Drei junge syrische Bürgerkriegsflüchtlinge lernen am Goethe-Institut Deutsch

Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge belegen aufgrund einer privaten Initiative einen Deutschkurs am Goethe-Institut in Schwäbisch Hall. Ihre größte Motivation: der Wunsch nach einem Studienplatz.

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Mohamad Alkhatib, Rahaf Al-Boush und Ali Al-Boush (von links) zusammen mit Hans Werner Schmidt, Leiter des Goethe-Instituts Schwäbisch Hall.  Foto: 

Drei junge, attraktive Menschen, zwei Männer und eine Frau mit Kopftuch. Sie tragen schlichte Kleidung und blicken ihren Gesprächspartnern offen in die Augen. Man sieht ihnen nicht mehr an, was sie alles erlebt haben, bis es vor sechs Monaten zur Flucht nach Deutschland kam und dann bereits drei Monate später ans Haller Goethe-Institut ging. Mohamad Alkhatib, Ali Al-Boush und Rahaf Al-Boush kommen aus Rif Damaskus in Syrien. Die beiden Männer haben ihre nähere Familie zurück gelassen, die zarte Rahaf flüchtete zusammen mit Eltern, Onkel und Geschwistern. "Ich könnte nicht ohne meine Familie leben", meint sie mit Blick zu ihren beiden Cousins.

In Syrien entwickelte sich ab 2011 aus Protesten gegen Regierungsanhänger Assads ein blutiger Bürgerkrieg, dessen Ende nicht in Sicht ist. Das Heimatdorf der drei Flüchtlinge ist durch die Nähe zum Flughafen bereits früh Schauplatz von Kämpfen. Etwa 80 Prozent der Häuser seien zerstört, ihre Familie lebe nun andernorts zur Miete. "Wir haben im Krieg viel verloren, Eigentümer, Arbeits- und Ausbildungsplätze, doch wir leben noch", fasst Mohamed die letzten Jahre zusammen. Die Cousins vermissen ihre Eltern und Geschwister sehr.

Telefonieren ginge selten, die Verbindungen seien oft gestört. Aber über den Nachrichtenservice Whatsapp hielten sie Kontakt. Es sei in Syrien überall gefährlich, so Ali. Die drei informieren sich regelmäßig via Facebook über die Situation in der Heimat. In Syrien gäbe es keine Zukunft mehr. "Wir können nicht in die Uni gehen, wir bekommen keine Arbeit und keine Ausbildung, die Fabriken und Geschäfte sind zu." Überall seien Bewaffnete, es würde geschossen und bombardiert. Freunde hätten ihr Leben bereits auf der Straße verloren.

So kam es zur Flucht. "Ich war sehr wütend auf meinen Vater, ich wollte nicht weg", gibt Rahaf Al-Boush zu. Doch mittlerweile sei sie froh, ihr Vater habe Recht gehabt mit der Entscheidung. "Alle Deutschen sind sehr nett und wollen uns helfen", fasst sie die positiven Erfahrungen zusammen. Die Flucht in einem maroden, überfüllten Schiff von der Türkei nach Ägypten und von dort nach Italien und Deutschland sei sehr anstrengend gewesen. "Wir hatten kein Vertrauen in die Menschen und hofften nur auf einen guten Ausgang", erzählt Mohamad Alkhatib mit Schaudern.

Sie leben in einer kleinen Unterkunft in Oberschwaben

Sie leben nun in Ochsenhausen in Oberschwaben in einer kleinen Unterkunft, drei Zimmer, zwölf Leute. Und genau dort hat es das Schicksal besonders gut mit ihnen gemeint. Denn auf einer Feier der Asylbewerber kamen sie in Kontakt mit Birgit Müller-Vetter. Die frühere Goethe-Instituts-Mitarbeiterin finanzierte den drei ehemaligen Studenten zwei Monate im Haller Goethe-Institut aus ihrer Privatschatulle. "Sie sind hochmotiviert, denn sie haben ein Studium in Deutschland als Ziel vor Augen", erzählt Institutsleiter Hans Werner Schmidt. Deshalb habe der Freundeskreis des Goethe Instituts einen weiteren Monat Deutschkurs ermöglicht. Die 25 Stunden Unterricht in der Woche mit Mitstudenten aus 29 Nationen, danach Ausflüge, Feste und Geselligkeit mit freier Kost und Logis haben die Syrer genossen und genutzt. Denn jetzt sprechen sie flüssig deutsch. Nach nur sechs Monaten in Deutschland, davon dreien in Hall. "Wir wollen erst studieren, dann arbeiten und Geld verdienen und so unserer Familie helfen. Wir wollen in Deutschland nützliche Leute sein", erläutern die Flüchtlinge ihre ehrgeizigen Pläne.

"Sie waren toll", beschreiben sie ihre drei Monate am Haller Goethe-Institut. Nachdrücklich bedanken sie sich bei der privaten Initiatorin und dem Institutsleiter für die finanzielle Unterstützung. "Wir lernen deutsch auch als ,Bezahlung', als Dankeschön", so Mohamad. Denn die Kursgebühren hätten sie sich allein nie leisten können.


Mohamad Alkhatib, geboren 1995, der Vater war Sportlehrer, die Mutter Französischlehrerin. Er hat eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Die Familie lebt weiterhin in Syrien. Er würde gerne Ingenieur werden, in Syrien hatte er mit dem Jurastudium begonnen.

Ali Al-Boush, geboren 1994, der Vater besaß einen Supermarkt, die Mutter war Lehrerin. Er ist der jüngste von vier Brüdern, die Familie lebt weiterhin in Syrien. Er würde gerne Journalist werden. In Syrien hat er Bibliothekswesen studiert.

Rahaf Al-Boush, geboren 1994, der Vater war im Verwaltungsdienst, die Mutter war Krankenschwester. Ihre beiden jüngeren Brüder und Eltern sind ebenfalls nach Deutschland geflüchtet. Sie hat in Syrien Wirtschaft studiert.

Die Cousins leben seit ihrer Flucht in Ochsenhausen im Landkreis Biberach. Sie haben derzeit eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis. Ihre syrischen Studiengänge konnten sie wegen des Krieges nicht beenden.

SWP

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