Camping: Steinbacher Pächter kritisiert kostenlose Stellplätze auf Auwiese

Die Wohnmobil-Stellplätze sind wegen Bauarbeiten von der Weilerwiese an die Auwiese verlegt worden. Für den Pächter des Campingplatzes in Steinbach sind beide Standorte schädlich für sein Geschäft.

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Familie Cocchi aus Bologna verbringt den Montag in Hall. Mit ihrem Wohnmobil machen die Besucher Station auf einem der kostenlosen Stellplätze auf der Auwiese.  Foto: 

Familie Seitel hat den Campingplatz "Am Steinbacher See" seit 21 Jahren gepachtet. Die Arbeit mache ihnen Spaß, sagen Thomas und Jutta Seitel. Und doch hat sich das Ehepaar mehrmals überlegt, "ob man das überhaupt noch weiter machen soll, ob sich das überhaupt noch lohnt, wenn es dort immer mehr wird".

Die Seitels deuten damit an, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Wohnmobile auf den offiziell ausgewiesenen Stellplätzen der Weilerwiese geparkt wurden. Weil dort jetzt ein Ärztehaus und ein Hotel gebaut werden, sind die Camperplätze auf den öffentlichen Parkplatz an der Auwiese verlegt worden. Dort können die Camper ihre Wohnmobile kostenlos parken. Auf der Weilerwiese hatten sie die normalen Parkgebühren zu zahlen.

Die Wohnmobilstellplätze sollen "auch künftig am Standort Auwiese bleiben", teilt Corina Stein von der Stadtverwaltung mit. Die Plätze seien "ruhig und dennoch zentral gelegen. Die Innenstadt ist entlang des Kochers zu Fuß oder mit dem Fahrrad in wenigen Minuten zu erreichen". Der Standort werde "sehr gut" angenommen, die Nutzer hätten bislang nichts beanstandet.

Am Standort Weilerwiese gab es nur Stromanschlüsse. Über die Ausstattung auf der Weilerwiese mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten werde in den kommenden Haushaltsberatungen entschieden, so Corina Stein. Die Entsorgung des Campermülls werde durch die Straßenreinigung über die dort aufgestellten Mülleimer entsorgt, im gleichen Rhythmus wie überall in der Stadt. Eine Belegungsstatistik für die auf Weilerwiese und Auwiese geparkten Wohnmobile gebe es nicht.

Pächter verlangen 23 Euro für einen Stellplatz

Die Pächterfamilie Seitel muss sich mehr Arbeit machen. Wie viele Ankünfte es gab, wie viele Abreisen, aus welchen Ländern die Gäste kommen, wie viele Nächte sie auf dem Campingplatz geblieben sind - "wir müssen aufwändige Statistiken machen, die wir, genau aufgeschlüsselt, jeden Monat an das Statistische Landesamt übermitteln müssen", sagt Pächter Thomas Seitel.

Sein Unternehmen habe Auflagen und Vorschriften, trenne und entsorge jedes Jahr viel Müll - und auf der Auwiese gebe es nichts davon. Dann kämen Camper, die von der Auwiese mit dem Rad zum Steinbacher Campingplatz fahren, um dort duschen zu können. Außerdem wollen auf der Auwiese stehende Wohnmobilisten auf der Steinbacher Anlage ihr Abwasser entsorgen und Frischwasser tanken. Die Pächter erlauben das nicht mehr. "Die auf der Auwiese stehen, wollen dort billig Urlaub machen", sagt Thomas Seitel. Dabei "ist Camping bei uns auch nicht teuer": Die Pächter verlangen für einen Stellplatz und zwei Personen 23 Euro pro Tag, inklusive Strom.

Die Stellplätze an der Auwiese machen den Campingplatz-Pächtern das Leben schwer. Auf der Weilerwiese hatte es anfangs nur wenige Stellplätze gegeben, "damit hätten wir leben können". Dann aber habe es immer mehr gegeben, die Einhaltung der Obergrenze sei zudem nicht kontrolliert worden: "Manchmal standen bis zu 15 Wohnmobile auf der Weilerwiese." Wenn aber auf dem Steinbacher Campingplatz nur drei Camper am Tag fehlen, sind das 90 pro Monat. "Da geht uns viel Geld verloren", sagen die Pächter, die hohe Unterhaltungskosten haben und jedes Jahr in Reparaturen und Umbauten investieren müssen.

"Jedem Pächter ist es am liebsten, wenn es solche Stellplätze wie auf Weilerwiese und Auwiese nur in solchen Städten angeboten werden, in denen es keinen Campingplatz gibt", sagt Thomas Seitel. Gebe es sie wie in Hall trotzdem, dann, wünscht sich Seitel, "dürften die Camper dort nicht länger als vier Stunden stehen". Das müsste das Ordnungsamt kontrollieren.

