Ein Fitnessprogramm  für die Bundesrepublik

FDP-Spitzenkandidat Michael Theurer spricht vor 45 Zuhörern im Goldenen Adler in Hall. Klares Ziel ist es, den Mittelstand zu stärken und Bürger zu entlasten.

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Verbreiten Optimismus für die Bundestagswahl: FDP-Wahlkreiskandidat Valentin Abel, der Landesspitzenkandidat der Liberalen, Michael Theurer, und FDP-Kreisvorsitzender Stephen Brauer.  Foto: 

So gut war die Stimmung beim FDP-Kreisverband Schwäbisch Hall wohl schon lange nicht mehr. Etwa 45 Mitglieder und erkennbar mit den Liberalen sympathisierende Frauen und Männer, darunter auch ein halbes Dutzend junger Leute, sitzen am Montag im Saal des „Goldenen Adlers“ in Schwäbisch Hall. „Auf ein Glas Wein mit Michael Theurer“ heißt die Veranstaltung knapp fünf Wochen vor der Bundestagswahl am 24. September. Der kommt pünktlich und begrüßt jeden per Handschlag. Ganz vorn sitzt Walter Döring, der ehemalige Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident des Landes. Der Grandseigneur der FDP, heute Chef eines Consulting-Unternehmens und des Kongresses der Weltmarktführer, lässt sich nicht lumpen. Mineralwasser, Wein und Brezeln gehen auf sein Konto. Die Getränke werden auch gebraucht, denn es wird ein langer Abend.

FDP-Kreisvorsitzender Stephen Brauer stellt Michael Theurer als „Mr. Mittelstand“ vor. „Das passt zu unserem Motto ,Die Mitte macht’s!“ Keiner verkörpert das Motto besser als Du.“

Doch bevor der zum Zuge kommt, nutzt Kandidat Valentin Abel die Chance, sich vorzustellen. Eine reelle Chance, Abgeordneter des Bundestags zu werden, hat er freilich nicht. Bei seiner ersten Bundestagskandidatur steht er auf Listenplatz 23. Wenn zehn FDP-Abgeordnete aus Baden-Württemberg den Sprung ins Parlament schaffen würden, wäre das schon gut, räumt er im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Abel plädiert für ein starkes Europa und für eine bessere Bildungspolitik. Seine Ausführungen kommen an, es gibt viel Applaus. Den bekommt auch der Spitzenkandidat. In freier Rede und mit rhetorischem Können verkündet er, dass die FDP die Niederlage bei der Wahl 2013 gründlich analysiert habe. Bundesweit sei die FDP da „nicht mehr messbar“ gewesen. „Wir haben die Fehler bei uns gesucht“, sagt der Liberale. „Wir hatten uns bis zur Ununterscheidbarkeit an die CDU gelehnt“, lautet seine Analyse. Dann hätte die FDP eine große Steuerreform versprochen, aber nicht geliefert. Das werde nicht noch einmal passieren. „Wir treten in keine Bundesregierung ein, wenn nicht wesentliche Punkte unseres Programms umgesetzt werden.“ Das kommt bei den Zuhörern gut an.

Wie schon im Interview stellt Theurer die Eckpunkte des FDP-Programms vor. Dem Staat soll ein „40-20-40-Fitnessprogramm“ verordnet werden. Das heißt: Die Sozialabgaben sollen dauerhaft unter 40 Prozent bleiben (momentan 39,8 Prozent), in vier bis sechs Jahren soll die Steuerquote unter 20 Prozent sinken (aktuell liegt sie bei 23 Prozent) und die Staatsquote (derzeit bei 45 Prozent) soll in 10 bis 15 Jahren auf 40 Prozent sinken.

Zielgruppe Mittelstand

Erklärtes Ziel der FDP ist es, den Mittelstand zu stärken. 99,6 Prozent der Betriebe seien kleine und mittlere Unternehmen bis 250 Beschäftigte. Bei denen komme niemand, wenn die Konkurs gingen, anders als bei Air Berlin. Theurer geißelt die ausufernde Bürokratie. Besonders hat es ihm die „Mindestlohndokumentationspflichtenverordnung“ von Arbeitsministerin Nahles angetan. Doch auch die CDU habe dem zugestimmt.

Weitere Punkte sind der „digitale Tsunami“, die Flüchtlingspolitik, die Rente, Arbeitszeiten und die Diesel-Affäre. Die Zuhörer und Theurer steigen in intensive Diskussionen ein. Nicht für alle Probleme bietet der Europaabgeordnete Theurer Lösungen an. Die FDP wolle aber zur Diskussion darüber einladen.

22.20 Uhr: Stephen Brauer überreicht Theurer eine Flasche Hochprozentiges ­– eine Anspielung auf ein gutes Wahlergebnis. Trotz der warmen und verbrauchten Luft ist niemand vorzeitig gegangen. Von Wasser, Wein und Brezeln sind nur noch wenige Reste übrig.

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