Drohnen werfen Schlupfwespen über Maisfeldern ab

Die Wintergerste ist reif und kann schon gedroschen werden. Das Landwirtschaftsamt Ilshofen erwartet eine durchschnittliche Ernte.

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Pilot Stefan Lange, Maschinenring-Geschäftsführer Fritz Hube und Pilot Manuel Kuss bereiten einen Drohnenflug über die Maisfelder vor. Die abgeworfenen Schlupfwespen sind die natürlichen Feinde des Maiszünslers.  Foto: 

Die ersten Mähdrescher waren schon am Freitag vergangener Woche in der Haller Bucht bei Otterbach gesichtet worden. Doch dann hatte das Wetter lange nicht mehr mitgespielt. Regenschauer ließen das Korn nicht trocken genug werden. Dabei ist die Wintergerste reif und kann gedroschen werden. Die Ernteaussichten in diesem Jahr sind, so eine vorsichtige Prognose des Landwirtschaftsamtes Ilshofen, durchschnittlich. Und das ist gar nicht so schlecht.

„Im Frühjahr war es sehr trocken. Für die Getreidebestände kam der Regen Ende Juni fast zu spät“, sagt Werner Balbach, der Leiter des Landwirtschaftsamtes. Zuckerrüben und Mais stünden aber „sehr gut“ da, so seine Beobachtungen. Eine Spitzenernte erwartet er in diesem Jahr nicht. Wohl aber könnten die Erträge bei Mais und Zuckerrüben richtig gut werden. Doch beides würde noch lange auf den Feldern stehen. Da könne noch viel passieren. Die jetzt reife Wintergerste, die Anfang Oktober ausgesät worden sei, habe die Feuchtigkeit des Winters noch gut nutzen können.

Tick über dem Vorjahr

Tiemo Hofmann, Leiter des Fachbereichs Pflanzliche Produktion im Landwirtschaftsamt, schätzt die Erträge bei der Wintergerste auf 7,5 Tonnen je Hektar. Beim Winterweizen könnten es 8 bis 8,5 Tonnen sein. „Das liegt im Durchschnitt und einen Tick über dem Vorjahr“, meint der Experte mit der gebotenen Vorsicht. Wie sich der jüngste Regen auswirke, wisse auch er nicht.  Die Gerste werde vor allem verfüttert. Beim Weizen gingen gute Qualitäten auch in die Lebensmittelproduktion.

Ende dieses Monats sei auch der Raps soweit, dass er gedroschen werden könne. Im Schnitt werde der Ertrag vermutlich bei vier Tonnen je Hektar liegen.

Wie Hofmann weiß, sehen die allermeisten Getreidebestände gut aus. „Kein Pilzbefall, keine Schädlinge“, erklärt er. Die ein oder andere Spritzung hätten die Ackerbauern in diesem Jahr ausfallen lassen können. Das spare auch Geld. Die Erntefolge sehe so aus: Wintergerste, Raps, Sommergerste (die zum Teil auch als Braugerste für Bier verwendet wird), Winterweizen, Sommerweizen, Silomais, Körnermais und ganz zum Schluss die Zuckerrüben. Das Preisniveau beim Getreide sei stabil, Einbrüche nicht zu erwarten

„Die Zuckerrübe ist die Königin des Ackerbaus, der Joker“, führt Tiemo Hofmann aus. Der Anbau sei in diesem Jahr auch im Kreis Schwäbisch Hall deutlich ausgeweitet worden. Das hat seinen Grund auch darin, dass es für Zucker keine festen Mengenvorgaben mehr gibt und der Zuckermarkt, ähnlich wie bei der Milch, dem Spiel des Marktes überlassen wird. Trotz der abgeschafften Kontingentierung erwartet er „vernünftige Preise“ für die Erzeuger. Die Zuckerraffinerien würden die zusätzlichen Rüben kaufen und ihre Kampagne, so nennt man die Zeit der Rübenverarbeitung, auf den Dezember ausdehnen. Damit würden die Maschinen länger laufen und es könne wirtschaftlicher gearbeitet werden.

Keine Angst vorm Zünsler

Beim Mais mache auch der gefürchtete Maiszünsler keine Angst. „Die Schadschwelle ist nicht erreicht“, meint Hofmann. Der Maiszünsler werde biologisch mit der Schlupfwespe bekämpft. Dafür ist der Maschinenring Schwäbisch Hall der erste Ansprechpartner. „Wir sind seit Dienstag mit unseren Drohnen unterwegs“, sagt Fitz Hube, Geschäftsführer des Maschinenrings Schwäbisch Hall.

Die trockenen Wetterperioden würden ausgenutzt. Die Schlupfwespen werden nicht mehr wie früher per Hand, sondern mit Drohnen ausgebracht.

Die erste Charge war ab dem 22. Juni über den Maisfeldern im Landkreis, wie in Obersontheim, Hall, Rosengarten oder  Blaufelden abgeworfen worden. Unter den Drohnen hängen kleine Pappkügelchen, Durchmesser etwa zwei Zentimeter, mit etwa 2000 „auf den Punkt produzierten“ Eiern und Larven der Schlupfwespe. Die werden abgeworfen.

Tags drauf schlüpfen die Wespen und legen ihre Eier bevorzugt in die Eier des Maiszünslers. Dadurch werde die Brut des Maiszünslers zerstört, erklärt Hube. 100 Kugeln werden von der GPS-gesteuerten Drohne pro Hektar abgeworfen.

„Die Schlupfwespe selbst ist viel kleiner als ein Stecknadelkopf und mit bloßem Auge kaum zu erkennen“, erläutert der Chef des Maschinenrings. Er selbst ist einer der zwölf Piloten, die auch im Raum Bruchsal, Eppingen, Creglingen und Ansbach tätig sind. Im Altkreis Hall und Gaildorf werden so 632 und in Crailsheim/Blaufelden 261
Hektar Mais geschützt. „Eine sehr elegante Lösung für die Landwirte“, schwärmt Hube.

Pro Hektar koste die zweifache Ausbringung den Landwirt, der den Maschinenring dazu beauftragen muss, 76 Euro. Seit mittlerweile drei Jahren werde das so gemacht. Das Land fördere die biologische Schädlingsbekämpfung.

Dann darf man auf die
Maisernte ja mal gespannt sei.

Der Landkreis Hall hat eine Fläche von fast 1500 Quadratkilometern. Ein Drittel der Fläche, das sind etwa 50 000 Hektar,  ist Ackerland. Im Jahr  2016 wurden davon 66 Prozent mit Getreide bepflanzt. Hauptanbausorten waren Weizen (28,4 Prozent), Winterweizen einschließlich Dinkel (28,2%), Wintergerste (19,5%), Silomais (18,1%), Triticale (7,2%), Körnermais (6,5%) und Raps (4,9%). kor

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