Der Dellendoktor aus Hirschfelden

Thomas Hägele mag glatte Oberflächen und sorgt dafür, dass dellengeplagte Autos ihr makelloses Äußeres zurückbekommen.

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Der Dellendoktor neben einer restaurierten Tanksäule aus den USA, die das Wohnzimmer der Familie schmückt.  Foto: 

Es gibt wenige Menschen, zwischen denen und einem Wetterphänomen eine fast schon karmische Verbindung besteht, wie zwischen Thomas Hägele und dem Hagel. Es ist weit mehr, als nur der Name: Hägele repariert Hagelschäden auf Autokarossen. Dies erledigt der 42-Jährige auf eine so ausgefuchste Weise, dass er damit sogar schon eine internationale Meisterschaft gewonnen hat.

Der Kreis schließt sich im Vornamen einer seiner beiden Töchter: Die sechsjährige Haily ist nach dem englischen Wort für Hagel (Hail) benannt. Mit dem Verniedlichungs-Ypsilon dahinter kann man den Namen getrost mit Hagelkörnchen oder eben Hägele übersetzen. Die kleine Schwester heißt Joy, nach dem englischen Wort für Freude, was dem Gefühl ihres Vaters entspricht, wenn er vom Hagelschlag übel zugerichtete Lieblingsautos  herrichten darf. Es muss aber nicht immer Hagel sein: Thomas Hägele nimmt sich aller Arten von Dellen an, die ein Auto in seinem Autoleben so erleiden kann.

Vorsichtig drücken und ziehen

Wo herkömmliche Karosseriebauer grob ausbeulen, spachteln, schleifen und überlackieren, arbeitet der Hirschfeldener mit Geduld und zartfühlenden Händen. Durch vorsichtiges Drücken oder Ziehen mit speziellen Werkzeugen schafft er es meistens, die hässlichen Macken so zurückzubilden, dass noch nicht einmal nachlackiert werden muss.

 Wer glaubt, dass so viel Kunstfertigkeit entsprechend kostet, irrt: „Die sanfte Dellenentfernung ist deutlich günstiger und schneller als die grobe Methode, und kostet oft nur einen Bruchteil des betreffenden Ersatzteils.“ Obendrein kommt Hägele mit seiner mobilen Werkstatt ins Haus. Dass es Hand und Fuß hat, was er tut, hat ihm jüngst erst die Dekra bescheinigt, bei der er als zertifizierter Dellentechniker geführt wird.

Bei seiner Ausbildung zum Karosseriebauer und Autolackierer machten dem Sohn eines Gaildorfer Automechanikers die giftigen Lackdämpfe zu schaffen: „Ich bekam üble Lungenprobleme.“ Als er von der alternativen Reparatur hörte, faszinierte ihn das sofort. Als Ergebnis tat die Lunge nicht mehr weh, und Hägele machte sich 2003 selbstständig: „Da haben mir viele Leute abgeraten und sagten, da kannst du nie davon leben.“ Kann er aber. Nach Italien, Belgien und Holland wurde er schon gerufen, um dort ganze Fuhrparks zu retten. Der Klimawandel wirkt sich ebenfalls auf seine Auftragslage aus: „Die Häufigkeit der Hagelschäden ist besonders in Belgien auffällig.“ Auch in der Region Hall arbeiten Werkstätten und Autohäuser mit ihm zusammen.

Auto nach Lawine gerichtet

Seine bisher größte Herausforderung? „Autos, deren Dach von Lawinen eingedrückt wurde.“ In einem Skigebiet im italienischen Pescara hatte er einmal einen solchen Patienten.

Warum ist seine Methode nicht Standard, wenn sie doch so gut funktioniert? „Die Zahl der Dellisten ist schon gestiegen, aber es handelt sich schon um eine sehr spezielle Ausbildung und man muss viel Erfahrung sammeln, bevor die Ergebnisse perfekt sind.“

Zur Zeit arbeitet Thomas Hägele noch von seinem Wohnhaus in Hirschfelden aus. Er ist aber auf der Suche nach einer kleinen Werkstatt, um Geschäft und Familienleben deutlicher zu trennen. Obwohl, entdellen“ auch privat sein Hobby ist: Gerade hat er ein altes Boxauto in Form eines Cadillacs in der Mache.

Thomas Hägele wurde 1975 in Gaildorf quasi direkt in eine Autowerkstatt hineingeboren. 1991 begann er seine Lehre aus Karosseriebauer und Autolackierer, arbeitete danach als Angestellter und hat sich seit 2003 als Karosseriebauer mit seiner Technik der „sanften Dellenentfernung“ selbstständig gemacht. Seit 2010 lebt er mit seiner Frau Jenny, einer gebürtigen Ottendorferin, und den gemeinsamen Töchtern Haily (6) und Joy (4) in Hirschfelden. cito

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