Deutschkenntnisse verhelfen zum Beruf

Der Iraker Sarko Ahmed Arif hat erfolgreich an einem Sprach- und Integrationsprojekt teilgenommen. Jetzt hat er bei den Stadtbetrieben Schwäbisch Hall eine Arbeitsstelle.

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Familie Arif ist nach einer kräftezehrenden Flucht aus dem Irak in Schwäbisch Hall angekommen. Vater Sarko Ahmed Arif freut sich, dass er jetzt Arbeit hat.  Foto: 

Sarko Ahmed Arif (35 Jahre) hat eine Stelle: Seit Mitte August ist er zunächst für ein Jahr in der Abteilung Friedhöfe bei den Stadtbetrieben Schwäbisch Hall beschäftigt. Zuvor hatte er im Projekt Deutsch@Beruf im Haus der Bildung ein Jahr lang intensiv Deutsch gelernt, an Betriebsbesichtigungen und  Seminaren zur Arbeitswelt teilgenommen und Praktika gemacht.

„Das Projekt ist der beste Beweis, dass ohne Sprachbarriere eine Integration von Flücht­lingen in Beschäftigungsverhältnisse möglich wird und für Arbeitgeber und die neuen Arbeiter Erfolge und Freude an der Arbeit generiert werden“, resümiert der Leiter der Stadtbetriebe Rolf Wellinger die Erfahrungen der beiden ersten Wochen.

Sarko Arif sei sehr motiviert, zuverlässig und verfüge über handwerkliches Geschick. „Deutschkenntnisse sind zwingend erforderlich, schon allein um die vorge­schrie­benen  Sicherheitsunterweisungen durchführen zu können“, sagt Wellinger. Um die Sprachkenntnisse weiter zu verbessern, geht Arif auch künftig einen Tag in der Woche zum Sprachkurs in die Volkshoch­schule. 

Sarko Ahmed Arif ist mit seiner Frau Avesta und seinen zwei Kindern aus dem Irak über die Türkei mit dem Boot nach Griechenland geflüchtet und von dort über die Balkan­route nach Deutschland gekommen. Seit Februar 2016 lebt die Familie in Schwäbisch Hall, die zehnjährige Tochter geht in die 3. Klasse und kann sogar schon etwas Schwäbisch. Der Sohn besucht den Kindergarten.

Der Chef hilft

„Auf dem Friedhof mache ich viele Arbeiten, habe Rasen gemäht, Hecken und Bäume geschnitten. Ich habe geschaut, dass es auf den Wegen sauber ist. Ich verstehe nicht immer alles, aber mein Chef hilft mir weiter, wenn ich ein Wort nicht kenne. Ich verstehe mich gut mit meinen Kollegen“, erzählt Arif.

Unter der Schirmherrschaft von Landrat Gerhard Bauer und Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim ist das Projekt im September 2016 mit 16 Teilnehmenden aus Syrien und dem Irak gestartet. Keiner der Teilnehmer konnte Deutsch sprechen. „Wir haben in diesem Jahr viel gelernt. Im Unterricht haben wir sechs Bücher in sieben Monaten durch­gearbeitet. Es ist anstrengend, aber okay“, sagt Arif. Ergänzt wurde der Sprachkurs durch Kurse, interkulturelles Training und Vorbereitung auf die Arbeitswelt.  Betriebsbesichtigungen, Hospitationen und Praktika vermittelten einen Einblick in den Arbeitsalltag von 14 Unternehmen. „Auch wenn das Bewerberprofil und die Erwartungen der Projekteilnehmenden nicht immer mit den Arbeitsplatzanforderungen in den Unternehmen kompatibel waren, so hatten neun Teilnehmer nach dem ersten Jahr ein Arbeits- oder  Ausbildungsstellenangebot“, zieht VHS-Geschäfts­führer Thomas Gerstenberg eine Zwischenbilanz. 

Die Volkshochschule ist zusammen mit der Bildungsregion Schwäbisch Hall, dem Mehrgenerationentreff im Haus der Bildung und dem Freundeskreis Asyl Träger des Projekts. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Migration und Flücht­linge, den Landkreis und die Stadt Schwäbisch Hall. Das Projekt wird im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Verwaltungshochschule Ludwigsburg evaluiert.

Info Der Autor dieses Textes ist Marcel Miara, Fachbereichsleiter Deutsch, Gesellschaft, Politik und Umwelt bei der Volkshochschule Schwäbisch Hall.

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