Diskussion ums neue Theater: "Hände weg vom Unterwöhrd"

Odeion-Theater, Haalplatz, Markenstrategie: Rathausspitze und Freilichtspiele-Chef stehen Bürgern Rede und Antwort. Es geht um die Positionierung Halls als Kulturstadt und Folgen für die bauliche Entwicklung.

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OB Pelgrim erläutert seinen Plan: Zum Amphi- gehört in Griechenland ein kleineres Odeion-Theater. Während die Treppe das offene Amphitheater darstellt, könnte auf dem Unterwöhrd ein geschlossenes Odeion entstehen.  Foto: 

"Eine Stadt in Geiselhaft", "Stadt und Freilichtspiele planen im Geheimen", "Hände weg vom Unterwöhrd!!!": Plakate liegen auf den Plätzen im Musiksaal beim Forum der Volkshochschule im Haus der Bildung, die den Weg und die Kommunikation der Stadtverwaltung kritisieren. Eine Unterschriftenliste gegen den Neubau des Globe Theaters auf dem Unterwöhrd kursiert. Die Diskussion am Mittwochabend mit rund 150 Bürgern bleibt aber insgesamt eher sachlich, auch wenn Moderator Marcel Miara von der Volkshochschule hin und wieder eingreifen muss: "Wir wollen doch unsere gute Kinderstube nicht vergessen, bitte lassen Sie Herrn Biermeier ausreden", macht er einem Bürger deutlich, der dazwischen spricht, als der Intendant der Freilichtspiele mit seiner Antwort dran ist.

Christoph Biermeier sitzt neben Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und Erster Bürgermeisterin Bettina Wilhelm auf dem Podium, denn es geht in der Diskussionsrunde vor allem um den Nachfolge-Bau des Globe Theaters und in diesem Zusammenhang um die Entwicklung des Haalplatzes. Ein Modell und große Planungsskizzen veranschaulichen den Entwurf zum runden Odeion-Theater nach antikem Vorbild und seinen möglichen Standort auf dem Unterwöhrd. Der OB stellte zuvor die Objektplanung dazu vor.

„Form des neuen Theaters passt zur Form der Volksbank“

Diese bauliche Entwicklung müsse auch zur Positionierung der Stadt als "aufstrebende Kulturstadt für die Region der Weltmarktführer" passen - die markenstrategischen Überlegungen erläutert Wilhelm. Pelgrim verdeutlicht die Konsequenzen für die bauliche Entwicklung mittels Großprojekten in der Kernstadt.

Doch der Hauptteil der Veranstaltung soll an diesem Abend den Bürgern gehören, für Fragen und Diskussion, was dann über eineinhalb Stunden genutzt wird. Es fehle ein städtebauliches Gesamtkonzept, ein genauerer Blick auf die Lebensqualität in der Stadt, lauten Kritikpunkte. Im Mittelpunkt der Diskussion: Nachfolge-Bau des Globe Theaters. "Den Entwurf des neuen Odeion-Theaters finde ich schön und sinnvoll. Aber der Platz auf dem Unterwöhrd passt nicht. Wenn ich Besuch habe, zeige ich Gästen vor allem die Ackeranlagen, den Unterwöhrd. Wir genießen Kühle, Ruhe, Natur. Das sind die heiligen Hallen der Stadt. Die Form des neuen Theaters passt viel besser zur Form der Volksbank im Kocherquartier. Da hat es gegenüber eine große Freifläche. Mir gefällt nicht, dass Sie bereits entschieden haben, wo der beste Standort ist", kritisiert Matthias Wolf Bürgermeister Pelgrim und bekommt Applaus. Rita Walpurgis fragt nach, warum ein einzelnes Büro den Planungsauftrag erhalten, warum es keine öffentliche Ausschreibung gegeben habe. "Warum unterstützt kein hochrangiger Planungsbeirat die Stadt bei so einem sensiblen Projekt?", fragt sie in Richtung OB. "Wir müssen als Kulturstadt in die Globe-Nachfolge investieren. Es ist aber noch gar nichts entschieden. Der Gemeinderat hat für die Planung des Nachfolge-Baus 100.000 Euro freigegeben. Es ist aber kein Bauauftrag, sondern lediglich eine Objektplanung. Wir haben visualisiert, um eine Diskussionsgrundlage zu haben. Das gilt ebenso für den Vorschlag zum Standort", macht Pelgrim deutlich.

