Ein langer Prozess führt zum neuen Glauben

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Dr. Heike Krause mit Mainhardts Pfarrer Peter Kübler.  Foto: 

Die Reformation in Mainhardt sei kein Ereignis, das man auf eine Jahreszahl reduzieren könne. „Es war ein über Generationen andauernder Prozess, bis sich der neue Glaube bei der Bevölkerung durchgesetzt hat“, meint Dr. Heike Krause. Etwa 60 Zuhörer sind am vergangenen Montag zu ihrem Vortrag in die Mainhardter Kirche St. Veit gekommen.

Landesherren wählen Religion

In ihrem Vortrag fasst Krause die Anfänge der Reformation in der benachbarten Reichsstadt Schwäbisch Hall zusammen. Dort kam bereits 1522 der mit Luther bekannte Prediger Johannes Brenz ins Amt. Der Reichstag von Speyer stellte 1526 den Landesherren die Wahl der Religion frei. Deren Untertanen wurden dazu nicht befragt: Die Obrigkeit selbst führte die Reformation im Herrschaftsgebiet durch, indem sie evangelische Pfarrer einsetzte und Kirchenordnungen erließ.

Der katholische Kaiser Karl V. war aufgrund der angespannten außenpolitischen Situation auf seine protestantischen Reichsstände angewiesen – nur deshalb wurde 1532 der Nürnberger Religionsfrieden geschlossen und wiederholt bekräftigt. Doch 1546 führte der Kaiser den Schmalkaldischen Krieg gegen das Bündnis protestantischer Landesfürsten und gewann. Ab 1548 kam es durch den „geharnischten Reichstag zu Augsburg“ zur Regelung religiöser Fragen weitestgehend wieder im katholischen Sinn. Ein vertragliches Ende fand man nach dem Fürstenaufstand 1552 dann 1555 im Augsburger Religionsfrieden, der erneut den Landesherren Religionsfreiheit gewährte.

„Die Hohenloher Grafen beschlossen darauf, die allgemeine Reformation in der Grafschaft durchzuführen“, so Krause. Dafür mussten 1556 alle 43 Pfarrer nach Öhringen kommen. Dort habe man ihnen die Entscheidung mitgeteilt. Die Umsetzung der neuen Religion wurde dann durch Visitationen geprüft, berichtet Krause. Zum Vergnügen der Zuhörer liest sie Anekdoten vor. So sei der Pfarrer von Untersteinbach nicht in der Lage gewesen, „gebührliche Antwort zu geben“, beklagt man sich, der aus Ingelfingen habe gar Syphilis. 25 Pfarrer in Hohenlohe galten anschließend als „tauglich“, 18 jedoch nicht. Unter ihnen auch der Mainhardter Pfarrer Sigismund Eldner. „Eldner ist ganz und gar ungelehrt, ungeschickt und untüchtig erfunden, nicht würdig, dass ihm ein Schweinestall anvertraut werde“, lautet das harsche Urteil. Leises Kichern kommt auf. Mit seinen Vorgänger Sebastian Kreß, mittlerweile in Ohrnberg, erbarmt man sich: „Im Kopf etwas blöde und schwach, da haben ihm die Examinatoren aus Mitleiden erklärt, dass er in seiner Kirche noch länger geduldet werde“, zitiert sie.

Kirchenordnungen – wie die von Ludwig Casimir zu Neuenstein von 1558 – regelten das Leben. So hieß es zum Gottesdienst: „Es ist verboten, in Wirtshäusern, auf dem Markt ... oder vor den Kirchen zu stehen oder zu sitzen, noch viel weniger zu tanzen, spielen oder zechen, sondern es soll sich ein jeder mit Fleiß der Predigt verfügen.“ Wurde man beim Schwänzen erwischt, musste man sechs Pfennige zahlen, Wiederholungstäter kamen in Arrest. Teile des Strafgeldes erhielten die Schulkinder als Anreiz, ihren Katechismus auswendig zu lernen.

Schulen entscheidend

Jahrzehnte lang wurde in Hohenlohe zwar evangelisch gepredigt, jedoch noch immer die katholische Messe gelesen oder das Abendmahl in der alten Form gefeiert. „Es war eine Zwitterphase, bis sich der Glaube auch bei den Erwachsenen etabliert hat“, so Krause. Eine große Rolle in der Verbreitung hatten die Schulen, in denen die Kinder von klein auf zum Glauben erzogen wurden.

Info Am 16. Oktober um 19.30 Uhr wird Leiter Dr. Ulrich Schludi mit Fokus auf die Gemeinde Mainhardt durch das Hohenloher Zentralarchiv Neuenstein führen. Interessierte können sich dafür im Rathaus anmelden.

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