Daniel Schneider: Dirigent zweier symphonischer Blasorchester

Gleich mit zwei Großensembles gestaltete Daniel Schneider ein niveauvolles Sommerkonzert im Neubau-Saal: Außer dem bewährten Haller Stadtorchester leitete er den ambitionierten Musikverein Bolanden. <i>Mit Bildergalerie.</i>

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Daniel Schneider dirigiert zwei Ensembles: das Haller Stadtorchester und den Musikverein Bolanden.  Foto: 

Gotthilf Fischer versammelte einst massenhaft Chöre unter sich, Daniel Schneider präsentierte sich nun als Herr des Dirigierstabes über zwei Orchester. Als neuer Chef des Stadtorchesters Schwäbisch Hall hat er sich in Hohenlohe längst einen klingenden Namen gemacht. Jetzt holte er zum Sommerkonzert den Musikverein aus dem rheinland-pfälzischen Bolanden  – nicht zu verwechseln mit Bonlanden auf den Fildern –, den der Tonkünstler ebenfalls ständig betreut.

Obwohl die Gemeinde Bolanden nur über zweieinhalbtausend Einwohner verfügt, hat sich dort seit 1959 ein Blasorchester entwickelt, das mittlerweile mit einiger professioneller Qualität überrascht. Mit einem großen Reisebus waren sie bereits am Samstagmorgen angereist, um gemeinsam mit den Hallern relativ kurz zu proben.

Spenden für von der Flut geschädigte Braunsbacher

Ein Orchester im Doppelpack gab es zum Schluss des Konzerts: Die dreisätzige Suite in Es-Dur, op. 28, von Gustav Holst stand auf dem Programm. Die Originalkomposition für Militärbands hatte 1920 in London ihre offizielle Premiere gefeiert.

Vor der finalen Aufführung hatten die Musikanten aus Bolanden und Hall friedfertig und ebenso harmonierend das choralhafte „Lied ohne Worte“ des Frankfurters Rolf Rodin (Jahrgang 1961) interpretiert.

Nachdem Daniel Schneider für Spenden an die Betroffenen der Unwetterkatastrophe in Braunsbach aufgerufen hatte, spielten die beiden vereinigten Orchester als Zugabe „Arsenal“, einen schmissigen Konzertmarsch des Belgiers Jan Van der Roost. Und tatsächlich häuften sich in den Sammelkörbchen am Ausgang eine Menge Geldscheine.

Noch vor der Veranstaltung bangte Schneider, ob der Bühnenplatz für die 90 angekündigten Musiker ausreichen würde. Dieses Problem wurde pragmatisch und erfolgreich gelöst. Unglücklich waren jedoch alle Akteure über die geringe Zuhörerzahl im Parterre. Er frage sich, scherzte Schneider ironisch, ob sich auf dem Podium oder im Zuschauerraum mehr Personen befänden.

Hartmut Baumann sprach als ehrenamtlicher Vertreter des Oberbürgermeisters frohgelaunt ein Grußwort. Vielleicht könne das Stadtorchester Schwäbisch Hall alsbald im neuen Globe-Theater auftreten – genau an der Stelle, wo einst auf dem Unterwöhrd eine Musikmuschel stand und die damalige Stadtkapelle aufspielte, so der FWV-Fraktionssprecher.

Den Konzertabend im Neubau hatte das Stadtorchester „solo“ eröffnet. Freilich gesellten sich zu den Blech- und Holzbläsern sowie zu den Schlagwerkern die versierte Kontrabassistin Marina Saussele und zeitweise das Piano-Talent Jonathan Babalyants am großen Flügel dazu. Als konzertanten Opener hatte Schneider die Ouvertüre zu „Candide“ von Leonard Bernstein ausgewählt. Komische Oper, Operette oder Musical – dieses Bühnenwerk hat eine wechselvolle Stil-Geschichte aufzuweisen. In einem Arrangement ohne Streicherensembles von Clare Grundman gab es viele schwierige solistische Aufgaben zu bewältigen, die die eifrigen Amateure zu lösen hatten.

Komplex legte Johan de Meij seine „Symphonie Nr. 1“ an, in der er über „Lord oft the Rings“ reflektiert – von grellen Piccoloflöten bis zu brummelnden Basstuben, und dies bei vielen Tempowechseln. Filmdramatik auch bei der „Forrest-Gump-Suite“. Dass Blasmusik heutzutage nicht unbedingt mit grölendem Bierzelt gleichzusetzen ist, demonstrierte Schneider und die Haller Musiker mit der Queen-Nummer „Innuendo“.

Traditioneller gab sich das Repertoire vom Musikverein Bolanden. Zunächst „Des großen Kurfürsten Reitermarsch“ von Kuno Augustus Friedrich Karl Detlev Graf von Moltke, geboren 1847 in Halls innerdeutsche Partnerstadt Neustrelitz. Nachdem es zitatenreich über acht Minuten lang „In 80 Tagen um die Welt“ (Otto M. Schwarz) ging, rückte Österreich in den Fokus des musikalischen Geschehens. Im Dreivierteltakt erfreuten sich die Pfälzer „An der schönen blauen Donau“ und huldigten der tragischen Musical-Kaiserin „Elisabeth“ (Komposition von Michael Kunze). Als Aushilfe sprang hier kurzfristig auf dem Altsaxophon Sonja Fahrian ein, die ansonsten hinter alten Gittern im Haus der Bildung klassische Querflöte unterrichtet und auch in Tobias Scheibecks Big Band mitjazzt.

Auf Facebook meldeten sich später begeisterte Musikerkollegen aus Bolanden. Einer postete: „Mir hat es auch super gefallen, war ein sehr schöner Tag und ich hoffe, dass wir dies wiederholen können (ich hoffe aber nicht erst in zwei Jahren). An alle Beteiligten der Stadtkapelle ein großes Dankeschön für die herzliche Aufnahme.“

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