wie das Diebestrio bei seinen Taten vorgegangen ist.

Weil man Geld für "Nahrung" gebraucht habe, sagt er, sei man in der Nacht vom 25. auf 26. November in eine Anwaltskanzlei am Haller Marktplatz eingebrochen. Die untere Haustür sei unverschlossen gewesen. Innen gingen die drei mit einer Spitzhacke zu Werke. Sie erbeuteten eine Geldkassette, die sie in ihrem nahegelegenen Quartier aufbrachen. Der Inhalt von mindestens 500 Euro wurde geteilt.

Nach diesem ersten Erfolg zog man in derselben Nacht noch einmal los. Bei einer Anwaltskanzlei in der Oberen Herrngasse fand das Trio ein angeklapptes Fenster. Während der Angeklagte Schmiere stand, brachen die beiden anderen ein. Sie fanden in einer Kassette über 2000 Euro Bargeld. Diesmal lief die Verteilung anders: Die beiden Komplizen zweigten noch in den Kanzleiräumen den Großteil der Beute für sich ab. Der Angeklagte wurde mit einem Rest abgefunden. Dr. Wolfgang Amendt kommentiert: "Ehrlichkeit ist unter den Tätern nicht sehr groß geschrieben!"

In diesem Anwaltsbüro erbeuteten die Einbrecher außerdem eine Spiegelreflex-Kamera. Später fotografierten sie ihre eigene Behausung damit. Auf einem Foto sieht man eine Wasserpfeife - das Trio konsumierte Marihuana. Um welche Uhrzeit der Diebeszug stattgefunden habe, fragt Amendt. Der Angeklagte erklärt: "Ich kann auf jeden Fall sagen, nach ein Uhr, denn vorher haben wir nie etwas gemacht!"

Drei weitere Diebstähle im November räumt er ein: Das Trio stahl aus einem Feinkostgeschäft in der Färbergasse eine elektronische Kasse. Im Dritte-Welt-Laden in der Gelbinger Gasse fanden sie Geld auch in Spendenboxen. Vergeblich stiegen sie dagegen in der Crailsheimer Straße in das Gemeindehaus der Adventgemeinde ein - hier gab es nichts zu holen.

Der Angeklagte beteuert, mit der Vergangenheit abgeschlossen zu haben. Er habe in der Zwischenzeit in Esslingen gearbeitet. Er wohne bei einer alleinerziehenden Frau mit Kind. Staatsanwältin Melanie Hofmann will sich aber nicht blenden lassen. Sie plädiert auf eine Erhöhung der Jugendstrafe vom September letzten Jahres (14 Monate) auf zwei Jahre und drei Monate. Eine Strafaussetzung zur Bewährung ist bei dieser Höhe nicht mehr möglich.

Der Verteidiger hält dagegen: Der Angeklagte solle nicht in den Vollzug, sondern die Möglichkeit bekommen, seine guten Vorsätze weiter in die Tat umzusetzen.

Das Haller Amtsgericht gibt dem 20-Jährigen tatsächlich noch einmal eine Chance. Die Jugendstrafe wird auf zwei Jahre festgesetzt. Die weitere Entwicklung wird abgewartet. Erst in drei Monaten will das Gericht entscheiden, ob die Strafe noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Der 20-Jährige muss Arbeit suchen und nachweisen, dass er nicht länger "kifft". Außerdem soll er 150 Stunden lang eine gemeinnützige Arbeit ableisten.

Der 20-jährige Angeklagte in seinem letzten Wort: "Ich hab Scheiße gebaut. Ich hab daraus gelernt. Mal sehen, was kommt!"

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