Die Kräuterfrau aus Sulzdorf

Am Samstag findet in Hall der erste baden-württembergische Wildkräuter-Kongress statt. Für Kräuterpädagoginnen im Haller Raum wie Martha Feuchter hat die Saison bereits vor der aktuellen Bärlauchernte begonnen.

|
Martha Feuchter sitzt dort, wo sie gern sitzt: in der Natur. Dort entdeckt die Sulzdorferin viele verschiedene Wildkräuter.  Foto: 

"Auf der Mauer hier wächst schon der Ackersalat", freut sich Martha Feuchter. Die Kräuterpädagogin entdeckt Wildkräuter und -gemüse sogar an ungewöhnlichen Plätzen, wie an einem Mauervorsprung an der Eisenbahnbrücke bei der Gottwollshäuser Steige. Auch die gelbe Blüte des Scharbockskrauts, das sie oberhalb des Blutsteigles auf dem Friedensberg entdeckt, sieht sich die Kräuterexpertin genauer an. Inzwischen hat die 64-Jährige mehr Zeit für ihr Hobby als "Kräuterhexle".

"Jetzt im Ruhestand genieße ich die Arbeit mit den Wildkräutern noch mehr", sagt sie lachend. Die Sulzdorferin wuchs in Wolpertshausen-Reinsberg auf und arbeitete viele Jahre als Krankenschwester in der Gemeindekrankenpflege. 2009 absolvierte sie eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin. "Ich habe am Ende meines Arbeitslebens gemerkt, dass ich noch zusätzlich was machen wollte, und bin dann auf diese Ausbildung gestoßen", sagt Martha Feuchter. Schnell war sie von der Schönheit, Vielfalt und Nützlichkeit der Wildkräuter begeistert.

In den Kursen sitzen mehrere Frauen aus dem Kreis Hall

An zehn Wochenendkursen erwarb sie an der Gundermannschule an der Akademie für Landbau in Kupferzell ein kompaktes Basiswissen über Heilkräuter und deren gesundheitsfördernde Wirkung. "Ich war übrigens nicht die einzige Kursteilnehmerin aus dem Haller Raum", ergänzt sie. So nahmen an der Qualifikation zur Kräuterpädagogin neben Martha Feuchter auch Gabriele Gläßer aus Obersontheim, Gerda Freier aus Schwäbisch Hall und Edeltraud Pfeil aus Obermünkheim teil. "Karin Öchslen aus Untermünkheim organisiert außerdem regelmäßige Treffen, bei denen wir uns gegenseitig austauschen", bestätigt die Sulzdorferin.

Ihre Kolleginnen wird sie morgen beim ersten baden-württembergischen Wildkräuter-Kongress des Kräuterpädagogenvereins Baden-Württemberg in Hall wiedersehen. Auf den Vortrag des Wildkräuterexperten Markus Strauß in der Kulturscheune Zukunftswerk am Teurershof freut sich Feuchter besonders. Im Vorfeld des Kongresses kommt der Sulzdorferin ebenfalls eine Aufgabe zu. "Ich muss für den Kongress frische Kräuter besorgen", erklärt sie. An ihrem Wohnort in Sulzdorf wird sie daher noch frischen Bärlauch, Brenn- und Taubnesseln sowie Giersch besorgen. "Ich brauche nicht weit zu laufen - in der nahen Schmerachklinge gibt es zum Glück genug Wildkräuter", sagt sie lachend. Brennnesseln findet sie im eigenen Garten ohnehin genug. "Brennnesseln dienen übrigens über 50 Insektenarten als Nahrung", weiß die Kräuterkennerin.

In der Schmerachklinge sind die meisten ihrer Kräuterführungen. "Das läuft dann meistens über Mund-zu-Mund-Propaganda", erläutert Martha Feuchter. "Im Einklang mit der Natur" lautet dabei das Motto jeder Wildkräuter-Tour. "Ich versuche den Teilnehmern näherzubringen, dass sie jedes Blatt so pflücken sollen, dass die Pflanze überleben kann. Schließlich wollen wir auch im nächsten Jahr wieder Kräuter sammeln", sagt die Kräuterexpertin lachend. Außerdem dürfe jeder logischerweise nur so viel pflücken, wie er selber verarbeiten könne.

Fachfrau weiß: Auch Kinder arbeiten gern mit Kräutern

Auch im Seniorenstift oder im Kindergarten vor Ort referiert Martha Feuchter über Wildkräuter. "Kindern macht es viel Spaß, selber Kräutersalze oder gesunde Brotaufstiche herzustellen", weiß sie. Die gesammelten Wildkräuter verarbeitet sie zu Gelee, Sirup und Gewürzsalzen, die sie auf Weihnachtsmärkten oder anderen Märkten in der Region verkauft. Jetzt, im April, sammelt die Rentnerin vor allem Bärlauch, Löwenzahn, Knoblauchsrauke, Brenn- und Taubnessel und Giersch. "Noch ein paar Wochen, und dann kommt das Johanniskraut als nächstes dran", so die Kräuterfachfrau. Im Spätsommer erntet Martha Feuchter regelmäßig Hagebutten und Schlehen. Auch in der kalten Jahreszeit legt die Kräuterpädagogin einen spannenden Roman manchmal zur Seite. "Im Winter gibt es in der Natur schließlich die Vogelmiere."

Ein Tag rund um Wildkräuter

Verein Informationen zum Kräuterpädagogenverein Baden-Württemberg im Internet: www.kräuterpädagogen-baden-württemberg.de

Kongress Der erste baden-württembergische Wildkräuter-Kongress findet am morgigen Samstag von 9.30 bis 18 Uhr in den Räumen des "Zukunftswerks" auf dem Teurershof statt. Veranstalter sind die Kräuterpädagogen Baden-Württemberg. Eintrittspreis: 78 Euro (Nicht-Mitglieder), 58 Euro (Mitglieder).

SWP

Wildkräuterrezept von Martha Feuchter für Muffinsformen

Zutaten Wild- oder Gartenkräuter (je nach Jahreszeit), etwa Giersch, Brennnessel, Knoblauchsrauke, dazu Löwenzahnblätter, Zwiebeln, Sahne, Gewürze (Salz, Pfeffer, Muskat), Blätterteig.

Zubereitung Im ersten Schritt werden die Wildkräuter vorbereitet. Das heißt, sie werden nach falschen Kräutern oder auf versteckte Käferle untersucht. Anschließend werden sie gewaschen und klein geschnitten. Nun die Zwiebel ebenfalls noch kleinschneiden und mit Olivenöl in der Pfanne andünsten. Die Kräuter hinzufügen und "zusammenfallen" lassen. Dann alles auskühlen lassen. Parallel den Blätterteig in Rechtecke schneiden - in jede Muffinmulde ein Rechteck legen, so dass der Teig oben noch zusammengedrückt werden kann. Wichtig: von der kühlen Masse nur wenig in jede Mulde geben. Der Blätterteig wird oben zusammengedrückt. Wahlweise noch mit Eigelb bestreichen. Anschließend etwa 20 Minuten bei 180 Grad backen. Das Gericht schmeckt sowohl warm als auch kalt.

SWP

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Von Bühlertann ins Silicon Valley

Noch bis Anfang Dezember arbeitet der Software-Unternehmer Marcel Krull beim Elektroautohersteller Tesla mit. Er unterstützt dort die Produktion des Tesla Model 3. weiter lesen