Ehemalige Zivilbeschäftigte der Dolan Barracks schwelgen bei Treff in Erinnerungen

Um die 160 Zivilbeschäftigte hatte die amerikanische Kaserne Dolan Barracks in Hessental (heutiger Solpark). Jetzt trafen sich Ehemalige wieder.

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Bei dem Treffen ehemaliger Zivilbeschäftigter der Dolan Barracks zeigen sich die Teilnehmer Fotos von Festen und Ereignissen: (von links) Gerhard Kober (ehemals Mechaniker und Feuerwehrmann),  Silvia Misera (Personalverwaltung), Dieter Brehmer (Ingenieur) und Georg Rößler (Crew-Chef der Feuerwehr).  Foto: 

Im September vor 23 Jahren drehte der Hausmeister den Schlüssel des Gates ein letztes Mal um. Alle Amerikaner hatten die Dolan Barracks in Hessental verlassen – und mit ihnen fast alle Zivilbeschäftigten. Viele wurden arbeitslos und mussten sich neue Jobs suchen. Silvia Misera etwa, die mit 19 Jahren schon in der Camp-Verwaltung  angefangen hatte, kam bei der Haller Bausparkasse unter. Wieder andere wurden bevorzugt in der öffentlichen Verwaltung eingestellt oder machten sich selbstständig. Manche, wie Johannes Kupik, Chef  der technischen Verwaltung, behielten ihre Schlüssel. Denn sie mussten für den Erhalt der technischen und baulichen Anlagen sorgen, die in den Besitz der Bundesverwaltung übergingen. Von ihr kaufte dann die Stadt Schwäbisch Hall das Gelände für rund 30 Millionen Mark.

Andere Beschäftigte, wie Ingrid Weiss, Chefin der Zivilverwaltung,  wurden kurzzeitig noch in anderen Kasernen beschäftigt – etwa den Crailsheimer McKee Barracks, bis auch diese geschlossen wurden. „23 Jahre war ich bei den Amerikanern beschäftigt, und ich hätte nie gedacht, dass ich mir mal einen neuen Job würde suchen müssen“, erzählt sie – „selbst dann nicht, als 1992 die Meldung im Radio kam. Wir hatten doch unsere Hubschrauber, und ein Jahr zuvor war erst ein großer neuer Hangar eingeweiht worden. Aber dann kam’s doch so. Allerdings waren wir doch so wichtig, dass die uns übergeordnete Kaserne in Heilbronn noch vor uns zugemacht wurde.“ Sie lächelt. „Aber unser Betriebsrat hat gute Abfindungen für uns ausgehandelt.“

Georg Rößler war elf Jahre lang einer der Crew-Chefs der Kasernen-Feuerwehr. Er verließ die Dolan Barracks aber schon lange vor dem Ende. „Da stand eines Tages ein Inserat in einer überregionalen Zeitung: ,Feuerwehrchef mit guten Englisch-Kenntnissen gesucht’. Und meine Crewleute drängten mich, mehr spaßeshalber dort anzurufen. Ich hab’s gemacht und bin danach von dieser international tätigen Baufirma regelrecht bedrängt worden,  ich solle mich doch endlich dafür entscheiden.“ Wenige Monate später war Rößler mit Familie in Saudi-Arabien und arbeitete dann fast ein Vierteljahrhundert lang im Nahen Osten.

Und dann zeigt Rößler Bilder aus seiner Dolan-Zeit, von Übungen mit brennenden Flugzeugen, simulierten Außenlandungen nach Crashs – „echte hatten wir leider auch einige, sogar mit Toten“ – und vom Alltag in den Barracks – mit Passkontrollen am Eingang, je nach Sicherheitslage auch mehr. Der Arbeitsplatz hinter dem Gate lag  schlicht im Ausland. Und natürlich zeigt Rößler auch Bilder von dem einen oder andern Fest.

„Oh, gefestet haben wir immer wieder mal, nicht nur unter uns, auch mit den Amerikanern“, erzählen Eckhard Rein und Peter Becker. Der eine war Heizer im Kraftwerk der Kaserne – „sogar die Kohle kam via Hafen Heilbronn direkt aus Amerika“ –, der andere war Busfahrer, der „Schulkinder, die Footballmannschaft, irgendwelche Delegationen, eigentlich alles“ fuhr.

Oft gab es Feiern dieser Art im Bowlingcenter neben dem alten Hangar, manchmal auch im Freien. Und Johannes Kupik steuert zu den Erinnerungen eine Geschichte über ein Schwein bei, das in einer Erdgrube gegrillt wurde. „Wir hatten da einen Officer, Manalysa hieß er, der kam aus Hawaii. Er ließ uns auf einer Wiese eine Erdgrube ausheben, mit blanken Flusssteinen füllen. Ich glaub’, die haben wir damals aus der Bühler geholt. Dann wurde darauf ein großes Holzfeuer gemacht, danach die Asche abgekehrt, das Schwein reingelegt und das Ganze mit Erde zugedeckt.“ Am Abend, als das Fest begann,  sei das Schwein dann gar gebraten gewesen. „Es hat wirklich herrlich geschmeckt“, sagt Kupik.

Rund 30  ehemalige Zivilangestellte der Dolan Barracks kamen jetzt zu dem Treffen, das bereits mehrere Male stattgefunden hatte. „Leider haben wir ja nicht von allen eine Adresse“, meinte Ingrid Weiss, die das Treffen organisierte. Aber durch  Weitersagen habe doch der eine und die andere von dem Ehemaligen-Treffen erfahren.

„Sie sehen ja, es gibt immer mal wieder ein großes ‚Hallo’, wenn jemand erscheint“, sagt Weiss. So wie bei Tony. „Der hatte übrigens als von den Amerikanern aufgenommener Flüchtling aus dem Nahen Osten einen anderen Status als wir, er durfte auch in Bereichen arbeiten, wo sonst nur sogenannte Local Nationals, etwa Familienangehörige von Soldaten, arbeiten durften“, erinnert sich die Organisatorin des Treffens.  „Aber, auch das sehen wir an Tony: Wir werden älter und immer weniger bei diesen Treffen.“

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