Das Wort „Freiheit“ prägt die Perdigt von Britta Carstensen

Die Pröpstin aus der Schwäbisch Haller Partnerstadt Neustrelitz kommt zum Gegenbesuch nach Hohenlohe.

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In einem so großen Gotteshaus wie St. Michael predigt Britta Carstensen nicht alle Tage. „Wir haben bei uns andere Strukturen. Die 13 kleinen Dorfkirchen würden hierin alle ihren Platz finden“, sagt die Pröpstin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg mit Sitz in der Haller Partnerstadt Neustrelitz. Die Geistliche erwidert damit den Besuch der Haller Dekanin Anne-Kathrin Kruse zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2015 in Neustrelitz.

Auch der gestrige Jahrestag ist eng  mit der deutschen Geschichte verbunden, stellt Anne-Kathrin Kruse zu Beginn der Feier des heiligen Abendmahls fest. Gestern vor 56 Jahren war mit dem Bau der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten begonnen worden. Kein Wunder, dass der Gottesdienst unter der Losung „Frei wie der  Wind“ steht. Im theologischen Sinn.

Im schwarzen Talar mit goldenem Kreuz spricht Pröpstin Britta Carstensen von der Kanzel. Die gebürtige Kielerin, die in Flensburg groß geworden ist, hat als „Küstenkind“, wie sie sich selbst nennt, ein Faible für Wasser, Meer und Wind. So sei ihr Anfang Juli „das Herz aufgesprungen“, als der Dreimaster der Nordkirche auf seiner Tour durch 14 Hafenstädte an Nord- und Ostsee in Wismar angelegt habe. Die Tour des Windjammers hängt natürlich mit dem 500. Jahr der Reformation zusammen. Für Carstensen ist das Schiff ein Zeichen, dass die Kirche mitten im Leben steht. Einen Wermutstropfen gebe es aber: Die norddeutsche Kirche habe zwar  nicht so bekannten Reformatoren wie Luther und Brenz, trotzdem sei die Reformation im Norden schnell angekommen.

Wie ein roter Faden zieht sich der Freiheitsbegriff durch Carstensens Predigt. Furcht hätte auch Luther nicht weitergebracht. Vertrauen in Jesus und seine Güte schon. In DDR-Zeiten sei die Kirche ein Ort der Freiheit, des Mutes und des freien Geistes gewesen. Auch wenn heute nur 15 Prozent der Bürger Mecklenburg-Vorpommerns evangelische Christen seien, ist sie mit Blick auf die Zukunft der Kirche optimistisch. In ein paar Jahrzehnten könne das auch im Westen so sein. Doch Furcht helfe ja nicht weiter. Das Kirchenschiff sieht sie auf dem Weg in neue Gewässer. Mann solle gegen den Wind kreuzen und im Wissen um Gottes Hilfe zu neuen Ufern aufbrechen. „Habt bei allem, was vor Euch liegt, mehr Vertrauen. Merkt Ihr nicht, ich bin bei Euch. Immer.“ Mit diesem Gotteswort schließt sie ihre Predigt vor den geschätzt 100 Gläubigen.

„Gute Gespräche“

Außer von ihrem Mann Sönke wird Britta Carstensen bei ihrer Visite in Hall auch von Bürgermeister Andreas Grund und dessen Frau Martina begleitet. „Mit dem Ersten Bürgermeister Peter Klink gab es gute Gespräche“, sagt Grund. Schließlich gebe es allein schon durch seine Ausbildung zum Diplom-Ingenieur für Straßenbau und Verkehr Ansatzpunkte. Die Partnerschaftsbeziehungen zwischen Hall und Neustrelitz hält Grund für sehr intakt. Es gebe zahlreiche Schnittstellen. Er selbst sei wohl schon 25-mal in Hall gewesen. „Wir pflegen eine gute Partnerschaft.“ Zu den Festeinladungen schicke er, weil er sie schon alle kennt, auch gern Stadtvertreter. Aber auch zu Anlässen wie zu diesem Besuch komme er gern immer wieder.

Die Städtepartnerschaft zwischen Neustrelitz und Schwäbisch Hall wurde 1988, unmittelbar nach dem Fall der Mauer, aufgenommen. Damals stand vor allem die Hilfe beim Aufbau von demokratischen Verwaltungsstrukturen im Vordergrund. Aus der Stadt Hall, dem Landratsamt und auch aus vielen Kreisgemeinden halfen Verwaltungsfachleute mit bei dem Umbau.

Weitere partnerschaftliche Beziehungen unterhält Neustrelitz, gelegen in Mecklenburg-Vorpommern, seit 1983 zur polnischen Stadt Szeczinek (1998 wurde der Vertrag über die Städtepartnerschaft neu geschlossen), zur russischen Stadt Tschaikowski am Ural nach dem Abzug der GUS-Streitkräfte aus Neustrelitz seit 1993 sowie seit 1963 zur  finnischen Stadt Rovaniemi.

Die Stadt Hall hat 1964  die Städtepartnerschaft mit Epinal in Frankreich geschlossen. Weitere Partnerschaften folgten mit Loughborough in England (1966), Lappeenranta in Finnland (1985), Neu­strelitz sowie Zamosc in Polen (1989). Seit 2006 ist die Stadt Balikesir in der Türkei die jüngste Partnerstadt, die seit der Kommunalreform 2014 nun Karesi/Balikesir heißt. kor

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