Chemie ist nicht alles: Großes Interesse an den Feldtagen in Kleinallmerspann

Neben neuen Sorten und Pflanzenschutzmitteln rücken die Bodengesundheit und die anstehende Düngemittelverordnung in den Blick.

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Ein Pflanzenschutzexperte erklärt bei den Feldtagen in Kleinallmerspann den Einsatz von Fungiziden (Stoffe, die Pilze oder ihre Sporen abtöten) und Wachstumsregulatoren beim Raps.  Foto: 

Besonders beim Maisanbau besteht die Gefahr, dass bei starkem Regen wertvoller Boden weggeschwemmt wird. Diese Erfahrung mussten einige Landwirte im Raum Braunsbach nach den extremen Niederschlägen Ende Mai machen. Um das zu verhindern, empfiehlt es sich, geeignete Gräser zwischen die Maisreihen zu säen. Und zwar solche, die besonders viel Wurzelmasse aufbauen. „Starke Durchwurzelung hält den Boden. Gerade beim Mais ist eine solche Untersaat besonders wichtig“, erklärte einer der Experten von der Deutschen Saatveredelung.

Gülle darf im Herbst nicht mehr ausgefahren werden

Eine gute Durchwurzelung begünstigt durch Ausscheidungen aus der Wurzel auch das Wachstum von Mikroorgamismen, die die Bodenqualität erhöhen. Er warnte davor, die Äcker zum falschen Zeitpunkt zu befahren, denn das verdichte auch den Boden und vermindere die Wasseraufnahmefähigkeit. Insgesamt sei es sinnvoll, auf alte pflanzenbauliche Erkenntnisse zurückzugreifen, die die Lebensgemeinschaft von Boden und Pflanze unterstützen, so der Fachmann.

Zwischenfruchtsaaten sind dabei von großer Bedeutung. „Aber Sie müssen schnell sein mit der Aussaat nach der Hauptfruchternte, damit der Boden noch genug Feuchtigkeit enthält und die Saat gut aufgeht“, stellte Dieter Gehring von der Deutschen Saatveredelung fest. Denn der Bewuchs sollte dicht sein, damit er Unkräuter unterdrückt. „Dann brauchen Sie vor der Aussaat kein Glyphosat“, stellte er fest, stieß mit dieser Anmerkung aber nicht bei allen Landwirten auf Zustimmung.

Vorgestellt wurden verschiedene Mischungen mit Gräsern, Senfarten und Leguminosen (Hülsenfrüchtler) wie Klee, Lupine, Wicke und Erbse, die Stickstoff aus der Luft binden. Wenn es im Winter keinen Frost gab, sollten die Zwischenfruchtpflanzen mit einer Walze umgelegt werden und nicht gleich in den Boden eingearbeitet werden. Dann würden sie nämlich zu schnell zersetzt und die Nährstoffe stünden der folgenden Frucht nicht mehr zur Verfügung. Besser sei es, die abgestorbenen Pflanzen liegen zu lassen und erst kurz vor der Aussaat in den Boden einzuarbeiten.

Auch im Hinblick auf die neue Düngemittelverordnung, die die Anwendung von Düngern stärker reglementiert, sind passende Zwischenfruchtsaaten und Untersaaten zur Verbesserung des Bodens sinnvoll. Verärgert zeigten sich die meisten Landwirte, dass beispielsweise, mit bestimmmten Ausnahmen, keine Düngung mehr nach der Ernte der Hauptfrucht bis zum 1. Februar des Folgejahres erlaubt sein wird. „Dann fahren am 1. Februar alle gleichzeitig ihre Gülle, wenn das im Herbst nicht mehr möglich ist“, kritisierte einer. Um das zu verhindern, fordert der Gesetzgeber große Lagervolumen für Gülle. Denn sie sollte nicht auf den Acker kommen, wenn die Fässer voll sind, sondern dann, wenn es aus pflanzenbaulicher Sicht richtig ist. „Hintergrund der neuen Verordnung ist, ein neues Bewusstsein für die Nährstoffversorgung zu schaffen. Hohe Erträge sollen möglich sein, ohne dass zu viel Phosphor und Stickstoff mit der Gülle aufs Feld gelangen“, so Norbert Baugartner vom Düngemittelhersteller Eurochem. „Diese Vorschriften haben wir im Wasserschutzgebiet schon lange. Es wird Zeit, dass sie für alle gelten“, meinte ein Landwirt.

Weitere Themen waren etwa Pflanzenmischungen für Grünland und für Biogasanlagen, um dem Monokulturmaisanbau Einhalt zu gebieten. Die Experten gaben auch Tipps, welche Pflanzenschutzmittel bei dem derzeitigen feucht-warmen Wetter, das den Pilzbefalll fördert, gespritzt werden sollten.
 

Schüler und Landwirte gehören zum Publikum

Interesse Pflanzenzuchtfirmen, Pflanzenschutzmittel- und Düngemittelproduzenten laden jährlich zu Feldtagen nach Kleinallmerspann auf den Hof Blumenstock ein. Besucher sind Schüler von landwirtschaftlichen Schulen und Hochschulen sowie Landwirte wie Eberhard Schaffert aus Blaufelden. Der Vollerwerbslandwirt betreibt Schweinezucht und Ackerbau. „Ich interessiere mich besonders für Rapssorten und Zwischenfruchtmischungen“, sagt Schaffert. siba

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