Bunter Pulli fürs Geländer

Ein Mann, der strickt? Diesen außergewöhnlichen Anblick muss Peter Liebscher aus Hall gleich per Smartphone im Bild festhalten. "Ich finde die Aktion toll", sagt er und meint lächelnd: "Hoffentlich hält das auch eine Weile.

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Der strickende Mann, der am Samstagvormittag auf den Stufen der Froschgrabentreppe sitzt und gekonnt Nadel und Wolle bedient, ist Martin Weis, Projektleiter des Mehrgenerationenhauses. Zusammen mit Andrea Wanner, Fachbereichsleiterin in der Volkshochschule, hatte er zum Mitmachen bei der "Haller Wollkunst" eingeladen. Ziel ist, gemeinsam die Froschgrabentreppe "bunt zu stricken".

Ungezählte, zehn Zentimeter breite Strick- und Häkelstreifen sind bei der VHS abgegeben worden. Ebenso unliebsame Wollreste, die bei der Aktion "verstrickt" wurden. "Schulen haben mitgemacht, Altersheime, Freundeskreise und viele mehr", freut sich Andrea Wanner über die große Resonanz. Den wohl längsten Streifen hat auch ein Mann gestrickt: Fünfeinhalb Meter habe er beigesteuert - gehäkelt in einer Topflappentechnik, die er seit 30 Jahren anwende.

Kunst im Stadtraum

Damit und mit anderen Stücken bekommt das Treppengeländer einen bunten Wollpulli verpasst. Die Streifen werden um den Handlauf gewickelt und vernäht. Das Gestrickte wird so zu Kunst im Stadtraum, was als Form der Streetart "Urban knitting" genannt wird.

Stricken und Häkeln hatte lange Zeit eher das Image, bei der älteren Generation verbreitet zu sein. Doch Handarbeiten sind längst auch bei jungen Leuten wieder "in" und selbstgehäkelte Mützen gelten als trendy. Die "Haller Wollkunst" bringt entspannt jung und alt zusammen. Immer wieder bleiben spontan Menschen - meist Frauen - stehen, greifen zu Wolle und Strick- oder Häkelnadel, reihen linke und rechte Maschen aneinander, und im Nu wächst der Wollstreifen wieder um ein paar Zentimeter. Im Sonnenlicht leuchtet der neue Treppen-Pulli in bunten Farben. Gut denkbar, dass bald kaum ein Geländer oder Laternenpfosten mehr vor der textilen Bereicherung sicher ist.

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