Ein rosiger Abend in Rosengarten

Um die Liebe und den Krieg handelt das neue Buch von Autorin Gudrun Maria Krickl. Die Geschichte beginnt, wie der Name verrät, in der hiesigen Gemeinde Rosengarten.

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Signierstunde: Die Schriftstellerin Gudrun Maria Krickl freut sich über die vielen Zuhörer, die zu ihrer Lesung ins Rathaus von Rosengarten gekommen sind.  Foto: 

Schon als Mädchen habe sie Geschichten geschrieben, mit Bildern versehen, zusammengeheftet und allen möglichen Leuten gezeigt, „egal, ob die das interessiert hat oder nicht“, berichtet Gudrun Maria Krickl. Heute kann sich die 48-Jährige der Aufmerksamkeit sicher sein, wie der Andrang bei ihrer Lesung in Uttenhofen zeigt. Das Werk, das sie mitgebracht hat, ist für diesen Abend gewissermaßen heimgekehrt: Krickl liest aus ihrem historischen Roman „Die Töchter von Rosengarten“ im Rathaus von Rosengarten, der Gemeinde, in der die Geschichte ihren Anfang nimmt.

Mit zeitgenössischen Bildern und Musik gewürzt, serviert die Autorin eine Stunde lang Appetit­häppchen aus ihrem 400 Seiten starken Buch um eine Liebe mitten im Dreißigjährigen Krieg. In einer schweißtreibenden Kampf­szene wird der jugendliche Held Janek von Schwanberg vorgestellt, dessen „dunkle, warme Stimme mit tragendem Klang“ sowie „prägnante Gesichtszüge“ wenig später der Rosengartener Bauerntochter Marie Schenk den hübschen Kopf verdrehen. Scheu senkt sie den Blick, während „ein Lächeln seine Lippen umspielt“, er dutzt sie, sie eucht ihn, den bewährten Geschlechterrollen ist Genüge getan, und obwohl die Autorin das an diesem Abend natürlich nicht preisgibt, darf vermutet werden, dass sich die beiden am Ende kriegen.

Wirren des Dreißigjährigen Kriegs

Zunächst aber rettet Marie dem verletzten Krieger durch aufopfernde Pflege das Leben. Dann muss Janek wieder in die Schlacht ziehen, doch die Abschiedsszene, bei der seine Augen „in einem klaren Blau aufleuchten, das sie (Marie) in dieser Tiefe noch nicht an ihm wahrgenommen hatte“, verrät dem kundigen Zuhörer, dass es auch bei dem historischen Bachelor ordentlich gefunkt hat.

Im Folgenden begleitet der Leser die Hauptpersonen auf ihren zunächst divergierenden Wegen, von denen Krikl einige Stationen nennt: Schwäbisch Hall und der Ausbruch der Pest in der Stadt, ein herzoglicher Hof in Straßburg, das elsässische Rappholt­stein, Stuttgart, Paris, Wien, Metzingen, Nürtingen und Pfullingen.

Die Stärke der Geschichte liegt wohl in den aufwändigen Recherchen, die Krickl betrieben hat, um so nah an der zeitgenössischen Wirklichkeit zu bleiben wie nur möglich. Die Von Schwanbergs habe es wirklich gegeben, das Elternhaus von Marie entspräche einem der Gebäude im Freilandmuseum Wackershofen, und sogar bei den damals herrschenden Wetterverhältnissen habe sie sich an der Haller Chronik orientiert. Ein geschichtlich korrekter Showdown ist im Getümmel der Schlacht bei Nördlingen zu erleben, im Zuge derer die katholischen „Kaiserlich-Habsburgischen“ den evangelischen Schweden — auf deren Seite der edle Romanheld Janek kämpft — eine vernichtende Niederlage zufügen.

„Den Dreißigjährigen Krieg kennen schon Generationen von Schülern nur als angestaubten Alptraum aus dem Geschichtsunterricht“, bedauert Krikl, „dabei war das eine umheimlich spannende Zeit. Der Motor der Buches ist die Dynamik dieses unvorstellbar grausamen Krieges.“

Krickl gefällt Gemeindename

Warum die Wahl zum Start der Story ausgerechnet auf Rosengarten gefallen sei, fragt eine Zuhörerin. Die Antwort: „Ich wollte einmal quer durch Württemberg und da fand ich Hall-Stuttgart-Straßburg eine gute Linie.“ Der Name der ihr bis dahin unbekannten Gemeinde Rosengarten habe ihr einfach gut gefallen. „Das hört sich natürlich auch besser an als ‚Die Töchter von Bopfingen‘“, zeigt Bürgermeister König Marketingerfahrung und landet damit verdient den Lacher des Abends.

Zum Happy End stehen die Fans Schlange bei der Signierstunde, und der stilsichere Rathauschef lässt ein Getränk ausschenken, wie es besser zu diesem Abend an dieser Stelle gar nicht passen könnte: Einen lieblichen Rosenblüten-Secco namens „Rosi“, den er auf einer Urlaubsreise entdeckt und für besondere Anlässe in seinen Amtssitz importiert hat.

Gudrun Maria Krickl, 1968 in Hechingen geboren, ist studierte Betriebswirtin und arbeitet in Teilzeit als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Mutter zweier Kinder befasst sich seit einigen Jahren mit Lebensbildern im historischen Kontext. Bisher erschienen sind „Tragödien der Völkerschlacht“, eine Dokumentation über die napoleonischen Kriege, „Kinder des Urwalds“, die Geschichte einer schwäbischen Auswandererfamilie, „Geliebte Kinder“, die Lebensgeschichte der Dichtermutter Charlotte Dorothea Mörike, und die Sammlung „Brautfahrt ins Ungewisse“, in der es um die Lebenswege sechs württembergischer Herzoginnen geht. „Die Töchter von Rosengarten“ ist der erste Roman aus der Feder von Krickl. Das nächste Werk, an dem sie arbeitet, trägt den Arbeitstitel „Schokolade“ und wird in Stuttgart spielen. cito

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