Die Frau mit den drei Saxofonen

Alljährlich werden in Hall die aktuellen Jazzpreisträger des Landes präsentiert. Jetzt war die Saxofonistin Alexandra Lehmler an der Reihe.

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Alexandra Lehmler wurde 1979 im rheinland-pfälzischen Bad Ems geboren. Sie studierte an der Mannheimer Musikhochschule. Wie viele andere der Jazzpreisträger des Landes spielte sie zunächst in Bernd Konrads Jugendjazzorchester Baden-Württemberg, um dann ins nationale "BuJazzO" von Peter Herbolzheimer aufzusteigen. Einen Tag nach dem 200. Geburtstag des Belgiers Adolphe Sax, der das Blasinstrument erfand (das zunächst vom Vatikan und dann von Stalin verboten wurde), jazzte sie nun auf Einldung von Jazzclub und Kulturbüro unplugged in der ausverkauften Haller Hospitalkirche.

Lehmler brachte gleich drei Instrumente mit: Sopran, Alt und Bariton. Auf dem Sopransaxofon erinnert sie näselnd-arabisierend mitunter an John Coltrane, das Altsaxofon bläst sie gerne quasi klassisch rein wie Paul Desmond ("Take Five"), einen schlanken Ton entwickelt die 35-Jährige auf dem sonst knorrigen Baritonsaxofon.

In ihrem Quintett wirken gleich zwei dezent agierende Schlagwerker: Max Mahlert am Drumset und Perkussionist Rodrigo Villalon harmonieren bestens. Keyboarder Oliver Maas greift elegant in die Flügel-Tasten und lässt auf seinem Fender-Rhodes-Piano kratzbürstig und quengelnd Rockiges erklingen. Besonders variabel und experimentierfreudig zeigt sich der Kontrabassist Matthias Debus. Der Ehemann der Bandleaderin steuert auch interessante Kompositionen bei. Sein "Weltuntergang" lässt im schnellen Wechsel Viervierteltakt, Dreivierteltakt und Fünfvierteltakt folgen.

Schlagzeuger Mahlert streicht mit dem Bogen hochquietschend ein Becken, Pianist Maas greift ins Innere des Flügels, bevor er zu lieblichen Arpeggien ansetzt. Debus schlägt perkussiv auf die vier Basssaiten, ehe er melodiös wird und unisono zu seinem Spiel singt. Alsbald betätigt sich das ganze Quintett wortlos vokalistisch. Friedlich der Schluss in klarem Metrum und Alexandra Lehmler auf dem grazil geblasenen Altsaxofon.

Debus "Choral" betiteltes neues Opus klingt wenig nach Kirche. Zu Beginn demonstriert er ( reizvolle Kontrabass-Spieltechniken der Zeitgenössischen Musik. Am Schluss findet man aber dann doch mehr Anklänge an angelsächsische Folklore als an mitteleuropäische Klerikalmusikkultur.

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