Diskussion um Theaterneubau geht in die heiße Phase

Der Intendant Christian Doll will seine Pläne am Donnerstag vorstellen. Haller Architekten kritisieren die ursprüngliche Finanzplanung.

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Der kahle Sockel der einstigen Konzertmuschel ziert den Ort auf dem Unterwöhrd, an dem das Theater entstehen soll.  Foto: 

Von „zu teuer“ bis „noch viel zu billig“: Das Globe-­Theater bestimmt viele Gespräche und Spalten der Leserbriefseiten. Das Projekt ist mal wieder in einer heißen Phase. Die Haller Stadträte haben in der jüngsten Gemeinderatssitzung signalisiert, dass sie die Kostensteigerung um 44 Prozent auf 7,5 Millionen Euro nicht ohne weiteres mittragen wollen. Intendant Christian Doll will nun die Fraktionen von der Planung überzeugen. Erste Termine sind bereits ausgemacht. Es fand aber noch keine Sitzung statt.

Einst wurde der Entwurf der Haller Architekten zum Erhalt und zur Ertüchtigung des Globe-­Theaters abgelehnt. Andere Entwürfe fielen durch, weil sie zu teuer waren. „Ich fühle mich schlecht und auch ein wenig bestätigt“, sagt der Haller Architekt Wolfgang Kuhn, der sich damals an einem Alternativvorschlag beteiligt hat. „Wir wollen nicht schadenfroh sein. Aber es war klar: Die Kosten wurden zu niedrig angesetzt.“ Der Grund: „Man kann nicht nur ein bisschen heizen. Man kann nicht ein bisschen Theater im Winter spielen.“ Entweder man baue eine Spielstätte fürs ganze Jahr und die sei eben teurer als 5 Millionen Euro, oder man entscheide sich für ein Sommertheater. Das hätte man mit der Ertüchtigung des alten Globes viel günstiger haben können.

Kuhn war bereits beim Bau des ersten Theaterrunds beteiligt, das nun abgebaut wurde. „Für uns war damals klar: Wenn man mit einem Keller oder dem Fundament in den Untergrund geht, wird es teuer. Ist es sinnvoll, auf so einer Kiesinsel runter bis zum Kocherniveau zu graben?“

Keine Schuldzuweisung

Architekt Sven Haustein, der sich im Haller Bürgerforum engagiert, denkt ähnlich: „Für die Fachleute war damals klar: Die Kosten für den Entwurf der Stadtplanung reichen nicht aus.“ Hochbauamtsleiter Dieter Koch  tue ihm „am meisten leid, da er den politischen Preis von damals verteidigen muss“.

Die Stadtverwaltung stellte bei einer Pressekonferenz und im Gemeinderat die Gründe für die Kostensteigerung dar. Zum einen sei Geld für die Toiletten und die Trafostation den Freilichtspielen zugeordnet worden. Beides käme aber nicht nur Theaterbesuchern zu Gute und rechtfertige einen Zuschuss aus der Stadtkasse. Begründete Anforderungen an Bühnentechnik, Hubpodium, Verdunk­lung und Schallschutz trieben die Kosten in die Höhe. Die zu erwartenden Gesamtkosten seien aber nicht „aufgrund einer luxuriösen Ausstattung“ entstanden, schreibt Dieter Koch in einem Brief an die Stadträte.

Der neue Intendant Christian Doll will die Öffentlichkeit am Donnerstag, 18 Uhr, in der Haalhalle von der Notwendigkeit der Investition überzeugen. Bisher vorgesehen ist, dass am 6. März in einer Gemeinderats-Sondersitzung über die Kostensteigerung entschieden wird.

Sommer 2000: Das Globe wird eröffnet. Es soll eine Spielzeit lang stehen.

September 2013: „Neubau Globe-Theater beziehungsweise ganzjährig bespielbares Theater jenseits des Neubausaals“ steht nun im Stadtleitbild.

4. Dezember 2013: Eine Planungsrate für 100 000 Euro wird im Doppelhaushalt eingestellt.

6. Mai 2015: Oberbürgermeister Pelgrim präsentiert die Entwürfe des „Odeion-Theaters“. Einige Bürger überrascht das. Pelgrim schränkt ein: Sowohl Fassade als auch Standort seien Platzhalter. Der Gemeinderat lehnt eine Brücke zum Lindach, die auch als Baustellenzufahrt dienen soll, ab.

1. Juli 2015: Drei Architektengruppen wird Zeit gegeben, ihre Alternativen zum bisherigen Entwurf zu entwickeln. Eine davon sieht den Erhalt des bisherigen Theaters vor.

28. Oktober 2015: Der Standort-Korridor  eines möglichen Theaterneubaus im Bereich des bisherigen Globe-Theaters wird vom Gemeinderat festgelegt.

7. März 2016: Die SPD-Fraktion scheitert mit ihrem Antrag, einen Bürgerentscheid über den Theaterneubau durchzuführen. Mit 22 zu 10 Stimmen wird empfohlen, den Entwurf der Stadtverwaltung für den Theaterneubau als Grundlage für die Detailplanung zu nehmen. Die Baukosten werden mit 5,2 Millionen Euro angeben.

Mitte Oktober 2017: Intern rechnet die Hochbauverwaltung mit Kosten von 5,8 Millionen Euro. OB Pelgrim will das durch Sponsorengelder ausgleichen, berichtet er hinterher.

Januar 2017: Die Kosten werden nun intern mit 6,1 Millionen Euro angegeben, da einige Planungen konkret werden. Das Land bewilligt einen Zuschuss über 1 Million Euro, den der OB verkündet. Von Kostensteigerungen ist öffentlich noch nicht die Rede. Pelgrim glaubt, das Projekt sei „bei der Gesamtfinanzierung auf der sicheren Seite“. Das Ergebnis einer Submission von Arbeiten ergibt aber: Es könnte mit 7,5 Millionen Euro noch teurer werden.

30. Januar 2017: Die Stadträte im Bau- und Planungsausschuss wollen den städtischen Zuschuss für den Theaterbau nicht ohne weiteres um 1,5 Millionen Euro anheben.

8. Februar 2017: Der Gemeinderat will selbst einen auf 500 000 Euro reduzierten Beitrag nicht ohne weitere Informationen über Details mittragen, gibt aber das Okay für den Bau der Baustellenzufahrt.

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Kommentare

21.02.2017 10:45 Uhr

Diskussion über Theaterneubau ...............

Na dann plant mal in Hall das " DOPPELTE " an Kosten ein !

Oder hat jemand schon mal einen Theaterbau abgeschlossen bei dem die Kostenplanung stimmte ??

Wenn schon dann :
Kostenbindung an die ausführende Unternehmen und Architekten
Schadensersatzforderung bei Nichteinhaltung der Planungskosten

Wenn nicht begrabt den TRAUM

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In Schwäbisch Hall soll das Globe-Theater durch einen Nachfolge-Bau ersetzt werden. Noch ist strittig, wo das neue Theater entstehen soll.

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