Ein bisschen Sehnsucht nach Afrika

Die Musik mehrerer Bands beim "African Picnic", am Wochenende im Hospitalhof, berührte die Zuschauer. Auch der Haller Africachor trat auf.

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Beinahe wie ein Schuhplattler auf Afrikanisch. Die Akteure stellen aber Minenarbeiter dar, die unter schwersten Bedingungen schuften müssen.  Foto: 

Sie stampfen laut hinter der Freilichtbühne. Dazu kommen Rufe in einer Sprache, die die meisten Gäste wohl nicht verstehen. Vier Männer treten hervor. Nackter Oberkörper, eine bunte Mütze, grelle Hosenträger, Gummistiefel mit afrikanischen Rasseln daran. Sie treten die Füße energisch auf den Boden, die Arme hauen auf Beine, Stiefel, Boden. Beinahe wie Schuhplattler auf Afrikanisch. Nur nicht lustig.

34 tote Minenarbeiter

Die Männer des Quartetts Simunye aus Südafrika haben eine Botschaft. Sie stellen Minenarbeiter dar, die unter schwersten Bedingungen für einen lächerlichen Lohn schuften müssen. Sie erinnern an die 34 toten Arbeiter, die im August 2012 nach einem friedlichen Streik von Polizisten erschossen wurden.

Simone Knapp von der kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika in Heidelberg erzählt den rund 100 Gästen am Samstagmittag im Hospitalhof diese traurige Geschichte. Im Eingangsbereich hängen Bilder, gemalt von den Witwen der getöteten Minenarbeiter.

Kein trauriges Fest

Nun soll dieses Festwochenende, dass der in Hall lebende Südafrikaner Mthunsi Fesi zusammen mit David Gruhler in Kooperation mit dem Freundeskreis Afrika und den Eine-Welt-Regionalpromotoren Baden Württemberg organisiert hat, kein trauriges sein. Im Gegenteil: Mthunsi Fesi liegt daran zu zeigen, welche Potentiale in seiner Heimat stecken. Er holt junge Leute auf die Bühne, Musiker und Künstler. Menschen, die sich nicht durch die politische Lage einschüchtern lassen, sondern Zivilcourage beweisen. „Ich möchte honorieren, was die da machen“, sagt Fesi.

Sein Assistent David Gruhler, mit Schreinerhose und Maßstab in der Tasche, ist eine Stunde nach Eröffnung des African Picnics noch gut beschäftigt. Schließlich mussten die Stände aufgebaut werden, an denen Sandalen, Kunsthandwerk, Kleidung, Essen und Trinken verkauft werden. Außerdem müssen Bühne und Workshops bereit sein. Aber kurz besinnt er sich. Gruhlers Blick bleibt ruhig und er sagt. „Jetzt, im vierten Jahr der Veranstaltung, habe ich es verstanden. Mthunsi stillt damit seine Sehnsucht“.

Für die einen ist es die Sehnsucht nach einem vertrauten Land, für die anderen die Neugierde an der Fremde. Markus Ventura aus Hall ist gekommen, um die Musik zu hören. Er war noch nie in Afrika, aber sein Vater hat acht Jahre dort gelebt.

An einem der zwei massiven Holztische sitzt eine Hallerin mit ihrem Mann und lässt sich ein afrikanisches Reisgericht schmecken. Sie ist wegen dem Männerquartett Simunye hier. Sie hat sie kürzlich schon im Waldenburger Gleis 1 gehört und war ganz angetan von der Kraft, die sie vermitteln. „Die Musik und der Tanz, da kommt so viel rüber, das stößt bei mir auf Resonanz, da schwingt alles mit.“

Nach Südafrika gereist

Die Besucherin ist aber auch gekommen, um den Africachor Mokosole zu hören. Die Haller Formation gibt es seit anderthalb Jahren. Einmal im Monat treffen sie sich mit der Heidelberger Musikpädagogin und Chorleiterin Eva Buckmann. Neulich sind sie nach Südafrika gereist.

In teils afrikanischen Kleidungsstücken stehen die rund 20 Sänger, weitaus mehr Frauen als Männer, nun auf der Bühne im Haller Hospitalhof und singen Lieder, die der Zuschauer nicht versteht. Aber er spürt sie. Sehr gefühlvoll trägt das Chor das Lied „Sensenina“ vor. „Was ist unsere Schuld? Wir sind schwarz“, heißt es darin. Sie fassen sich an den Händen, manche schließen die Augen. Es ist das Arbeiterlied der Apartheid. Das Lied, dass die Minenarbeiter gesungen haben, bevor sie erschossen wurden.

„Die afrikanischen Lieder haben diese bestimmte Energie“, sagt Veronica, eine Sängerin im Chor. „Sie werden aus dem Herzen gesungen und sind sehr berührend.“

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