Cosplay: Fremde Welten

Jessica Renoth aus Gaildorf stellt den japanischen Verkleidungstrend vor. Auch in Deutschland hat die Szene einige Mitglieder. Doch was steckt hinter den Kostümen?

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  • Jessica Renoth in ihrem Cosplay-Outfit als Sinon Asada aus der Light Novel „Sword Art Online“ von Reki Kawahara. 1/2
    Jessica Renoth in ihrem Cosplay-Outfit als Sinon Asada aus der Light Novel „Sword Art Online“ von Reki Kawahara. Foto: 
  • Die linke Zeichnung zeigt unter anderem ein „Avocadotier“. Die Zeichnung hat Jessica Renoth für einen Malwettbewerb auf der Comic Con angefertigt. Das Thema lautete „Avocado“. 2/2
    Die linke Zeichnung zeigt unter anderem ein „Avocadotier“. Die Zeichnung hat Jessica Renoth für einen Malwettbewerb auf der Comic Con angefertigt. Das Thema lautete „Avocado“. Foto: 
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Und auf einmal ist man in einer ganz anderen Welt, verlässt die Realität, und schaltet ab von all dem Stress, der einen im Alltag überhäuft“, beschreibt Jessica Renoth (21) aus Gaildorf, ihr Hob­by. Jessica ist eine Cosplayerin, aber mit diesem japanischen Verkleidungstrend, hatte sie nicht immer was am Hut. „Ursprünglich habe ich überhaupt nichts über Cosplay gewusst“, erzählt Jessica. „Aber ich war schon immer ein großer Disney-Fan und habe auch viel gezeichnet, und mir so den Zeichenstil von Disney angeeignet.“

2010 hat eine Freundin ihr die Seite Animexx.de gezeigt. Auf dieser Website tauscht sich die Cosplay-Community aus. Man hat die Möglichkeit, Bilder hochzuladen oder andere Bilder zu bewerten. „Die Seite hat mir gefallen, und ich habe mich auf einmal für Cosplay interessiert.“  Jessica hat zunächst eigene Bilder hochgeladen, andere bewertet und sich mit 17 Jahren schließlich ihr eigenes Kostüm bestellt und beschlossen, an einer Veranstaltung der Szene teilzunehmen.

„Beim Cosplay versucht man seine Lieblingsfigur in Aussehen und Charakter so gut wie möglich nachzustellen. Dabei können das sowohl Figuren aus bekannten Filmen und Serien sein, aber häufig sind die Vorbilder Charaktere aus Animes oder Comics.“ Der Begriff Cosplay, leitet sich aus dem Englischen von Costumplay (Kostümspiel) ab, und kam mit dem Anime- und Manga-Boom in den 1990er Jahren nach Europa und Deutschland. Hier hat sich der Trend schnell verbreitet. Und auch Jessica besitzt mittlerweile schon sieben Kostüme. „Es gibt relativ freie und gewagte Kostüme. Die sind zwar schön anzusehen, aber ich trage sowas nicht. Oft ist es für solche Kostüme auch zu kalt.“

Aber während viele Cosplayer ihre Kostüme sogar selber designen und nähen, hat sich Jessica selber noch nicht an diese Arbeit getraut. „Ich habe leider keine Nähmaschine und Näherfahrung. Außerdem können diese Kostüme sehr aufwendig sein, was sie zwar besonders, aber auch teuer macht.“ Trotzdem wird sie sich demnächst vielleicht daran versuchen. Bisher hat sich Jessica im Schnitt ein Kostüm pro Jahr gekauft. Dabei muss man mit Ausgaben von mindestens 70 Euro pro Kostüm rechnen.

