Der neue Dirigent der Gemeinde

Thomas Botschek ist am Montag in das Amt des Bühlerzeller Bürgermeisters eingesetzt worden.Freunde kommen mit dem Bus des Bruders aus dem Ostalbkreis.

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Ein symbolischer Schlüssel zum Amtsantritt: Bühlerzells Kämmerin Sabine Kohnle-Pleßing überreicht das Stück aus Hefeteig ihrem neuen Chef, Bürgermeister Thomas Botschek.  Foto: 

Wenn er groß sei, übernehme er den Lebensmittelladen und das Busunternehmen – das, erinnert sich Rosa Botschek, habe ihr Sohn Thomas einst als Drittklässler in der Schule geschrieben. Vater Anton hatte die Busfirma gegründet, Mutter Rosa führte den Laden.

Heute ist Thomas Botschek groß, aber in die beruflichen Fußstapfen seiner Eltern ist er nicht getreten. Er ist erst Ingenieur und technischer Verwaltungsbeamter und jetzt Bürgermeister von Bühlerzell geworden. Im Juli war er mit 75 Prozent der Stimmen zum Oberhaupt der 2000-Einwohner-Gemeinde gewählt worden. Vorgestern um 8.30 Uhr betrat der 55-Jährige seine neue Arbeitsstätte, das Büro des Bürgermeisters. Auf dem Tisch lag ein Stapel Akten, hinterlassen von seinem Vorgänger Franz Rechtenbacher. Die beiden waren in den vergangenen Wochen oft als Duo im Ort unterwegs, Rechtenbacher übergab die Amtsgeschäfte laut Botschek vorbildhaft: „Ich hätte es mir nicht besser wünschen können.“

Ein Bus aus dem Ostalbkreis

Am Montagabend folgte in der Rudolf-Mühleck-Halle die Amtseinsetzung vor mehreren hundert Gästen. Viele von ihnen waren im Bus von Thomas’ Bruder Peter aus Kirchheim am Ries gekommen, Botscheks bisherigem Wohnort, den er im November verlassen wird: Er und seine Frau Dagmar werden in Bühlerzell eine Mietwohnung beziehen. Andere Busgäste stiegen am Montag  in Röhlingen und Zöbingen zu.

Botschek hat im Ostalbkreis Spuren hinterlassen. Mit seinem Umzug in den Landkreis Hall entfernt er sich von persönlichen Bindungen. „Ich verliere, zumindest räumlich, einen guten Freund“, sagt Eberhard Geiger, der mit Botschek aufwuchs. Der heute 55-Jährige lernte Botschek im Kindergarten kennen, die beiden besuchten zusammen die Grundschule und das Bopfinger Gymnasium, sie spielten gemeinsam Klavier und machten Tanzmusik. „Er kann nicht nur Musik, er kann auch führen“, sagt Geiger.

Lachendes und weinendes Auge

Auch die Mutter des neuen Bühlerzeller Bürgermeisters lässt ihren Sohn mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ ziehen. Die 78-Jährige pflegt in Kirchheim Thomas Botscheks Vater, ihren Mann Anton. Wann immer sie ihren Sohn dringend gebraucht habe – „er war zur Stelle“. So sei er, nachdem er im Gottesdienst der Kirchheimer Kirche Orgel gespielt hatte, oft bei ihr vorbeigekommen, um seinen Vater aus dem Sessel zu heben. „Mein Onkel versucht, für alle das Beste herauszuholen“, sagt Thomas Botscheks Neffe Florian. Der 31-Jährige fuhr am Montag den Bus mit den mehr als 50 Gästen von der Ostalb zur Amtseinsetzung nach Bühlerzell. Sein Onkel habe ihm, als er 13 Jahre alt war, die ersten Griffe an der Gitarre beigebracht.

Verbindungen zur Musik stellte auch Bühlerzells erste stellvertretende Bürgermeisterin, Sybille Ziegler, in ihrer Rede zur Amtseinführung her. „Sie sind ein musikalischer Mensch“, sagte sie in Richtung Botschek, „Sie wissen genau, dass ein guter Klang nur zustande kommen kann, wenn der Dirigent klare Vorstellungen hat und diese verständlich mitteilt.“ So könnten Chor oder Orchester diese Vorstellungen annehmen und umsetzen. „Sie sind jetzt der Dirigent in unserer Gemeinde“, sagte Ziegler. „Wir hoffen und erwarten, dass Sie das unter Ihrem Vorgänger Geschaffene und Angestoßene erhalten und weiterentwickeln werden.“

Ärztliche Versorgung im Ort

Im Gespräch mit der Zeitung nennt Ziegler die Wasserversorgung des Grafenhofs und des Aussiedlerhofs als wichtige Themen. Die Stellvertreterin des Bürgermeisters und ihr Mann sind die Allgemeinmediziner im Ort und nicht mehr so weit vom Ruhestand entfernt. Der neue Bürgermeister müsse die ärztliche Versorgung in dem ländlich geprägten Ort sicherstellen, „da muss er Ideen entwickeln“, so Ziegler.

„Die Ansprüche im Ort werden nicht weniger“, betonte Kämmerin Sabine Kohnle-Pleßing. Sie sprach im Namen der Gemeindemitarbeiter und blickte auf die Zeit mit dem neuen Chef voraus: „Wir freuen uns auf eine lange Reise mit Ihnen.“ Botschek selbst sagte in seiner Rede: „Ich stehe hier vor Ihnen voller Respekt vor dem Amt, voller Zuversicht und auch mit etwas Ungeduld.“ Seiner Maxime – „mich selbst nie zu wichtig zu nehmen“ – wolle er treu bleiben. Die Aufgaben in dem Ort könne und wolle er nur im Team angehen, gemeinsam mit Mitarbeitern und Bürgern.

Botschek mache einen guten Eindruck, sagt der gebürtige Bühlerzeller Albert Rieg (65), im Ort „Bertle“ genannt. „Mit ihm haben wir die richtige Wahl getroffen“, meint auch Peter Riek (58), der in Bühlerzell seit mehr als 40 Jahren den Maibaum aufstellt. Er möchte wissen, wie die Kirchheimer Konkurrenten die Schnitzereien in ihren Baum bekommen. „Das“, sagt Riek über Botschek, „muss er uns beibringen.“

Thomas Botschek ist 55 Jahre alt und mit Dagmar Botschek verheiratet. Das Paar hat einen 18-jährigen Sohn. Von Mai 1990 an arbeitete der Diplom-Ingenieur bei der Flurneuordnungsbehörde des Landes Baden-Württemberg, 2009 wurde er an den Ostalbkreis abgeordnet. Sein größtes Hobby ist die Musik: Botschek spielt unter anderem Klavier, Akkordeon, Kirchenorgel und Gitarre, außerdem singt er im Chor.

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