CDU zweifelt an Eppler

Der Gemeinderat soll heute Abend entscheiden, ob Reinhold Würth und Erhard Eppler die Ehrenbürgerwürde Halls verliehen wird. Die CDU-Fraktion äußert im Vorfeld öffentlich ihre Zweifel.

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Erhard Eppler und Reinhold Würth sollen das Ehrenbürgerrecht Schwäbisch Halls erhalten. Der Gemeinderat stimmt darüber ab. Archivfoto: Ufuk Arslan

"Es gibt keinen Jubel. Ob er so in Hall auf den Sockel gehoben werden soll, ist die Frage", sagt Ludger Graf von Westerholt auf Nachfrage. Der CDU-Fraktionsvorsitzende äußert Zweifel am Vorhaben, dem ehemaligen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Erhard Eppler (SPD), das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Genauer wolle er öffentlich nicht werden, denn "ich will ihm nichts Böses". Einzelne CDU-Stadträte haben Zweifel an der Rolle Epplers als Jugendlicher im Dritten Reich - so wird der Zeitung zugetragen. Zudem sei die Frage bei Ehrenbürgern zu stellen, was sie für die Stadt geleistet haben.

Die Verwaltung schlägt vor, Professor Dr. h.c. mult. Reinhold Würth und Dr. phil. Erhard Eppler die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Das wurde im Verwaltungs- und Finanzausschuss kürzlich nichtöffentlich begründet. Heute erfolgt eine Abstimmung im Gemeinderat. OB Pelgrim will sich zum Thema, das nichtöffentlich behandelt wird, nicht äußern. Erhard Eppler betont auf Nachfrage, dass er die Ehre gar nicht anstrebe und nur dann annehme, wenn es eine breite Unterstützung der beiden großen Parteien im Stadtrat gebe (siehe Info-Kasten). "Epplers Stimme wird gehört. Er hat gesellschaftliche Diskussionen in Deutschland geprägt", lobt Helmut Kaiser, Fraktionsvorsitzender der zweiten großen Partei im Rat, der SPD. Umso verwunderlicher findet er es, dass es in Teilen der CDU Vorbehalte gibt. "Herr Eppler hat alles offen ausgesprochen. Seit Jahrzehnten ist er eine moralische Autorität und ein Vordenker."

Ganz unabhängig von den beiden Persönlichkeiten, die seit 20 Jahren erstmals wieder das Haller Ehrenbürgerrecht erhalten sollen, hätte es innerhalb der SPD-Fraktion eine Diskussion gegeben: Ist es nicht sinnvoller, konkrete Leistungen zu würdigen, anstatt eine pauschale Ehrenbürgerwürde zu verleihen? Die Diskussion sei nicht abgeschlossen. Dennoch geht Kaiser davon aus, "dass wir geschlossen für die Ehrenbürger stimmen".

Wie die geheime Abstimmung auch ausgeht: Außerhalb Halls sind Epplers Verdienste unbestritten. Er trägt die silberne Brenz-Medaille der Evangelischen Kirche, die Verdienstmedaille des Landes, das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik und am Samstag wird ihm in Stuttgart vom Ministerpräsidenten ein Ehrenprofessorentitel verliehen.

Erhard Eppler bezieht Stellung zur Vergangenheit

Drittes Reich "Ich war von meinem 15. bis 17. Lebensjahr in der Spielschar der Hitler-Jugend in Schwäbisch Hall aktiv und dabei für die männliche Jugend verantwortlich. Das war eine musikalische Formation - wir haben vor allem gesungen. 1944 war die Spielschar wegen politischer und weltanschaulicher Unzuverlässigkeit aufgelöst und Anfang 1946 von der US-Militärregierung als Jugendsingkreis wieder erlaubt worden."

Aufarbeitung "Vor genau 20 Jahren habe ich im Suhrkamp-Verlag über meine Kindheit und Jugend im Dritten Reich Rechenschaft abgelegt - in Briefen an meine älteste Enkelin.

Dort kann man auch nachlesen, dass die Spielschar Anfang September 1943, als die meisten von uns als Flakhelfer nach Karlsruhe eingezogen wurden, einen Brief wohl von der Kreisleitung der NSDAP bekommen hat. Wir wurden aufgefordert anzugeben, wer von uns - wenn er das nötige Alter erreicht hätte - bereit wäre, der NSDAP beizutreten. Wir empfanden dies als Ultimatum. Hätten wir es einfach zurückgeschickt, wäre die Spielschar ein gutes Jahr früher aufgelöst worden.

Um dies zu verhindern, sagte ich, mindestens drei von uns müssen unterschreiben. Als erster habe ich es getan. Auf dieser Liste vom 6. September 1943 beruht die Angabe, ich sei der NSDAP beigetreten."

Ehrung "Ich erstrebe keine Ehrenbürgerschaft. Ich habe selbstkritisch überlegt, was ich für die Stadt Schwäbisch Hall getan habe. Ich habe beispielsweise am Friedensberg Bierflaschen aufgelesen und in den Container getan. Das reicht wohl nicht. Wenn eine große Partei wie die CDU mehrheitlich im Stadtrat dagegen ist, aus Gründen, die sie nennen und verteidigen kann, dann werde ich die Ehrenbürgerschaft nicht annehmen."

TOB

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