Der Zaubertrank für gesundes Aufwachsen

Michelfelds familienpolitisches Gesamtkonzept findet überregionale Beachtung. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien liegen vor.

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Gespräch auf dem Schulhof: (von links) Joachim Fischer, Wolfgang Binnig und Grundschulrektor Eberhard Marstaller unterhalten sich inmitten von Kindern.  Foto: 

Die Michelfelder Kinder sind ganz besondere: Sie sind beweglicher, körperlich sowie geistig. Sie sind schlanker und leiden seltener unter Diabetes. Sie können aufmerksamer dem Unterricht folgen.

So glänzen die Ergebnisse, die Joachim Fischer in den vergangenen zwei Jahren gewinnen konnte. Der Direktor des Mannheimer Instituts für Public Health der medizinischen Fakultät Mannheim an der Universität Heidelberg und sein Team haben sich das Programm „Gesund aufwachsen in Michelfeld“ sowie dessen Verankerung im familienpolitischen Gesamtkonzept der Gemeinde genauer angeschaut.

Danach verfasste Fischer eine 24-seitige Broschüre mit dem Titel „Ein Tag im Leben des demografischen Rückwandels“. Fischer beschreibt darin auf verständliche Weise, welche Zahlen er in Michelfeld sammeln konnte, was sie belegen und wieso die Gemeinde so besonders ist, wenn es um gesundes Aufwachsen geht.

Zwei Beispiele: Leistungstests zeigen, dass Michelfelds Kinder schon auf dem Weg in die Schule topfit sind – sie erhalten die wenigsten Förderempfehlungen im Kreis. Die Grundschüler schneiden bei Bewegungs- und Geschicklichkeitsuntersuchungen stets überdurchschnittlich ab, auch im Bundesvergleich.

Neubau von Sportstätten

Woraus besteht der Zaubertrank, mit dem die Michelfelder solche Ergebnisse erzielen? „Gesundheit als Grundlage für Lebensqualität und soziale Teilhabe“ – so heißt es im Gemeindeentwicklungsplan 2030. Konkret heißt das, dass in allen Lebensbereichen der Gemeinde – im Vereinsleben, in Schule und Kindergarten, in Infrastruktur und Umwelt – nachhaltige Maßnahmen in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Lebensbedingungen umgesetzt werden. Das fängt beim kostenlosen Apfel bei Gemeindeveranstaltungen an und reicht bis zum Neubau der Sportstätten. „Die Aktivitäten müssen im laufenden Betrieb abgebildet werden, nicht nur in Sonderprojekten“, findet Bürgermeister Wolfgang Binnig. Fischer betont, wie sinnvoll es sei, dass so viele Impulse von der Gemeinde ausgehen. „Diese Förderung kann ein Einzelner seinem Kind nicht bieten.“

In Michelfeld ist das gesunde Aufwachsen tief verankert im politischen Fahrplan. Am runden Tisch treffen sich regelmäßig Verantwortliche: die Vorstände der Vereine, Leiter von Kindergarten und Grundschule, Kirchenvertreter, die Gesundheitsamtsleitung, der Bürgermeister und die beiden Familienbeauftragten Gabriela Uebel und Annette Huber. Außerdem werden die Bürger so oft wie möglich ins Boot geholt.

„Die ersten Jahre waren mühsam, viele Beteiligte mussten erst überzeugt werden. Da braucht man einen langen Atem“, erzählt Binnig. „Aber der Aufwand hat sich gelohnt.“ Mittlerweile hätten sich viele Abläufe eingespielt. Die Strategie sei so verbindlich, dass jeder allein agieren könne und trotzdem das gleiche Ziel verfolge, erklärt der seit 2001 amtierende Bürgermeister. „Viele Dinge, die wir sowieso machen müssten, haben eine breite Verortung in der Gemeinde. Große Investitionen folgen einem strategischen Ziel, so fallen auch die Diskussionen darüber leichter.“

Michelfeld als Pilotkommune

Seit 2002 sind kommunale Gesundheitsmaßnahmen in der Gemeinde verankert. 2009 wurde Michelfeld eine von fünf Pilotkommunen im Projekt „Gesund aufwachsen in Baden-Württemberg“. „Hier hat sich das Projekt zur Selbstverständlichkeit entwickelt“, so Fischer.

Nicht nur der Wissenschaftler erkennt den Mehrwert, der in Michelfeld geschaffen wurde. Im April dieses Jahres erhielt die Gemeinde den IBK-Preis für Gesundheitsförderung und Prävention „als zeitgemäßes Vorzeigemodell“. Dementsprechend engagiert sich auch Binnig als Multiplikator der Idee, hält regelmäßig Vorträge über die Strategie, die er und seine Mitstreiter verfolgen.

Das Konzept der ganzheitlichen gesunden Entwicklung wirkt wie ein Magnet auf junge Familien, die im Gemeindegebiet wohnen möchten. Die Zielsetzung von konstant 3800 Einwohnern muss nach oben korrigiert werden. Nicht nur Zuzug führt zum Zuwachs, sondern auch die höhere Geburtenrate. „26 Prozent mehr Kinder als sonst in der Region“, wie Fischer schreibt.

Der nächste Schritt ist die Erstellung und Umsetzung eines Masterplans Senioren.

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