So unterschiedlich sind Deutschland und Namibia

Jean Gowases und Wolfgang Dedig sind als Schüler der Waldorfschule Windhoek (Namibia) drei Wochen lang als Praktikanten in Haller Betrieben aktiv.

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Viele ihrer Mitschüler an der Waldorfschule in Windhoek wären gerne ausgewählt worden. Aber nur die besten ihres Fachs und wer gut in der deutschen Sprache war, durfte mit. Deutschland: Ein Land, das die Schüler reizte und nicht enttäuscht hat.

Obwohl Jean Gowases am Anfang Heimweh hatte, wird sie am Ende in ihr Land zurückkehren und von Deutschland schwärmen. Davon, wie die Menschen aufpassen, auf ihr Haus und ihre Umwelt. Sie wird schimpfen, weil sie selbst so sorglos umgehen, den Müll einfach hinschmeißen, wogegen er hier sogar getrennt wird. Sie wird erzählen, dass die Menschen sich hier grüßen und den Gruß auch wirklich ernst meinen. Und sie wird die langen Abende vermissen, an denen die Sonne Stunden später untergeht als bei ihnen. Sie liebt das Grün. Bei ihnen regnet es viel zu selten.

Hier traut sich die 17-Jährige, die im Hotel Goldener Adler ihr Praktikum macht, Bus zu fahren. In Namibia wird sie von ihren Eltern zur Schule gebracht, weil Busfahren dort unheimlich sei. Auf den Straßen ihrer Heimat fühle man sich stets unsicher, oft werde man beklaut, in Hall fühlt sich Jean Gowases sicher.

Im Housekeeping eingesetzt

Die Arbeit im Hotel war am Anfang schwer für sie. Die 17-Jährige wurde im Housekeeping eingesetzt. Zimmer reinigen, das fand sie sehr anstrengend. Jetzt ist sie in der Küche. „Da macht sie sich mit ihrer Fröhlichkeit sehr gut“, sagt Peter Weissbach vom Goldenen Adler. Er würde durchaus jungen Menschen aus Namibia einen Ausbildungsplatz anbieten.

Wolfgang Dedig hat bereits in seinem Praktikumsbetrieb danach gefragt. Der Namibier mit deutschem Namen arbeitet bei den Stadtwerken. In seiner Schule haben sie vier Spezialisierungen: Touristik, Elektrotechnik, Bauwirtschaft und den kaufmännischen Zweig. Er wählte Elektrotechnik und brachte schon Wissen mit, das ihm jetzt in seinem Praktikumsplatz, wo er Kabel verlegt und Stromkästen aufbaut, hilft. Darüber hinaus habe der 18-Jährige auch viel Neues gelernt. Alle seien sehr nett und hilfsbereit. Auch die Gastfamilien, bei denen die Schüler wohnen.Wolfgang Dedig mag das Klima hier in Schwäbisch Hall. Bei ihnen auf dem afrikanischen Kontinent sei es immer heiß und trocken. Er beobachtet, dass die Menschen hier schneller Auto fahren und sie fahren auf der anderen Seite. In Namibia ist Linksverkehr.

Sein deutscher Name kommt von seinen Großeltern, sie stammen aus Hamburg. Auch wegen ihnen und dem Erkunden seiner Wurzeln käme er gerne wieder nach Deutschland zurück.

Die jungen Gäste aus Namibia haben schon massenweise Fotos und Nachrichten in die Heimat geschickt. Selfies vor der Kirche, auf dem Marktplatz und der Kunsthalle Würth zeugen von  ihrer Begeisterung.

Die Kooperation zwischen Hall und der Wadorf School Windhoek besteht seit 2015. Damals hat der Gemeinderat beschlossen, jährlich rund ein Prozent des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Haller Beteiligungsgesellschaft in Projektpartnerschaften zu investieren.

Sechs Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren sind nun nach Hall gekommen. Sie arbeiten im Hotel Hohenlohe, im Hotel Goldener Adler, bei Elektro Augsten und bei den Stadwerken. Einige der Betriebe seien bereit, Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anzubieten, wenn die Behörden es nicht behindern. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim betont, dass er mit der Botschaft in Namibia Kontakt hatte und das Thema abgestimmt wurde, so dass es da keine Probleme mehr gebe.

Der Freundeskreis des Fördervereins und die Stadt Hall würden es unterstützen, wenn namibische Jugendliche nach Hall kämen. Die Parnter strebten auch einen Austausch deutscher Schüler nach Namibia an. Der Freundeskreis sucht zudem pensionierte Lehrer, die Lust haben, an der Waldorf School in Windhoek zu unterrichten. sasch

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