Das geht in die Beine

Stadtbummler haben die sieben Musiker der Maddis'son Brass Band beim Einspielen bereits nachmittags auf der Haller Henkersbrücke erlebt. Abends gastierten die Freiburger mit ungewöhnlichen Arrangemens im Club Alpha.

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Wenn die Maddis'son Brass Band loslegt, wird im Löwenkeller vom ersten Takt an getanzt. Die Freiburger sind zum zweiten Mal in Hall.  Foto: 

Große Boxen stehen neben der Bühne im Löwenkeller, dessen Tage bald gezählt zu sein scheinen. Die Zwischenlösung nach der Zwischenlösung Spitalbach und dem Auszug aus der ersten Heimat Anlagencafé scheint dem Ende entgegen zu gehen. Und aus den Boxen kommt kein Ton. Die bei ihrem Auftritt in Hall nur siebenköpfig angetretene Gruppe Maddis'son Brass ist mit der Besetzung Trompete, zwei Saxophone, Horn, Posaune, Sousaphon und Schlagzeug so klanggewaltig, dass sie die etwas mehr als 100 Zuhörer im Löwenkeller auch ohne elektronische Verstärkung vom ersten Ton an zum Tanzen bringt. 100 Minuten und etwa 20, meist instrumental vorgetragene, Lieder lang spielen sich die sechs Männer und eine Frau, Naomi am Horn, direkt in die Beine und Herzen der überwiegend das ganze Konzert durchtanzenden Besucher. Das Mikrofon wird nur für die seltenen Gesangseinlagen und die Anmoderationen der Stücke benutzt. Schwerpunkt sind die Songs ihrer aktuellen CD "Some F****n' Brass". Darunter auch der schon fast zum Klassiker neigende "Rock around Kalkutta" oder die scheinbar schon obligatorische allerletzte Zugabe, mit deutschem Gesang "Türlich' türlich'".

Die Maddis'son Brass Band bläst alles, was über die Beine direkt ins Herz geht. Von Ska über Reggae, Funk, Balkan Beat, Rock und Jazz. Häufig fast wild zu nennende Mischungen unterschiedlicher Musikrichtungen werden in einem Lied kompakt und komprimiert zusammengeblasen. Von allem das Beste ergibt in diesem Fall wirklich das Beste. Was für Köche nur bedingt gilt, scheint hier garantiert. Beste Stimmung, die gleich in die Tanzbeine geht und gute Laune macht.

In diesem unverwechselbaren Stil finden sich auch die unterschiedlichen Zuschauer-Gruppierungen wieder. So sind an diesem Abend im Löwenkeller von den Pumps bis zu den Springerstiefeln fast alle Schuharten vertreten, und sie tanzen reichlich.

"Man mag sich", erklärt Rainer Grün vom Arbeitskreis Programm des Club Alpha die zweite Einladung der Freiburger Band. Untergebracht für die Nacht werden die Musiker bei verschiedenen Club-Mitgliedern. "Wir hoffen, dass sie nach dem Umzug zur Eröffnung wieder hier spielen können", erklärt Grün weiter. "Die Band hat Lust darauf und wir auch." Wenn sich am nächsten Morgen alle Musiker und Gastgeber zum Brunchen bei ihm treffen, werden sie vielleicht darüber nachdenken, warum eine so grandiose Band in Hall so wenig Zuschauer findet.

Und vielleicht kommt jemand auf die Idee, dass der Konzertbeginn um 21.50 Uhr an einem Donnerstag etwas damit zu tun haben könnte. So haben viele Haller einen wunderschönen Auftritt versäumt. Außer die überraschten Stadtbummler am Nachmittag auf der Henkersbrücke - sofern sie denn stehen geblieben sind um den "Straßenmusikern" zu lauschen.

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