Monate vorher ausverkauft

Insgesamt gibt es für Interessenten fünf Mal im Jahr die Möglichkeit, an einem Treffen in Stuttgart, im Jugendhaus in Zuf­fenhausen teilzunehmen. Wobei die Teilnehmerzahl im Schnitt bei 200 bis 300 Personen liegt. „Man trifft sich, tauscht sich aus, zeichnet, und macht Shootings“ erinnert sich Jessica mit einem Lächeln. Für Cosplayer bieten solche Veranstaltungen immer die Möglichkeit, auf Gleichgesinnte zu treffen. Größere Veranstaltungen, oder Conventions, wie sie auch genannt werden, sind aber auch für Nichtmitglieder interessant.

Die Comic Con Germany in Stuttgart zählt etwa 50 000 Besucher, und so ist es kein Wunder, dass die Karten bereits Monate vorher ausverkauft sind. „Wenn die Comic Con im Juli stattfindet, wird es schwer im Februar oder März noch Karten zu bekommen“, erklärt Jessica, die dieses Jahr zum zweiten Mal auf der Messe war.

Einfach nur ein Hobby

Gerade auf so großen Conventions trifft man auf viele Cosplayer.­ „In meinem Umfeld kenne ich nicht viele Leute, die sich auch für Cosplay interessieren. Es ist auch nicht einfach, solche Leute zu finden. Einige finden das komisch oder verrückt, dabei ist es auch einfach nur ein Hobby.“ Laut Jessica reagieren die meisten Leute auf Cosplay so distanziert, weil sie es einfach nicht kennen. Auch ihre Mutter kann mit ihrem Hobby nicht sonderlich viel anfangen. „Wenn die Leute sich mehr damit auseinandersetzen würden, wäre ihre Reaktion wahrscheinlich anders.“

Gerade an der Reaktion auf die verschiedenen Charaktere, lässt sich Jessicas These bestätigen. „Wenn die Leute auf einen bekannten Charakter treffen, bekommt dieser Cosplayer oft mehr Zustimmung. Jack Sparrow aus ‚Fluch der Karibik’ oder Harley Quinn aus ‚Suicide Squad’ kennt aus dem Kino ja fast jeder. Das wirkt auf die Leute nicht so befremdlich.“ Aber auch wenn manche dumm gucken, irritiert sind, und andere lachen, so reagieren einige mit großer Begeisterung. „Vor allem wenn die Leute den Charakter kennen, ist die Freude groß. Das gibt einem dann immer Bestätigung“, meint Jessica. Auch wenn die meisten Cosplayer sich gerne fotografieren lassen, so rät sie, diese aus Höflichkeit vorher trotzdem um Erlaubnis zu fragen.

Einige von ihren eigenen Fotos präsentiert Jessica auch auf ihrer eigenen Facebookseite „KoNeko’s Art and Cosplay“. Hier finden sich sowohl einige Zeichnungen als auch Bilder von Jessica in ihren verschiedenen Kostümen.

Die Comic Con in Stuttgart lockte Anfang Juli nach Auskunft der Veranstalter 50 000 Besucher an. Nicht nur Cosplayer kamen auf ihre Kosten, sondern zum Beispiel auch Film-Fans. Zuvor unveröffentlichte Szenen von „Valerian“, dem mit Spannung erwarteten Film von Luc Besson, sowie die Pilotfolge der neuen Amazon-Prime-Video-Superheldenserie „The Tick“ wurden auf der Messe erstmals gezeigt.

Zudem konnten Besucher zahlreichen Zeichnern und Illustratoren bei ihrer Arbeit auf die Finger schauen und sich sogar persönliche Exemplare anfertigen und sig­nieren lassen. Einige bekannte Schauspieler standen – gegen Gebühr – auf der Convention für Autogramme und Fotos zur Verfügung. Darunter John Barrowman (Doctor Who), Ricky Whittle (American Gods), Judge Reinhold und John Ashton (Beverly Hills Cop), Kevin Sorbo (Hercules), Michael Biehn (Terminator) und Dirk Benedict (A-Team).

2018 findet die Comic Con in Stuttgart am 30. Juni und 1. Juli statt. Mehr unter www.comiccon.de. jom

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