90 Stellplätze, 4000 Gäste

Historie Den Campingplatz in Steinbach gibt es am heutigen Standort seit 1971. Davor war er laut der Pächterfamilie Seitel auf der Kocherwiese. Familie Seitel hat den Campingplatz "Am Steinbacher See" seit 21 Jahren von der Stadt gepachtet. Seitdem hat die Familie laut eigenen Angaben etwa 300.000 Euro in die Anlage investiert. Das seien die Kosten nur für die großen Projekte - kleinerere Reparaturen und der Austausch etwa von Duschköpfen und Klobrillen nicht eingerechnet. In diesem Jahr muss auf der Anlage eine neue Heizung eingebaut und das Dach repariert werden.

Statistik Auf dem Steinbacher Campingplatz übernachten pro Jahr etwa 4000 Gäste. Es gibt 90 Stellplätze, etwa 30 sind mit Dauercampern belegt.

WD


KOMMENTAR VON WOLF-DIETER RETZBACH
Nicht gerecht gegenüber Pächtern


In einer Stadt wie Backnang, die in Stadt und direktem Umkreis keinen Campingplatz hat, machen solch offizielle Wohnmobil-Stellflächen Sinn, wie es sie in Hall auf der Weilerwiese gab und jetzt auf der Auwiese gibt. In der Kocherstadt aber gibt es einen professionell geführten und vergleichsweise günstigen Campingplatz in Steinbach. Die Innenstadt ist von dort durch den Stadtpark zügig erreichbar – Steinbach ist nicht Sulzdorf. Die Wohnmobil-Stellplätze auf der Auwiese gehören deshalb abgeschafft. Sie gefährden den Betrieb des Steinbacher Campingplatzes. Dass es die Plätze auf der Auwiese gibt, ist nicht gerecht gegenüber den Pächtern. Diese führen aufwendige Statistiken, trennen und entsorgen den Müll der Gäste. Nichts davon passiert auf der Auwiese: Dort schmeißen die Camper ihren Müll in öffentliche Mülleimer, die die Mitarbeiter der Straßenreinigung leeren. So zahlen die Bürger für die Entsorgung des Mülls der Camper. Die Wohnmobilisten lockt auf der Auwiese zudem ein kostenloser Stellplatz. Wer sich aber ein Mobil kaufen kann, wird sich auch Übernachtungen auf dem Campingplatz leisten können.

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Kommentare

09.10.2015 14:57 Uhr

Es gibt auch andere Gründe als nur Geld zu sparen

Meine Frau und ich, ebenfalls Wohnmobilisten sind beide noch Berufstätig.
Unser Urlaub ist auf 6 Wochen im Jahr begrenzt, in dieser Zeit sind wir auch oft auf Campingplätzen.

Wir sind aber auch, so wie wahrscheinlich die meisten noch Berufstätigen Wohnmobilisten, viel am Wochenende unterwegs, Städte erkunden, Tageswanderung 200-300 Km von zu Hause entfernt,...

Wenn ich übers Wochenende eine Stadt besuche, so will ich möglichts Zentral stehen.
Wenn ich Abends um 24:00 Uhr zu meinem Standort will, macht es schon einen Unterschied, ob ich 15min oder 45min Fussweg habe.
Offentliche Verkehrsmittel sind um diese Zeit in vielen kleineren Orten auch nicht mehr unterwegs.

Ebenso problematisch ist die Anreise.
Wenn man Freitags nach der Arbeit losfährt, kommt man oft nach 22:00 Uhr an.
Montags vom Kurztripp direckt zur Arbeit funktioniert oft auch nur wenn ich morgens um 05:00 Uhr losfahre.
Dies funktioniert bei vielen Campingplätzen nicht.

Konkurrenz belebt das Geschäft.
Über Konkurrenz zu jammern bringt nichts, man muss sich ihr stellen.

Ich sehe aber durchaus die Problematik der Campingplatzbetreiber, die durch auf Gemeindeflächen ausgewiesene Stellplätze Konkurenz von einem Anbieter bekommen, der nicht Kostendeckend arbeiten muss.

Hier würde es Sinn machen wenn sich die Gemeinde mit dem Campingplatzbetreiber zusammenzusetzt und verschiedene Eckpunkte zu besprechen.

Ich habe auch kein Problem für solche Stellplätze eine Gebühr zu bezahlen, so könnten in solchen Fällen die Gemeinden durchaus eine Gebür erheben um den Stellplatz kostendeckend zu betreiben.

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13.08.2015 08:16 Uhr

nicht gegen- sondern miteinander

Der Tourismus per Reisemobil weist seit Jahren hohe Zuwachsraten auf. Das ist gut für die Kommunen, die sich darauf einstellen, für die örtliche Gastronomie, für den örtlichen Handel. Anders als "Camper" mit Wohn-anhängern sind Reisemobiltouristen aber meist nur für 1-3 Tage am Ort, dann reisen sie weiter. Weil ihre Fahrzeuge mit aufwändigen Sanitäreinrichtungen ausgestattet sind, benötigen sie die Infrastruktur eines Campingplatzes meist nicht.

