Die Störgeräusche verhallen in Utopien

Die beiden Berliner Künstler Bettina Scholz und Nik Nowak gestalten eine Duo-Ausstellung mit dem Titel „Hall“ in der Schwäbisch Haller Galerie am Markt.

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Die Ausstellungskuratorin Sonja Klee unterhält sich mit den Berliner Künstlern Nik Nowak und Bettina Scholz.  Foto: 

Der erste Blick fällt auf ein futuristisch-nostalgisches Motorrad mit drei Rädern. Im „Baron Bass“ ist innen ein Subwoofer verborgen, der dröhnende Tieffrequenzen spielt. Die mobile Sound­skulptur kommuniziert quasi mit dem kraftvollen orange-roten großformatigen Bild dahinter. Eigentlich gestaltlos, erinnert es dennoch an eine apokalyptische Landschaft.

Die Werke der Berliner Künstler Nik Nowak und Bettina Scholz sind eigenständig zu verstehen. „Hall“ ist ihre erste gemeinsame Schau. Sie kennen sich seit zehn Jahren aus der Berliner Kunstszene. „Die Schallwellen der Soundskulpturen werden in den Bildern in ausdehnende Wellen übersetzt“, führt Kuratorin Dr. Sonja Klee die Titelidee aus.

Die mehrschichtigen Hinterglasbilder von Bettina Scholz zeigen teils düstere, aber fast gegenstandslose Motive. Der Eindruck des Betrachters schwankt zwischen Schönheit und Bedrohung. Man assoziiert mit den fließenden Formen und Klecksen Landschaften, Eruptionen oder mikroskopische Details. Die 37-Jährige hat von 2006 bis 2011 an der Berliner Weißensee-Kunsthochschule und am Londoner Chelsea College of Arts studiert. „Das Malen ist ein intimer, konzentrierter und schneller Moment“, erzählt sie. Ihr Atelier sei mehr ein „großes Experimentierfeld“. Zunächst bemale sie Hartfaserplatten, dann eine oder mehrere Glasplatten mit Tusche und Sprühfarben. Durch die übereinander gestaffelten Schichten entsteht der dreidimensionale Eindruck, die Farbflecken werfen Schatten und geraten in Bewegung.

Scholz ist vom Film beeinflusst: Die Regisseure Lars von Trier und Andrei Tarkovski seien ihre Vorbilder. So erscheinen einige ihrer Bilder als Dystopien – als negative Visionen. „Utopien sind wichtig, um den Horizont zu trainieren, doch oft kippt es ins Negative“, erläutert Scholz genauer.

Das wummernde Dröhnen in Intervallen lässt die Besucher der Vernissage bisweilen lauter sprechen. Ein Unwohlsein entsteht. Das ist so von Nik Nowak gewollt: „Man kann das Geräusch nicht lokalisieren“, führt er das beklemmende Gefühl aus. Nowak hat von 2002 bis 2007 an der Universität der Künste in Berlin und an der Normal University in Shanghai studiert und sich mit Akustik als Waffe, Echodrohnen und Soundobjekten beschäftigt. Die Fahrzeuge kauft er meist auf Ebay und baut sie um.

Die Komposition der Tieftöne wie beim „Baron Bass“ ist sowohl hör- als auch spürbar. Audifizierte elektromagnetische Wellen, Störgeräusche, erklingen hingegen vom „Soundwak“ auf dem Treppenabsatz. Die Skulptur mit Rädern erinnert an ein Insekt mit Facettenaugen. „Das ist ein Zitat“, erläutert der 35-jährige Nowak näher. Er beziehe sich dabei auf den Science-Fiction-Autor J. G. Ballard, der bereits 1960 visionär Datenstreaming und Komprimierung von Tönen beschrieb. Auf die Idee, Klänge in die Kunst einzubeziehen, sei Nowak beim Malen unter elektronischer Musik gekommen.

Weitere Kunstwerke sind „Dubplate“, lackierte Aluminiumbleche, auf denen er mit einem Kettenfahrzeug oder Werkzeugen Spuren hinterlassen hat. Das Material wird auch für Schallplatten in Kleinstauflage verwendet.

Info Die Ausstellung in der Galerie am Markt ist bis zum 29. Januar mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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