Der Analyst für Zahlen und Musik

Seit Februar ist Professor Dr. Gerold Heizmann Dekan am Campus Schwäbisch Hall. Sein Beruf ist Herausforderung und Freude zugleich.

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Gerold Heizmann sitzt auf der Dachterrasse des Haller Campusgebäudes. Seine Studenten möchte er nicht nur in Rechnungswesen und Besteuerung unterrichten, sondern er fordert sie gerne dazu auf, sich eine eigene Meinung zu bilden.  Foto: 

Unspektakulär sei sein Weg, meint Gerold Heizmann. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf bei Bad Säckingen, ging er auf ein Wirtschaftsgymnasium, blätterte zum Ende der Schulzeit in einer „Berufskundlichen Mappe“ und wusste: etwas mit Steuern und Wirtschaft möchte er machen. Weil er Analytik mag, genauer gesagt: Weil er durch Analytik Lösungen finden möchte.

Nun hat der neue Dekan des Haller Campus’ aber generell etwas dagegen, wenn Wirtschaftsmenschen und besonders Steuerberater klischeehaft Erbsenzähler genannt werden. Die einen seien die Zahlenmenschen, die anderen die Kreativen, sagen manche Damit lässt sich Heizmann aber nicht abstempeln.

Sein Beruf sei durchaus kreativ, allerdings seien die Einfälle in ein Korsett gezwängt. „Und die Erfolgskontrolle ist gnadenlos.“ Er will seinen Studenten vermitteln, dass sie erst „auf der grünen Wiese“ eine Theorie erspinnen können, um sie dann in eine machbare Praxis umzusetzen.

Leitung der Fakultät

Der 55-Jährige hat schon während seiner Promotion Studenten in Seminaren unterrichtet und in der anschließenden Berufspraxis Lehraufträge gehabt. Das habe ihm immer schon... „Tja, was? Spaß gemacht? Das ist es nicht. Es ist befriedigend und macht Freude Lehrer zu sein.“ Wobei der Beruf auch durchaus anstrengend sei. 90 Minuten lang von 30 Augenpaaren beobachtet zu werden, die einem nicht immer die volle Aufmerksamkeit entgegenbringen, sei durchaus eine Herausforderung. Seinen jungen Kollegen rät er: „Sei du selbst!“. Er denke oft an ein Zitat, das lautet: „Nur wenn du für etwas brennst, kannst du Feuer entfachen.“

Neben den Vorlesungen nimmt ein großer Teil seines Aufgabenfelds als Dekan die Leitung der Fakultät in Anspruch. Seit er im Amt ist, hat er daran gearbeitet, das gesteckte Ziel zu erreichen: weitere Studienplätze zu schaffen und dabei das bestehende Angebot auszubauen. Gerold Heizmann ist seit 1998 bei der Hochschule Heilbronn beschäftigt. Als der Haller Campus geplant und eröffnet wurde, war er als Gründungsmitglied dabei.

Viel Zeit für den Job

Der Mann, dessen Büro von keinem Bild geziert wird, spricht nicht gerne über sich. Die Kollegen bekommen von dem, was er nach Feierabend macht, nur Häppchen serviert. Der Großteil seines Lebens ist zeitlich und emotional dem Job gewidmet. In dem bisschen Zeit, die bleibt, spielt Musik eine Rolle: Blues und Rock der 60er Jahre.

Er analysiert die Musik, die Gitarre, schließt zurück auf die Zeit und auch auf die Lage der Gesellschaft. Ob er selbst ein Instrument spielt? Heizmann zuckt mit den Schultern. Zuhause hört er Platten, wenn er Zeit hat. Und wenn er sich nach Feierabend in sein Auto setzt und an seinen Wohnort in einem Dorf bei Sinsheim fährt, wo er mit seiner Frau lebt, dann nutzt er die Stunde und hört seine Musik.

Musik als Revolution der Jugend, das hat er sich genau angeschaut. Er selbst war kein Ausreißer, eher brav und angepasst, wie das zu seiner Zeit üblich war. Aber ihm liegt daran, dass junge Menschen eine Meinung haben. Darum verpasst er es nicht, in seinen Vorlesungen die Studenten aufmerksam zu machen und sie zu fragen: „Was haltet ihr davon?“

Er nennt Beispiele zu den deutschen Steuergesetzen. Dann ist Gerold Heizmann voll in seinem Thema, redet sich in Rage. Den Studenten klar zu machen, was für Rechte aber auch Pflichten unser System beinhaltet, treibt ihn um. Da kann er sich aufregen, hat vielleicht sogar einen Ruf bei den Studenten. Aber so ist das eben: „Nur wer brennt, kann ein Feuer entfachen.“

Professor Dr. Gerold Heizmann ist 55 Jahre alt und stammt aus einem kleinen Dorf am Hochrhein. Als erster Akademiker in der Familie nennt er sich Bildungspionier. Er ging auf ein Wirtschaftsgymnasium und studierte in Mannheim Betriebswirtschaftslehre. Dort hat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter promoviert. Er sammelte Berufspraxis als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Unternehmen. Seit 1998 ist er beim Campus Heilbronn beschäftigt. 2009 war er Gründungsmitglied und Prodekan am Haller Campus. Er ist verheiratet und lebt bei Sinsheim. In Hall hat er eine kleine Wohnung. sasch

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