Burgfräulein mit pinken Turnschuhen

Am Mittwoch ist es so weit. Dann wird sich zeigen, ob die Stimmen laut genug sind, das Kostüm hält, der Text ohne Vorsagen klappt. Eine leichte Nervosität ist schon zu spüren bei den jungen Schauspielern.

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Bunt-kostümiert absolvieren die Mainhardter Schüler ihre letzten Proben für "Die steinernen Jungfrauen". Das Stück wird am Mittwoch- und Donnerstagabend in der Waldhalle aufgeführt.  Foto: 

"Ist die gut?", fragt das Rapperkind, das in den Proben noch Jasmin Wenkemann heißt und tippt auf ihre graue Wollmütze. Nein, die ist nicht gut. Sonja Szkopp, Musiklehrerin und Leitung von Band und Chor, erklärt: "Der Rabe sagt zu dir: Du siehst ja aus wie ich! Also musst du eine schwarze Schirmkappe anziehen." Jasmin-Rapperkind zieht ab. Die schwarze Schirmkappe will sie nicht anziehen.

Die Jungen und Mädchen sitzen halbwegs kostümiert im Musiksaal. Kleid über Jeans, Rock hängt über neon-pinkfarbenen Turnschuhen. Manche brauchen noch ihr Textblatt, die meisten schaffen es schon ohne. Und notfalls souffliert Katharina Joas, Leiterin der Theater-AG. Immer wieder weist sie die jungen Schauspieler darauf hin, laut und deutlich zu sprechen. "Wenn ihr selber denkt, ihr redet viel zu langsam, dann ist es genau richtig!" Manche Szene muss drei- und viermal wiederholt werden, bis die Stimmen endlich laut genug sind, die Betonung auf die richtigen Stellen kommt.

Das Stück "Die Steinernen Jungfrauen" wurde geschrieben von der Schwester Sonja Szkopps, Sabine Ocker, Lehrerin aus Heidenheim. Dort, genauer gesagt im "Eselsburger Tal", spielt auch die Geschichte. Ein Burgfräulein lebt schon viel zu lange allein auf der Eselsburg. Sie ist sehr einsam und wünscht sich, mit Bodo von Falkenstein ein gemeinsames Leben beginnen zu dürfen. Aber sie wird enttäuscht. Voller Wut und Verzweiflung behandelt sie ihre Mitmenschen tyrannisch und voller Hass. Als sich ihre beiden Mägde in zwei Fischergesellen verlieben, kommt es zur Katastrophe, heißt es in der Ankündigung.

Musical-Tradition reicht mehr als 30 Jahre zurück

Zum Stück kommen Musik von der Schulband und - wie es sich für ein Musical gehört - Tanzeinlagen. Die erbringen nicht die Schauspieler, sondern einzelne Klassen haben im Sportunterricht Tänze einstudiert. Bei dem Musical, das an der Helmut-Rau-Schule traditionell seit Anfang der 80er-Jahre alle zwei Jahre aufgeführt wird, wirken 97 Schüler der Mittelstufe mit. Auf der Bühne, an der Technik, hinter der Bühne oder beim Gestalten des Bühnenbildes. Bei den Kostümen haben sie Glück, brauchen weder selber kreativ zu werden noch viel Geld auszugeben. Sie bekommen sie von der Aufführung, die bereits in Heidenheim stattgefunden hat.

Viel Mühe und Arbeit steckt in den vom Kunstlehrer Gernot Kohler gestalteten Plakaten, von denen nun 30 Stück in und um Mainhardt hängen. Und natürlich in den Kulissen, den Felsen, die von Karin Manschadi gebaut werden.

"Eine außergewöhnlich elegante Erscheinung haben Sie", sagt Fischer Moritz Niebel zu Burgfräulein Anne Truckenmüller. Die kichert. "Bitte mit mehr Emotionen!", ruft prompt Katharina Joas. Bodo von Falkenstein muss einen Knicks machen - wieder verdrucksen sich die anderen ihre Lachkrämpfe.

Die Hauptrollen, Burgfräulein und Fischer, erwartet auch noch eine Solo-Gesangseinlage. Musical heißt auch immer einen Moment mit Gänsehaut. Den gibt es ganz am Ende. Wenn alle zusammen das Lied "So wie du bist" singen. "Du bist das, was das Leben aus dir macht. Es liegt an dir, was du selbst daraus machst. Mancher Weg läuft im Leben quer", heißt es im Text. Aber natürlich wird es selten so sentimental. Eher lustig, mit Jugendsprachesprüchen vom Rapperkind, witzigem Gekebbel zwischen konkurrierenden Marktschreiern und dem Liebeslied "Oh wir gehör'n zusammen. So wie die Mücke an der Kuh, wie Spiegel und Ei, der Tupfen auf dem i."

Info: Die Aufführungen von "Die steinernen Jungfrauen finden am 6. und 7. Mai jeweils um 19.30 Uhr in der Mainhardter Waldhalle statt. Der Eintritt ist frei.

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