Die Bewahrer des "Urväterhausrats"

Das Jahresfest der Haller Stiftung mittelalterliche Kirchen fand am Dienstag im HFM statt. Professor Dr. Volker Himmelein, langjähriger Direktor des Württembergischen Landesmuseums, hielt den Fachvortrag.

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  • Dass die Lanze des Erzengels Michael vor der nach ihm benannten Haller Kirche eine neue Speerspitze erhalten hat, ist der Stiftung mittelalterliche Kirchen zu verdanken. Foto: Thumilan Selvakumaran 1/2
    Dass die Lanze des Erzengels Michael vor der nach ihm benannten Haller Kirche eine neue Speerspitze erhalten hat, ist der Stiftung mittelalterliche Kirchen zu verdanken. Foto: Thumilan Selvakumaran
  • Professor Dr. Volker Himmelein, über viele Jahre Direktor des Württembergischen Landesmuseums, spricht in Hall über den Umgang mit Denkmälern. Foto: Rainer Richter 2/2
    Professor Dr. Volker Himmelein, über viele Jahre Direktor des Württembergischen Landesmuseums, spricht in Hall über den Umgang mit Denkmälern. Foto: Rainer Richter
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Der Vorsitzende des sechsköpfigen Vorstandes, Hartmut Siebert, legte zu Beginn der Jahreshauptversammlung im vollbesetzten Saal des Hällisch-Fränkischen Museums (HFM) souverän und strukturiert den Rechenschaftsbericht ab. "Was uns bewegt, was wir bewegt haben", waren seine Leitsätze. Das Stiftungsvermögen habe sich auf beachtliche 566000 Euro vermehrt. Der Zuwachs seit 2012 beträgt 12000, die Kapitalerträge 12500 Euro. Diese seien der Arbeit der Finanzchefs Dieter Höhner und Eckart Hagelloch zu verdanken. Sie erwirtschafteten eine, gemessen an der Marktsituation, glänzende Rendite von 3,79 Prozent.

Gemäß dem Stiftungszweck wurden verschiedene Projekte unterstützt. Eine Stiftertafel an der West-empore, die Außenfassade und die Speerspitze von St. Michael (sie wird zwischenzeitlich aus Kostengründen gleich mehrfach angefertigt) und Epitaphien in St.Katharina waren auf der Agenda. Die Stiftung übernahm außerdem die Hälfte des Betrages, den die Kirchengemeinde als Substanzerhaltungsrücklage (SERL) zu bilden hat.

Für die Stiftungsverwaltung selbst mussten lediglich 500 Euro aufgewendet werden. Der Vorstand bedankte sich ausdrücklich für die viele unentgeltliche Arbeit. Namentlich genannt wurden Hildegard Härer (Rechnungsprüfung), Michael Röther (Einladungen), das Ehepaar Hespelt (Verköstigung), Oscar Mahl (Druckarbeiten) und Ariane Haack-Kurz (Broschüre). Neu im Kuratorium sind Hans Firnkorn, Michael Striebel und Sylvia Weber, die auch den Kontakt zum Fachreferenten hergestellt hatte. Sie kennt Professor Himmelein beruflich seit vielen Jahren und schätzt die größeren Zusammenhänge, die er herzustellen in der Lage sei.

Dies bewies der Denkmalschützer denn auch, indem er den der jeweiligen Zeit geschuldeten Charakter des Umgangs mit Denkmälern hervorhob und dessen Veränderungen über die Jahrhunderte hinweg aus der Fülle seiner Kenntnisse und Erfahrungen nachzeichnete. Dabei habe im Historismus des 19. Jahrhunderts ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Den unbefangenen Umgang des Mittelalters mit der Substanz seiner Zweckbauten beschrieb er unter anderem am Beispiel der zahlreichen nachreformatorischen Veränderungen in St. Michael, die bis ins 19. Jahrhundert vorgenommen wurden.

Dann folgte die Zeit der großen Rekonstruktionen, der Fertigstellungen der Dome von Köln und Regensburg oder des Ulmer Münsters. Der für uns selbstverständliche, gleichwohl jedoch auch historisch bedingte Gedanke kam vergleichsweise spät auf, alte Bauwerke in dem Zustand zu erhalten, in dem sie uns übergeben worden sind.

Das setze voraus, dass sich das Denkmal von seinem ursprünglichen Zweck weitestgehend gelöst habe. Wenn man "Urväterhausrat" besitze, besitze dieser einen auch. Die Geschichte seiner Stadt werde zur Geschichte von einem selbst. Für Schwäbisch Hall, wo Himmelein Verwandte hat und das er seit seiner Kindheit kennt und liebt, gelte das in besonderem Maße. Die Stadt bewahre mit dem Stolz und dem Selbstbewusstsein einer ehemaligen freien Reichsstadt seine Schätze. Dazu bemerkte Bürgermeisterin Bettina Wilhelm, dass in Hall auf jeweils 56 Einwohner ein Denkmal beziehungsweise Baudenkmal komme. Sie betonte das gute Miteinander von Stadt und Kirche, das lange Tradition habe. Unter den vielen Belegen, die sie nannte, erwähnte sie auch, dass der Reformator Johannes Brenz genau genommen ein Angestellter der Stadt gewesen sei.

Die bedeutendste reformierte Stadt Süddeutschlands birgt auch andere Kostbarkeiten. Die preisgekrönte Nachwuchsmusikerin Ann-Sophie Leibl erfreute die Versammlung mit drei ausgezeichnet ausgewählten Stücken, die sie virtuos auf ihrer Konzertgitarre vortrug. Sie legt 2015 in Michelbach ihr Abitur ab - in der Pracht der Vergangenheit scheint auch die Zukunft zu gedeihen.

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