Das Römermuseum in Mainhardt feiert sein 25-jähriges Bestehen

Über 100 Exponate, Schautafeln und Modelle sind es, die seit über 25 Jahren im Römermuseum in Mainhardt über das Leben am Limes informieren. Heute um 19 Uhr lädt die Gemeinde zu einer Feier ein.

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  • Limes-Cicerone Torsten Pasler hebt zum "Salve" grüßend die Hand. Im Hintergrund der Nachbau der Limes-Palisade. 1/2
    Limes-Cicerone Torsten Pasler hebt zum "Salve" grüßend die Hand. Im Hintergrund der Nachbau der Limes-Palisade. Foto: 
  • Das Römermuseum. 2/2
    Das Römermuseum. Foto: 
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Der Mittelpunkt am Limes im Mainhardter Wald ist das schmucke Römermuseum im Ortskern der Gemeinde. Es ist ein Kleinod, das der Mainhardter Torsten Pasler, Vorsitzender des Verbandes der Limes-Cicerones, Besuchern ehrenamtlich nahe bringt. Römische Funde, die allesamt in der Gemeinde oder näherer Umgebung ausgegraben wurden, sind zu sehen. Pasler kennt die Geschichten dazu. Wertvolle Schätze sind unter anderem stattliche Weihesteine, die bei Grabungen 1944 entdeckt wurden.

Torsten Pasler führt seit 15 Jahren durch die Ausstellung in der Kapelle, die einst zum Amtssitz der Fürsten zu Hohenlohe-Bartenstein gehörte und vor 25 Jahren zum Museum umfunktioniert wurde. Damit ist er in die Fußstapfen seines Vaters Hermann getreten. "Die Einrichtung dieses Museums ist vor allem der beispiellosen Leistung zweier Mainhardter und ihrer archäologischen Arbeit zu verdanken, nämlich Horst Clauß und Hermann Pasler", erläutert Bürgermeister Damian Komor. Lange Zeit vor Gründung des Museums seien die römischen Funde mehr schlecht als recht im Rathaus untergebracht worden. Pasler und Clauß sind Gründer des Museums.

Mit dem Hohenloher Hofrat Christian Ernst Hanßelmann wurde die historische Erfassung der Römerfunde begonnen, so der Limes-Cicerone. "Der Schreiber des Fürstenhauses Hohenlohe hat um 1760 verschiedene römische Dinge gesehen und Zeichnungen davon angefertigt", erzählt Pasler. Auf einer davon sind drei römische Kastelle zu sehen. "Hanßelmann steht als einer der großen Limesforscher. Er hat als erster erkannt, dass der Limes eine durchgehende Landverbindung zwischen Rhein und Donau gewesen ist", so Pasler.

Auch der Oberamtsarzt Justinus Kerner, geboren 1786, spielt in der Historie der römischen Funde eine Bedeutung. Mainhardt gehörte zu seinem Zuständigkeitsgebiet. "Als er hörte, dass aus der römischen Kastellmauer Steine für den Hausbau herausgebrochen worden sind, kam er hierher." Kerner habe den Schutthaufen durchsucht und zwei Statuen gefunden, die heute als Imitate im Römermuseum als Kerner-Genien stehen. Die Steindiebe hatten sie wohl liegen lassen, da sie sich in ihrer Form nicht für den Hausbau eigneten.

In den 1960er Jahren hat Torsten Paslers Vater Hermann damit angefangen, römische Artefakte - das sind von Menschenhand hergestellte Gegenstände - zu sammeln. Durch die dichte römische Besiedlung in Mainhardt war vieles zu finden. Die Scherben von Vasen und Gefäßen hat der Hobbyarchäologe zusammengesetzt. Auch Werkzeuge entdeckte er. "Als mein Vater mit dem Modellbau des Mainhardter Kastells begann, sagte ich ihm, ich könne das besser", berichtet Pasler und schmunzelt. Er war 14 Jahre alt, als er dieses Werk gestaltete.

2004 wurde die Einrichtung des Museums mit Hilfe des Landesdenkmalamtes neu konzipiert und bietet seither jährlich rund 1000 Besuchern aus dem In- und Ausland eine informative Übersicht über die Zeit der römischen Besatzung von 150 bis 260 nach Christus in Mainhardt. Sorgen bereitet Pasler die hohe Luftfeuchtigkeit im Museum, die den Metallteilen zusetzt.

Den Limes bei Mainhardt sieht Torsten Pasler als identitätsstiftendes Merkmal der Römer in der Region. "Wichtig ist, dass wir den Limes ins Bewusstsein der Menschen bringen", betont der 53-Jährige. Seine natürlichen Feinde seien Unwissenheit und Gleichgültigkeit. Seit 2005 steht der Limes auf der Welterbeliste der Unesco.

Info Mit einer Feier am heutigen Mittwoch, 5. August, 19 Uhr, rund ums Römermuseum wird das 25-jährige Bestehen gewürdigt. Alle Interessierten sind eingeladen.

Hintergrund

Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christi wurde der Limes von den Römern im damaligen Obergermanien vom Neckar aus etwa 30 Kilometer nach Osten verlegt und verlief fortan auch durch den Schwäbischen Wald. Entlang der neuen Grenze entstanden Kohortenkastelle, wie das in Mainhardt, Kleinkastelle sowie Wachtürme.

COJA

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