Das Geheimnis vom „Beichtstuhl“

|
Mitglieder des „Beichtstuhls“ ziehen die Rampe, durch die man später auf den Wagen kommt. Fabian Steglich (grüne Jacke) geht vorneweg.  Foto: 

Markus, warum sind die Akkus nicht aufgeladen?“. Es ist Samstag, kurz vor 11 Uhr. In der Salzhalle in Bühlertann wird fleißig gesägt und gehämmert – trotz der Minusgrade draußen. Lediglich ein kleiner Raum ist geheizt, damit sich die Männer dort kurz aufwärmen können.

In der Halle riecht es nach Holz und Zigarettenrauch. An der Wand stehen Werkzeugkisten und Bierflaschen. Die Männer lachen viel und rufen Anweisungen quer durch die Halle. Es herrscht eine lockere Stimmung, was dafür sorgt, dass man dazugehören und sofort mithelfen will. So ist es eben, wenn der „Beichtstuhl“ seinen Festwagen für den Faschingsumzug in Bühlertann baut.

Mit dabei ist Fabian Steglich. Der Industriemechaniker aus Bühlertann ist mit 17 Jahren der Jüngste der Wagenbauer – abgesehen von den Kindern der Älteren, die ab und zu auch mal mitanpacken. Es ist nicht das erste Mal, dass Fabian dabei ist. Die meisten bauen jedes Jahr mit.

Planung beginnt Anfang Januar

Seit Neujahr trifft sich die eingeschworene Gruppe dreimal pro Woche. Nach der Planungsphase bis Mitte Januar geht es jetzt ans tatkräftige Bauen des Wagens. Für das Gerüst und allgemein die groben Arbeiten sind die Männer verantwortlich, die einen Großteil der Gruppe ausmachen. Die Frauen stoßen später dazu und bemalen den Wagen. Der „Beichtstuhl“ ist den meisten Faschingsliebhabern in Bühlertann ein Begriff. Seit über 20 Jahren läuft die Gruppe beim Umzug am Faschingssonntag mit. Sie haben dabei meist einen der größten Wagen. Die Gruppe trifft sich zwar auch, wenn gerade nicht die fünfte Jahreszeit ansteht. Aber erst kurz vor Fasching sind sie voll in ihrem Element.

Seinen Ursprung hat der „Beichtstuhl“ im Jugendtreff im Gemeindehaus neben der Kirche in Bühlertann. Dort hat sich die Gruppe immer getroffen – daher auch der Name mit Kirchenbezug. Der Raum ist schon lange geschlossen, aber die Gruppe gibt es immer noch. Mitglieder der alten Clique sind noch dabei, aber es gibt auch viele Neuzugänge, die durch unterschiedliche Gründe zum „Beichtstuhl“ kommen. Fabian ist über seinen Nachbarn auf das rege Treiben aufmerksam geworden.

Motto wird nicht verraten

Der „Beichtstuhl“ ist kein Verein, wie die meisten anderen Umzugsgruppen in Bühlertann. Um den Wagen zu finanzieren, zahlt jeder einen Beitrag. Das Thema des Umzugswagens wird teilweise schon Jahre im Voraus festgelegt. Es gibt eine Liste mit Vorschlägen, die nach und nach abgearbeitet und ergänzt wird. Das diesjährige Thema wurde vor rund zehn Jahren vorgeschlagen und ist das wohl komplizierteste und technisch anspruchsvollste Projekt, das der „Beichtstuhl“ je in Anspruch genommen hat, erklären die Männer. Etwas Derartiges habe es beim Umzug in Bühlertann noch nie gegeben, sagen sie mit einem Lächeln. Was so außergewöhnlich sein soll, dass verraten sie allerdings nicht.

Zusätzlich zur baulichen Herausforderung steht der „Beichtstuhl“ noch mehr unter Zeitdruck als die anderen Gruppen. Zwar ist alles exakt durchgeplant, aber trotzdem wird es gegen Ende manchmal knapp, unter anderem, weil es keinen hundertprozen-
tig genauen Entwurf für den Wagen gibt. Zwar steht das Thema und ein grober Plan, aber es kommen immer wieder neue Ideen dazu.

Abbau an einem Tag

Außerdem muss der Wagen des „Beichtstuhls“ früher fertig sein als die der anderen Teilnehmer, da viele aus der Gruppe zu den Organisatoren des Umzugs in Hinteruhlberg gehören, der früher stattfindet als der Umzug in Bühlertann. Sie laufen auch dort mit. Die dortige Feier wird so manchen noch am Folgetag außer Gefecht setzen.

Am 26. Februar, 14 Uhr, ist dann am Hohenbergweg in Bühlertann Startschuss. Für ein paar Stunden werden die Straßen mit Tausenden Menschen gefüllt sein, die die Umzugswagen und die Garden bewundern. Kinder versuchen, Süßigkeiten zu fangen und vor Hexen wegzurennen. Das ist jedes Jahr erneut ein Spektakel.

Am Morgen nach dem Umzug und der anschließenden Party werden sich Fabian und die anderen wieder an der Salzhalle treffen, um den Umzugswagen Stück für Stück abzubauen. Das dauert den ganzen Tag, aber Aufräumen gehört eben dazu. Alle helfen mit und veranstalten abends ihren ganz eigenen „Rosenmontagsball“, auf dem Platz vor der Salzhalle – mit den Plänen für das nächste Jahr im Kopf.

Info Text

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hörlebach: Mann stirbt in Autowrack

Der Mann hatte wohl einen 19-Jährigen übersehen. Dessen Beifahrerin und die beiden weiteren Insassen wurden leicht verletzt. weiter lesen