Wilder Genuss

Im Frühling gedeihen Giersch, Löwenzahn, Brennnessel und anderes Kraut. Kräuterpädagogin Martha Feuchter aus Sulzdorf erzählt von deren Wirkung.

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Martha Feuchter hält Wildkräuter in der Hand, die sie auf ihren Spaziergängen in der Natur sammelt.  Foto: 

Innerhalb weniger Tage hat sich in der Natur ein Wandel vollzogen. Vergessen sind die tristen Wiesen und Wälder. Jetzt grünt und blüht es. Nicht nur Grashalme gedeihen. Das geschulte Auge der Sulzdorfer Kräuterpädagogin Martha Feuchter entdeckt Wildkräuter wie Löwenzahn, Giersch, Brennnessel, Labkraut und Wegerich.

„Es ist das dritte Mal, dass ich dieses Jahr zum Sammeln gehe“, erzählt die 66-Jährige. Mit dabei hat sie stets einen Weidenkorb. Die Kräuter bleiben darin frisch und werden nicht zerdrückt. In einem Nebental der Bühler bei Cröffelbach biegt die Kräuterkennerin in einen Waldweg ein. Nach nur wenigen Metern bleibt sie stehen und bückt sich. Vorsichtig zupft sie ein Blatt ab und hebt es hoch. „Das ist der Giersch“, erklärt sie. Zu erkennen sei dieser an den dreimal drei Blättern und am dreieckigen Stiel. „Den Giersch verachtete ich als Kind. Ich musste ihn immer im Garten ausgraben“, sagt Martha Feuchter und lächelt. Heute möchte sie auf das Heilkraut nicht verzichten. Es enthält viermal mehr Vitamin C als eine Zitrone. Zudem ist der Giersch voller Mineralstoffe und enthält besonders viel Kalium, Magnesium, Calcium, Mangan, Zink, Kupfer, Vitamin A, Eiweiß – und außerdem noch viele andere gesundheitsdienliche Pflanzenstoffe. Besonders bei Arthrose und Arthritis helfe das Heilkraut, und auch bei Gicht werde es angewandt. Am wirkungsvollsten sei es, wenn die jungen Blätter geerntet werden. Diese enthielten die meisten Wirkstoffe.

In Hülle und Fülle ist der Löwenzahn vorhanden. Martha Feuchter nimmt ein Blatt, das weit eingekerbt ist. „Man sagt, diese Blattform sei am nährstoffreichsten“, berichtet sie. Löwenzahn regele die Verdauung, pflege Leber und Galle, helfe bei Rheuma und lasse unter anderem Pickel und chronische Hautleiden verschwinden. Alle Pflanzenteile wie Blätter, Blüten, Stängel und Wurzel können verwendet werden.

Bei ihren Wildkräuterwanderungen klärt Martha Feuchter ihre Teilnehmer nicht nur über die Wirkung der Pflanzen auf. „Wichtig ist, dass die Heilkräuter mit Bedacht gewählt werden“, beginnt sie zu erzählen. Der Sammler solle nur so viele mitnehmen, wie er brauche und darauf achten, dass er nie die ganze Pflanze mitnehme. „Nach Möglichkeit nur das Kraut und die Blüten, nie die Wurzel mitnehmen, sonst ist die Pflanze weg und der Nächste hat nichts mehr davon“, so die Kräuterpädagogin. Außerdem sollten Sammler immer nur wenige Pflanzen aus einer Gruppe entfernen. So sei gewährleistet, dass Neues nachwachsen kann.

Etwas hat es gedauert, doch dann entdeckt Martha Feuchter kleine Blättchen am Boden. „Da ist sie, die Brennnessel“, freut sich die Rentnerin. Sie sei unverzichtbar wegen ihrer blutreinigenden und ausschwemmenden Wirkung. Mineralstoffe, Vitamine, Kieselsäure – viele gute Bestandteile, die die Brennnessel auszeichneten. Blätter und Wurzel könnten in Salat, Suppe oder als Tee verarbeitet werden.

„Alle Kräuter, die jetzt im Frühjahr so zeitig wachsen, haben eine körperreinigende Wirkung“, erzählt die Fachkundige. Später im Frühjahr kämen dann Waldmeister, Johanniskraut und Klee dazu. Vor einem Busch bleibt Martha Feuchter stehen. Winzige Knospen sind auszumachen. „Wenn sie blühen, kann man aus diesen Schlehenblüten einen wunderbaren Likör ansetzen“, schwärmt die Sulzdorferin. Er schmecke nach Bittermandel.

Nun freut sich die Kräuterfrau über eine weitere Entdeckung. Am Ufer der Schmerach hat sie das vitaminreiche Scharbockskraut entdeckt, das zu den Gewächsen des Hahnenfußes gehört. Kleine gelbe Blüten lugen hervor. „Seefahrer haben früher oft wegen Vitaminmangels Skorbut bekommen. Bis sie das Scharbockskraut auf ihre Reisen mitgenommen und wie Sauerkraut eingestampft haben“, weiß Martha Feuchter. Das Kraut schmecke streng, sei aber gut zu essen.

Dreimal die Woche macht sich die Sulzdorferin einen Smoothie. Neben Obst kommen darin zurzeit auch Giersch und Brennnessel vor. Doch auch köst­liche Suppen ließen sich mit den ­Wildkräutern zubereiten. „Dafür dünste ich Zwiebeln an, gebe eine kräftige Handvoll Kräuter und etwas Spinat hinzu, würze es mit Kräutersalz und Gemüsebrühe“, zählt Martha Feuchter die Zutaten auf.

Eines sei noch sehr wichtig bei der Kräutersuche: „Nie an Hundewegen oder Autostraßen sammeln und nur gesunde Blätter mitnehmen“, rät die Fachfrau.

Für den Löwenzahntrunk verwendet Martha Feuchter eine Handvoll junge Löwenzahnblätter, eine Orange, einen Apfel, ein Achtel Liter Buttermilch und Honig nach Bedarf. Anleitung: Die Blätter waschen und in Streifen schneiden, Orange auspressen, ungeschälten Apfel vierteln und das Kernhaus entfernen. Zutaten in ein hohes Gefäß und mit dem Mixer pürieren.

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