Die Forderung, Reisemobilstellplätze nur in Orten auszuweisen, die keinen Campingplatz haben, ist deshalb sachfremd. Die Klientel ist eine völlig andere, und der Bedarf deshalb eben auch. In vielen touristisch ansprechenden Orten (zu denen zweifellos auch Schwäbisch Hall gehört) haben die Betreiber von Campingplätzen das erkannt und ihrerseits Stellplätze für die "andere" Kundschaft errichtet oder betreuen diese im Auftrag der Städte und Gemeinden mit. Daß ein Reisemobilstellplatz mit Stromanschluss und Wasserversorgung eine Gebühr vom Benutzer verlangt, ist allgemein die Regel.

Schwäbisch Hall wäre deshalb gut beraten, Gäste, die der örtlichen Geschäftswelt Umsätze generieren, nicht zu vertreiben, sondern ihnen einen stadtnahen Stellplatz auszuweisen, der nicht den Charakter eines "Camps" hat. Da machen Gäste mit Reisemobil nämlich meist einen großen Bogen drum herum.

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12.08.2015 12:54 Uhr

Redakteur hat unglaublich schlecht recherchiert

Da war wohl der Chef vom Dienst mal kurz weg und dann darf an bester Stelle ein (recht unbekannter) Redakteur mit ganz offensichtlich vorgefasster Meinung mal kurz einen (bestellten?) Bericht verfassen. Von Recherche keine Spur. Interessant wäre doch, warum die (üblicherweise) sehr gut vernetzten Wohnmobilisten absichtlich den Stellplatz und eben nicht den Campingplatz aufsuchen.
Die Antwort wird mit Sicherheit nicht nur das Geld sein, so toll sind Schotterplätze für die meist recht betuchten Leute ja nicht. Die Antwort wäre bei mir und meinen Freunden allgemein zu Wohnmobilstellplätzen: ich will unabhängig sein, auch mal morgens um 4 weiterfahren zurück nach Hamburg, will nicht mit (unbekannten) Busverbindungen oder über längere Strecke in die Innenstadt. Keine Öffnungszeiten, kein Papierkram. Sondern auf kurzen Wegen meine Stadtbesichtigung machen, abends einkehren mit einem guten Glas Wein ohne Fahrrad usw.

Also kurz: Freiheit pur. Campingplätze suche ich bei erholsameren Aufenthalten gerne auf, genieße das Grün um mich. Alles zu seiner Zeit.Beim Bericht klar erkennbar: weder der Redakteur noch der Cpl-Pächter haben eine Ahnung, wie Wohnmobilisten ticken. Die fragen sich, wenn man sie auf Campingplätze zwingt: "was tu ich hier, ich hab doch alles an Bord"?

Als Pächter würde ich nicht versuchen, das Haller Tagblatt so offensichtlich zu instrumentalisieren (WARUM sich das HT das gefallen lässt bzw. ermöglicht, würde mich ganz gewaltig interessieren) im Hinblick auf künftige Gemeinderatssitzungen. Ich würde versuchen, den Stellplatz an der Auwiese irgendwie mit zu pachten.
Der Schuss ging kräftig nach hinten los. Im Internet baut sich da gerade eine starke Diskussion auf: https://www.wohnmobilforum.de/w-t102093.html

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12.08.2015 11:13 Uhr

Wohnmobilisten ticken anders!

Meine Frau und ich haben vor einigen Wochen erstmals eine Nacht auf dem Stellplatz Auwiese gestanden mit unserem Wohnmobil und den Abend in der schönen Altstadt verbracht. Wir haben unsere teure Küche ausnahmsweise mal nicht genutzt und bei einem der Wirte hervorragend gegessen. Wir haben unsere eigene Dusche und unsere eigene Toilette benutzt und sind nicht mit dem Rad auf den Campingplatz gefahren und haben sogar unseren Müll und unser Abwasser wieder mitgenommen. Wir hätten auch jederzeit eine Stellplatz-Gebühr bezahlt, insbesondere dann, wenn wir eine Ver- und Entsorgung vorgefunden hätten.
Wir verstehen auch, dass ein Campingplatz-Betreiber aus wirtschaftlichen Interessen eine ganz andere Meinung zu einem stadtnahen Stellplatz haben muss, aber er sollte auch wissen, dass das Gros der Wohnmobilisten die Unabhängigkeit genießt und die komplette Ausstattung des Fahrzeugs nutzt, so wie wir das immer tun. Einen Campingplatz nutzen wir auch hin und wieder, aber nur dann wenn wir ein paar Tage länger stehen wollen oder im Ausland die Sicherheit suchen.
Es geht eben nicht darum ein paar Euro zu sparen, es gibt Camper und Wohnmobilisten und letztere ticken eben anders!

Gruß aus Unterfranken!

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