Fahrstunde mit Rollatoren

Verkehrswacht, Polizei, Mehrgenerationentreff, Stadtseniorenrat, DRK und ein Sanitätshaus haben ein Training mit den Gehhilfen im Haus Sonnengarten angeboten.

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Bremsen, kippen und dann rauf mit den Rädern: Reiner Hirsch beobachtet beim Rollator-Training im Haus Sonnengarten in Hessental kritisch, wie Gerlinde Stecher eine flache Stufe bewältigt.  Foto: 

„Der Rollator und sein Lenker sollen eine Einheit werden“, beschreibt Reiner Hirsch von der Verkehrswacht Rems-Murr den Idealfall. Seine „Schülerin steht vor einem Holzplateau, das eine Bordsteinkante simuliert. Mit dem Rollator wird die flache Stufe zum hohen Hindernis. Unter Anleitung von Hirsch schafft Gerlinde Stecher es dann aber doch rauf und wieder runter. Letzteres am besten rückwärts: „So sind Sie weniger sturzgefährdet.“

Die 80-jährige Heimbewohnerin hat das Rollator-Training im Hessentaler Seniorenheim Sonnengarten angeregt, zu dem gleich ein ganzer Trupp von Experten anrückt. Martin Weis vom Haller Mehrgenerationentreff ist dankbar für die Initiative der Seniorin: „Wahrscheinlich ist es der richtige Weg, in die Häuser zu gehen, wo der Bedarf ist und nicht die Leute in die Stadt holen zu wollen.“ Vor zwei Jahren habe das erste Training am ZOB stattgefunden: „Da haben wir mit 30 Leuten den Umgang mit dem Rollator im Straßenverkehr unter realistischen Bedingungen geübt.“ Bei den beiden folgenden Versuchen, die Veranstaltung zu wiederholen, hätte sich dann kein einziger Interessent mehr gemeldet.

„Größter Segen der Menschheit“

Beim Vor-Ort-Termin sind nun mehr als 40 alte Personen anwesend. Ein guter Teil will jedoch nur zuschauen. Alle anderen durchlaufen mit ihrem Rollator einen Hindernisparcours. Nach dem Bordstein kommt eine Parkbank, denn irgendwann ist das Hinsetzen nicht mehr selbstverständlich. Das Wenden an engen Stellen wird in einem Kreis aus Verkehrshütchen geübt. Am besten klappt es mit winzigen Schrittchen: „Hennedäbberle“, übersetzt Hirsch die Gangart auf Schwäbisch. „Den größten Segen der Menschheit“, nennt Gerlinde Stecher ihren Rollator, ohne den sich die rüstige Frau nicht mehr selbstständig fortbewegen könnte.

Um die zum Nutzer passende Höheneinstellung der Griffe und die einwandfreie Funktion der Geräte kümmert sich Gesche Noller vom Sanititätshaus Erling.  „Die Kasse bezahlt ein relativ einfaches Grundmodell“, erklärt die Fachfrau. „Wer einen Porsche möchte, muss aus eigener Tasche zuzahlen.“

Luftreifen besser geeignet

Die billigsten Modelle seien nicht die schlechtesten, meint Sigrid Brückel, die mit fünf Senioren vom Teurershof am Training teilnimmt. Die Beschäftigungstherapeutin erweist sich als Expertin für Rollator-Ergonomie. Sie demonstriert, dass man auf dem einen Modell besonders aufrecht sitzt, dafür fehlt die Lehne. Bei einem außergewöhnlich schicken Flitzer sind ihr die Bremsen nicht leicht genug zu betätigen. Einige Senioren würden darüber klagen, dass Vollgummireifen auf Schotterwegen Gelenkschmerzen verursachten, was bei der kostspieligeren Luftbereifung nicht so sei.

Polizist warnt vor Dieben

Die allergrößten Schwierigkeiten, da sind sich alle Rollatorkapitäne einig, bereiten abschüssige Wegstrecken. Gesche Noller empfiehlt, genau wie beim Radfahren mit der Stotterbremse zu arbeiten: „Wie das geht, haben viele ja noch im Gefühl.“ Die richtige Gewichtsverlagerung spiele dabei eine wichtige Rolle: „Ziehen Sie den Rollator zusätzlich immer ein bisschen zu sich ran.“

Hans Ulrich Stuiber gibt eine andere Art von Unterricht: Der pensionierte Haller Polizist warnt vor Dieben. „Wenn Sie mit dem Rollator einkaufen gehen, wo tun Sie dann Ihre Tasche mit dem Geldbeutel hin?“, will er unter anderem wissen. Ganz klar: ins Körble vorne dran, sagt eine Seniorin und allen schwant bereits, worauf das hinausläuft. „Machen Sie das nie“, rät Stuiber eindringlich, „Wertsachen gehören in eine Innentasche Ihrer Kleidung.“

Zum Abschluss lädt Susi Buckel vom DRK zum Rollatortanz ein. Auch Martin Weis und Günter Gropper vom Stadtseniorenrat bewegen sich fleißig mit. „Mit dem Rollator ist es wie mit jedem Fahrzeug“, fasst die 80-jährige Hedwig Prosi zusammen, „man muss halt viel üben.“

Die Rollator-Experten kommen für das unterhaltsame Training auch in andere Seniorenheime. Wer Interesse an der kostenfreien Veranstaltung hat, kann sich bei Martin Weis vom Mehrgenerationentreff melden. Telefon: 07 91 / 9 70 66 50.

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