Diebin hat Bluse im Handschuhfach

Eine 40-jährige Frau stiehlt immer wieder Kleidung. Das Haller Amtsgericht verurteilt sie wegen Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe und weist sie an, psychologische Hilfe zu suchen.

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. Gepflegt und modisch angezogen betritt die angeklagte 40-Jährige, die im Hohenlohekreis wohnt, den Haller Gerichtssaal. Den tiefen Ausschnitt an ihrem gelben Pullover verdeckt sie mit einem passenden Schal, blau mit gelb sind die Farben der Jeans, und sogar ihr dunkelblauer Steppanorak ist farblich abgestimmt. Dass sie eigentlich in einer finanziellen Misere steckt, sieht man ihr nicht an. Die Frau ist Mutter von zwei Kindern im jugendlichen Alter. Sie arbeitet fest als Küchenhelferin und zusätzlich in einer Bäckerei, aber sie steht unter Druck: Sie muss ihr Haus abzahlen. Schafft sie es nicht, droht die Zwangsversteigerung. "Das hat alles angefangen mit der Scheidung", schluchzt sie gleich zu Beginn der Verhandlung. Und auf den Vorwurf, dass sie erneut Kleidung gestohlen habe, erwidert sie weinend: "Ich brauch' Therapie, ich kann nicht mehr."

Am 28. November vergangenen Jahres knipste sie im Modepark Röther in Michelfeld unbemerkt das Sicherungsetikett an einer Bluse ab und zog sie an. Dasselbe machte sie mit Stiefeletten. Sie steckte aber die Sicherungs-Etiketten lose in ihre Tasche. So löste sie beim Verlassen des Geschäfts Alarm aus. Die Polizei fand in ihrer Handtasche einen Seitenschneider. Im Auto der Diebin lag außerdem eine neue Bluse im Handschuhfach. Das Etikett war abgerissen. In diesem Fall war sie nicht erwischt worden. Die Frau gab nach Zögern zu, die Bluse beim Modepark Röther in Backnang gestohlen zu haben.

Pflichtverteidigerin Tonia Schumann räumt ein: "Es ist ungesetzlich und unmoralisch, was sie tut." Aber es falle auf, dass die Angeklagte in Michelfeld unvorsichtig gewesen sei und die Etiketten nach dem Abknipsen in die eigene Tasche gesteckt habe. Die Anwältin folgert: "Das werte ich als Hilfeschrei." Nachdem die Frau entdeckt worden sei, gelte es nun, die "Zwangsstörung" zu behandeln.

In ihrem Schlusswort beklagt die Angeklagte noch einmal die hohe Belastung seit der Scheidung: "Ich kann mich selber nicht kontrollieren, wenn ich im Stress bin."

Die 40-Jährige ist seit 2009 dreimal wegen Diebstahls vorbestraft worden. Richter Jens Brunkhorst verurteilt sie jetzt zu einer Haftstrafe von sechs Monaten. Er setzt die Strafe unter zwei Auflagen zur Bewährung aus. Sie soll in ihrer Freizeit 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Und sie soll hinsichtlich ihres Drangs zum Stehlen eine ambulante Therapie beginnen.

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