Die Geschichtenschreiberin des Mainhardter Theaters

Gisela Dierolf verfasst die Stücke für das „Mainhardter megacoole Mundart-Theater“  Mammut. Immer dabei: ein bisschen Drama und viel Lokalkolorit.

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Die Angst vor dem weißen Blatt kennt Gisela Dierolf nicht. Ihr fällt immer etwas ein, und das schon ein Leben lang. In ihrer Familie und bei Freunden ist sie seit jeher diejenige, die bei Festen angesprochen wird. Ein kleines Gedicht, eine Geschichte, ein Sketch, ein kleines Theaterstückchen? Zu allem hat sie Ideen. Meist kommen der Frühaufsteherin diese im Morgengrauen, wenn sie in Ruhe nachdenken kann.

Vor langer Zeit hat sie auch selbst mal kleine Rollen im Theater gespielt, in der Schule oder bei Vereinen. Sie hätte gerne auch mal die netten, sympathischen Figuren gespielt, aber weil sie eine tiefe Stimme hat, musste sie immer die Hexe oder böse Schwiegermutter sein.

Nun hat sie zum zweiten Mal das Stück für das „Mainhardter megacoole Mundart-Theater“, kurz „Mammut“, geschrieben. Im dritten Jahr treten sie auf, für den guten Zweck. Der Erlös wird in die Sanierung des Mineralfreibades investiert. Zuvor spielten sie mit den „Heiligen Drei Königen“ Benefiztheater für den restau­rierten Kirchturm.

Das Stück „Mord im Freibad“, das wegen hohen Besucheraufkommens zwei Jahre hintereinander gespielt wurde, bekommt nun eine Fortsetzung mit „Hochzeit im Freibad“. Der Bademeister Herr Glaubauderbach hat eine neue Frau gefunden, die er zwecks fortschreitendem Alter zu heiraten als sinnvoll erachtet. Herr Glaubauderbach trägt nicht ohne Grund diesen Zungenbrechernamen. Er ist zusammengesetzt aus Glaubiz und Baudenbacher, die lebende Menschen sind, nämlich der Ex- und der aktuelle Bademeister im Mainhardter Freibad. Derartige Wortspielchen und Andeutungen auf Personen, Plätze und Geschehnisse aus dem Ort sind nicht rein zufällig, sondern durchaus absichtlich in Gisela Dierolfs Ideenwerkstatt erfunden.

Die Regie beim Theaterspiel überlässt die Stückeschreiberin lieber Monika Noller, die sei erfahrener als sie selbst. Wie es das treue Publikum von „Mammut“ gewohnt ist, wird auch bei dem neuen Stück nicht gespart mit kleinen Dramen und Problemen, die es zu lösen gilt.

Zuerst treibt alle die Frage um, wer denn wohl die mysteriöse Braut sein könnte – was an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Gisela Dierolf hat auch daran gedacht, das Publikum mit einzubeziehen, versetzt es sogar in Lebensgefahr, indem ein vermeintlicher Giftpfeil­frosch in die Zuschauerränge hüpft.

Am Anfang war der Frosch. Das war die erste Idee zum neuen Stück, dann hat sich die Geschichtenerfinderin in vielen frühmorgendlichen Gedankenspielen Szene um Szene dazugedacht. Diese wurden in den Computer getippt, der immer alles stoisch rot unterkringelte, da er des Schwäbischen in seinem Rechtschreibprogramm nicht mächtig ist. Giftpfeilfrosch – wie man auf so was kommt, ist nicht weiter erstaunlich. Leseratte Gisela Dierolf ist, seit ihr in einem Urlaub mal die Romane ausgingen, auf Krimi umgestiegen. Seither liebt sie alles, was düster und blutrünstig ist. Henning Mankell, Samuel Bekett und Ake Edwardson sind ihre Lieblingsautoren und Inspirationsquellen.

Gisela Dierolf ist in Mainhardt geboren und geblieben. Sie lernte Buchhändlerin und arbeitete bei der evangelischen Gesellschaft, bei der Buchhandlung Zundelfrieder in Hall und bis 2010 beim Literaturhaus im Spitalbach. Im Ruhestand hat die 69-Jährige, die nebenbei auch noch im Vorstand des Gesangvereins ist, inzwischen viel Zeit zum Schreiben.

Wie wäre es mal mit einem ganzen Buch? Gisela Dierolf lächelt, ist vielleicht eine Sekunde lang in Versuchung, schüttelt dann den Kopf und sagt: „Es gibt schon so viele Bücher.“

Info „Hochzeit im Freibad“ wird am 12. und 13. Mai in der Mainhardter Waldhalle aufgeführt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

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