Ein „saubere“ Sache

Auch nach mehr als zwei Jahrzehnten geht Jürgen Wagner seine Arbeit als Klärwart der Gemeinde Michelfeld mit Freude und Engagement an.

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Die Michelfelder Wasserproben von Jürgen Wagner müssen die Sollwerte des Landratsamts erfüllen.  Foto: 

Wie läuft es heute bei Ihnen?“, fragt Wolfgang Binnig. Der Bürgermeister von Michelfeld ist der Vorgesetzte von Klärwart Jürgen Wagner. Zwischen zwei Terminen hat der Rathauschef ein kleines Zeitfenster gefunden, um seinen Mitarbeiter im Klärwerk in Neunkirchen zu besuchen. „Warten Sie kurz einen Moment, ich nehme gerade eine Wasserprobe“, antwortet Wagner. Mit einer Spezial-Kelle schöpft er Wasser aus dem Belebungsbecken und gießt es vorsichtig in das Messgefäß.

Die braune Farbe des Wassers trügt. Beim Labortest stellt sich heraus, dass die Wasserqualität gut ist. „Ich muss bei Proben die Sollwerte erfüllen, die das Landratsamt Schwäbisch Hall vorgibt.“  Jürgen Wagner ist zufrieden, dass er den nächsten Arbeitsschritt in der Kläranlage starten kann. „Das Wasser kommt jetzt vom Belebungsbecken ins Nachklärbecken.“ Jürgen Wagner verlässt sein Arbeitszimmer und marschiert wieder gezielt zum Klärbecken.

Wolfgang Binnig ist froh über das konzentrierte Arbeiten seines Mitarbeiters. „Klärwärter übernehmen eine verantwortungsvolle Aufgabe im kommunalen Bereich“, sagt der Bürgermeister zum Abschied, bevor er in seinen Wagen steigt und zum nächsten Termin fährt.

Jürgen Wagner bestätigt, dass ein Klärwart zuverlässig und verantwortungsvoll sein muss. „Auch an den Wochenenden steht Bereitschaftsdienst an. „Auf der Kläranlage muss auch am Samstag oder am Sonntag alles reibungslos ablaufen“, betont Wagner. Der 59-Jährige war zunächst im Bauhof der Gemeinde Michelfeld beschäftigt und hat sich dann weiter im Bereich der Abwasser­entsorgung qualifiziert.

Geteilter Wochenenddient

Den Wochenenddienst teilt sich der zweifache Familienvater und Landwirt im Nebenerwerb aus Gnadental-Lemberg mit Stefan Wieland. Die beiden Klärwärter sehen abwechselnd in den Kläranlagen in Rinnen, Büchelberg oder Neunkirchen nach dem Rechten. Zu tun gibt es als Klärwart immer was. Ob Materialwart, Fachkraft für Wasserwirtschaft und -entsorgung, Labortechniker oder Handwerker – auf dem Klärwerkgelände vereint Jürgen Wagner oft mehrere Berufsbilder auf einmal.

Im Klärwerk reguliert er bei Sicherheitskontrollen den Mengendurchfluss. Ich muss immer wieder den Einstau und die Entlastung der Becken kontrollieren“, sagt er. Er beugt sich über das Geländer und blickt nach unten. „Heute passt alles.“ Den Klärschlamm pumpt er im Schlammsilo ab. „Der Klärschlamm wird dann zur Sammelstelle der Kläranlage Biberstal in Rieden abtransportiert“, so Wagner.

Kleinere Reparaturaufgaben erledigen Jürgen Wagner und sein Kollege Stefan Wieland selber. Dank seiner langjährigen Erfahrung weiß Wagner, wann ein Fachmann ran muss, damit die komplexen Abläufe in der Abwassertechnik jeden Tag aufs Neue harmonisch zusammenspielen. Auch Kostenvoranschläge für Ersatzteile und Monteur-Arbeiten reicht der Klärwart umgehend ans Rathaus weiter. Den Wasserschöpfer zur Schlammmessung hält er fest umklammert. „Wenn der kaputt geht, dann ist das nicht ganz so kostspielig.“ Teurer wird es, wenn ein Gebläse, ein Siebrechen oder das Tauchmotor-Rührwerk defekt sind. „Das belastet die Gemeindekasse gleich mit mehreren Tausend Euro“, weiß Wagner.

Kampf gegen Nagetiere

Einen intakten Dienstwagen braucht der Klärwart, um die sechs Pumpwerke und elf Regenüberlaufbecken der Gemeinde Michelfeld regelmäßig zu inspizieren. Doch „Schicht im Schacht“ ist damit für Jürgen Wagner noch lange nicht. Sein vielfältiges Aufgabenspektrum umfasst auch Schachtkontrollen in der Kanalisation. „Neben der Nagetierbekämpfung kontrolliere ich auch potenzielle Ablagerungen oder Fremdwassereintritte“, betont Wagner.

Jetzt zum Frühlingsstart muss Jürgen Wagner dringend die Regenüberlaufbecken im Gemeindegebiet reinigen. Diese Sisyphuos-Arbeit nimmt Wagner klaglos hin.

Die Gemeinde Michelfeld verfügt über drei Kläranlagen: Rinnen, Neunkirchen und Büchelberg. Ein Teil des Abwassers fließt in die Kläranlage Biberstal, die auf Rosengartener Gemarkung liegt. Derzeit sind die Häuser von etwa 98 Prozent der rund 3800 Einwohner in der Gemeinde an eine Sammelkläranlage angeschlossen.

Folgende Wohnplätze mit derzeit 81 Einwohnern (2,13 Prozent) sind noch nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen: Blindheim (Anschluss ab 2021 geplant), Eichholz (dauerhaft dezentral vorgesehen), Forst (Anschluss wird aktuell realisiert, Fertigstellung 2018), Forsthaus (dauerhaft dezentral vorgesehen), Koppelinshof (Anschluss wird aktuell realisiert, Fertigstellung 2018), Landturm (dauerhaft dezentral vorgesehen), Leoweiler (Anschluss für 2017/2018 geplant), Lindachshof (Anschluss für 2017/2018 geplant), Molkenstein (Anschluss für 2017/2018 geplant), Obersteinbacher Straße (dauerhaft dezentral vorgesehen) und Försterhaus Büchelberg.

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