Christina Immel aus Bibersfeld verschafft Junglandwirten Gehör

Andere Studenten in Christina Immels Alter tummeln sich abends auf Partys. Die 23-Jährige dagegen fährt freiwillig stundenlang quer durchs Land. Ihr Ziel: Das Bild der modernen Landwirtschaft zu stärken.

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Christina Immel aus Hall ist Mitglied im Vorstand der Landjugend Württemberg, Landwirtschaft Frau Beruf Landwirt Landwirtin  Foto: 

Zunächst hatte Christina Immel überhaupt kein Interesse an der Landjugend, im Gegenteil: "Ich dachte, die reden nur über Traktoren", erzählt die 23-Jährige im gemütlichen Esszimmer des Aussiedlerhofes in Bibersfeld. Sie hat sogar einen Traktor-Führerschein, aber das ist auch nicht überraschend bei ihrer Herkunft. Ihr Vater ist Landwirtschaftsmeister und hat sich auf Ferkelzucht und Schweinemast spezialisiert, die Mutter ist Hauswirtschaftsleiterin. 150 Sauen und 500 Mastschweine leben auf dem Hof. Automatische Fütterung und viel Büroarbeit haben das Klischee vom Bauer mit der Mistgabel in der Hand längst abgelöst.

Doch trotz moderner Technik im Stall können die Tiere nie länger als einen Tag alleine bleiben. Christina Immel kann sich an keinen einzigen längeren Urlaub mit ihren Eltern und den drei Geschwistern erinnern. Deshalb konnte sie es auch kaum erwarten, als sie nach dem Abitur am Erasmus-Widmann-Gymnasium für ein Jahr als Au-Pair in die USA ging. Sie lebte eine halbe Stunde von New York City entfernt. "Felder und Wälder gabs dort keine." Die Erinnerung lässt sie schmunzeln. Denn in der Fremde vermisste sie plötzlich die ländliche Heimat. Und dort fällte sie auch den Entschluss, Agrarbiologie zu studieren.

Das war im Jahr 2010. Inzwischen ist Christina Immel seit drei Jahren Mitglied der Landjugend, engagiert sich sowohl als Schriftführerin im Ortsverband Hall als auch auf Landesebene; seit Dezember 2011 ist sie Mitglied des Landesvorstands Württemberg-Baden. Ihr Masterstudium in Agribusiness an der Uni Hohenheim hat sie begonnen, parallel schreibt sie ihre Bachelorarbeit. Später möchte sie im Vertrieb oder Verkauf einer Agrarfirma arbeiten.

Ihre Motivation, Studium und Engagement für die Landjugend unter einen Hut zu bekommen, zieht Christina Immel aus dem für sie sinnvollen Gefühl, die Jugend im Land zu stärken und ihr eine Stimme zu geben. Ausgleich findet sie in der Beziehung zu ihrem Freund, der mit Landwirtschaft überhaupt nichts zu tun hat. "Das ist mein Ausgleich. Er gibt mir die Energie, neu durchzustarten."

An der Landjugend reizt die junge Frau die Gemeinschaft, in die sie auf Anhieb aufgenommen worden sei. Ob Volkstanz, Go-Kart-Fahren oder gemütliches Beisammensein - in der Ortsgruppe steht der Spaß im Vordergrund. Im Landesverband rücken politische Themen in den Fokus. Der Bezirk Württemberg-Baden ist in 18 Kreise unterteilt. Jedes Vorstandsmitglied betreut zwei davon. Christina Immel ist Patin der Kreise Crailsheim und Rhein-Neckar. Zu ihren Hauptaufgaben im Landesverband gehören die Organisation des jährlichen Junglandwirtekongresses und die Lobbyarbeit gegenüber des Ministeriums - dem wichtigsten Geldgeber. "Wir müssen der Politik klar machen, was wir arbeiten." Zudem sitzt sie in der Jury des Landwirtschaftspreises für unternehmerische Innovation. Um die Bewerbungen zu bewerten, fährt sie quer durchs Land. "Abends sitze ich oft im Auto. 150 Kilometer pro Strecke sind keine Seltenheit." Nicht nur moderne Landwirtschaft ist bürokratisch geprägt; auch die Arbeit für die Landjugend gleicht eben manchmal einem Bürojob . . .

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