E-Bikes sind angekommen, E-Busse noch teuer

Im Nahverkehr ist der Elektroantrieb eine Chance, sowohl für das Fahrrad als auch für den öffentlichen Bus. Darüber sprachen Experten in der VHS.

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Eine Pedelec-Fahrerin ist am Schafstall unterwegs.  Foto: 

E-Bikes sind inzwischen weit verbreitet. „Keiner zweifelt mehr daran, dass die Technik fürs Fahrrad funktioniert“, stellte Dieter Wolfarth von der Haller Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen  Fahrradclubs (ADFC) fest. Wolfarth wirbt für das Fahrrad, das, mit E-Motor ausgerüstet, auch in Städten mit steilen Anstiegen wie in Hall für jeden nutzbar sei – auch für ältere Menschen und Berufstätige im Anzug. „Mit dem Pedelec kommen Sie ohne zu schwitzen an“, meinte Wolfarth in seinem Vortrag bei der Veranstaltung des alternativen Autoclubs VCD (Verkehrsclub Deutschland) in der Volkshochschule (VHS). Unschlagbar sei das E-Fahrrad im Vergleich zum Auto bei Fahrten bis zu zwölf Kilometern. In diesen Entfernungsbereich fielen 60 bis 70 Prozent aller Autofahrten. Auch der Zeitaufwand sei vertretbar: Mit einem normalen Pedelec komme man innerhalb von 15 bis 30 Minuten viereinhalb bis neun Kilometer weit, mit einem von einem E-Motor getriebenen Pedelec, das bis zu Tempo 45 erreichen kann, sogar bis zu zwölf Kilometer weit. Und das bei minimalem Stromverbrauch. Wolfarths erstaunliche Berechnung: Bei 1000 Kilometern im Jahr benötige ein E-Bike insgesamt maximal zehn Kilowattstunden. „Dafür reicht ein DIN-A4-großes Solarpanel, das erneuerbaren Strom erzeugt“, so der frühere Physiklehrer.

Weniger bekannt, aber hocheffizient sei der getriebelose Elektro-Antrieb für Busse, den die Firma Ziehl-Abegg aus Künzelsau entwickelt hat. Auf der Landesgartenschau in Öhringen sind vier E-Busse im Einsatz, die später im Regionalverkehr fahren sollen.

Dass die Technik auch bei großer Kälte funktioniere, versicherte der Ziehl-Abegg-Geschäftsführer für den Bereich Automotive, Ralf Arnold: Im hohen Norden, im schwedischen Umea, sei die gesamte Busflotte für den öffentlichen Personentransport mit dem Radnabenantrieb ausgerüstet. Die Batterien dieser Busse würden in einem Schnellladeverfahren innerhalb von zwei Minuten wieder gefüllt.

Auch in Münster und Bonn fahren E-Busse im täglichen Linienbetrieb. In Europa seien derzeit etwa 40 bis 50 E-Busse unterwegs.

„Unsere Kunden schätzen nicht nur, dass die E-Busse keine Abgase ausstoßen und unser Antrieb äußerst energieeffizient ist, sondern auch, dass die Busse 90 Prozent leiser sind als die modernen Dieselmotorbusse“, berichtete Arnold.

Pro Kilometer verbrauche ein 18-Tonnen-E-Bus nur eine Kilowattstunde Strom. „Doch für so eine Technik braucht man Leute, die das wollen“, betonte Arnold. Denn bisher sei sie noch teuer. „Aber bei den Akkus ist der Preis schon gesunken, das kommt beim Antrieb auch.“

Auch Ingrid Kühnel, Geschäftsführerin des Haller Verkehrsverbunds Kreisverkehr, hält die Kosten der E-Busse für das größte Hindernis. Dazu kommen die Ausgaben für die Ladestationen auf den Busbetriebshöfen und auf der Strecke. Froh ist sie über den Haller Busunternehmer Röhler, der in E-Busse investiere. Einer fahre bereits in Crailsheim im Linienverkehr. „Ich hoffe, dass die anderen Unternehmen nachziehen“, sagte sie.

Auch die öffentliche Hand müsse einsteigen. „Eine Stadt wie Hall, die sich Energie-Kommune nennt, kann damit ein Signal für den Klimaschutz setzen“, betonte sie. Immerhin habe die Stadt eine Ladestation am ZOB und in Hessental versprochen. „Aber wann, ist noch unklar.“
 

E-Bikes seltener im Angebot

Pedalunterstützung Der größte Anteil aller angebotenen E-Bikes sind eigentlich Pedelecs. Diese bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Erfolgt die Pedalunterstützung bis zu 25 Kilometern pro Stunde, gelten Pedelecs als Fahrrad und sind nicht zulassungspflichtig. E-Bikes fahren auf Knopfdruck auch ohne Pedalunterstützung. Dieses System ist ab sechs Kilometer pro Stunde zulassungspflichtig. Deshalb werden E-Bikes eher selten angeboten. siba

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