„Ich sehe mehr Handlungsbedarf für den Haalplatz“

"Ich sehe mehr Handlungsbedarf für den Haalplatz. Das ist der schönste und größte Platz, der vorher entwickelt werden sollte", sagt Ulrich Mix. Es gelte Wunsch und Wirklichkeit zu unterscheiden, antwortet Pelgrim. Es gebe eine große Anzahl von Themen, die für eine mögliche Neugestaltung des Haalplatzes unbeantwortet seien wie Untergrund, Verkehrsführung. Diese müssten diskutiert werden. Zudem sei der Platz zwar "städtebaulich scheußlich", aber der größte, wichtigste und voll ausgelastete Parkplatz für die Innenstadt. Da sei keine "Hau-Ruck-Lösung" möglich.

Ausführungen von Pelgrim und Wilhelm im Haus der Bildung

Markenstrategie Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm erläutert den Markenbildungsprozess, der von einer Projektgruppe mit Gemeinderäten in vier Tagen entwickelt wurde. Die aus dem Leitbild abgeleitete Ausgangsfrage lautet dabei: "Wie kann die Stadt Schwäbisch Hall sich so begehrlich positionieren, dass Wachstum generiert wird?" Wilhelm unterscheidet dabei drei wesentliche Kriterien: Zuzug von Einwohnern, Fachkräfte und den Wirtschaftsstandort. Ganz wichtig sei, dabei nicht nur quantitatives, sondern auch qualitatives Wachstum. Was macht die Stadt aus? Wilhelm nennt sieben Eigenschaften wie beispielsweise solide, gemeinschaftlich, ästhetisch, die den Markenkern bilden sollen. "Marke ist nicht Marketing. Das geht tiefer", sagt Wilhelm. Es gehe um den guten Ruf der Stadt. Die Projektgruppe hat Spitzenleistungen Halls verdichtet und kommt zur Positionierung der Stadt "als die aufstrebende Kulturstadt für die Region der Weltmarktführer". Wichtig: Das sei kein Motto oder gar ein Slogan mit dem nach außen geworben werde, sondern "unser Verständnis einer Positionierung. Besucher sollen es spüren, erleben, nicht wissen, dass sie in einer Kulturstadt sind. Wilhelm nennt "als beispielhafte Handlungfelder zur Umsetzung der Marke" unter anderem kulturelle Angebote und die Beteiligung von Kulturschaffenden.

Stadtplanung Aus diesen markenstrategischen Überlegungen ergeben sich Konsequenzen für die (städte)bauliche Entwicklung. Diese erläutert Hermann-Josef Pelgrim den Zuhörern. Der OB zeigt große Projekte in der Kernstadt, Themen der Stadtplanung auf der Karte, auf die er auch etwas näher eingeht wie unter anderem: Neugestaltung Haalplatz/Unterwöhrd,Bahnhofsareal, Erweiterung Kunsthalle, Weilerwiese. Schwerpunkt seiner Ausführungen: Das "Haller Odeion", möglicher Nachfolgebau für das Globe. Er präsentiert einen Neubau nach antikem Vorbild, macht einen Vorschlag für den Standort auf dem Unterwöhrd in der Nähe des jetztigen (das HT berichtete). Dies gehe nun in den Gemeinderat und in die breite öffentliche Diskussion. Hochbauamt und Architekten-Beirat machten sich zudem Gedanken um die weitere Planung.

CUS

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