Brutalität verteidigt: Warum Hinrichtungsszene im Elser-Film in voller Länge gezeigt wird

Kurz nach dem Deutschlandstart von "Elser - Er hätte die Welt verändert", stellen Drehbuchautoren und Produzenten im Haller Gloria Kino ihr Werk vor. Viele Szenen davon sind in Wackershofen gedreht worden.

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Wie lange dauert es bis ein Mensch am Strang stirbt. Die Macher des knapp zweistündigen Filmes haben genau nachgeforscht. Eine Minute und vierzig Sekunden. So wird es auch im Film gezeigt. Kein schöner Anblick. Aber es ist nicht der Schreiner Georg Elser aus Hermaringen bei Heidenheim, später wohnhaft in Königsbronn, der stirbt. Es ist einer seiner Peiniger, der Jahre zuvor für die Folterungen an Elser mitverantwortlich war.

Hier der Trailer zu Elser - Er hätte die Welt verändert

Die anwesenden Produzenten und Drehbuchautoren Fred Breinersdorfer, seine Tochter Leonie-Claire Breinersdorfer und Boris Ausserer legen sehr viel Wert darauf zu betonen, dass der Film sich, wo immer es möglich war, an die Fakten gehalten hat. Sie haben Akten gewälzt, neue Dokumente entdeckt und mit Zeitzeugen gesprochen.

Schnelle Schnitte zwischen Attentat und Tod am Strang

Die Dialoge im Film sind, sofern es gepasst hat, den damals sehr sorgfältig dokumentierten Protokollen entnommen. Im nahezu ausverkauften Gloria Filmtheater mit seinen 160 Plätzen sind nur noch zehn Karten im Abendverkauf zu erhalten. Die meisten der Besucher bleiben auch zur anschließenden, knapp 40 minütigen Diskussion. Die Stimmung direkt nach der Vorführung ist sehr bedrückend. Der Film „Elser“ zeichnet in scharfen Schnitten die Geschichte eines gescheiterten Attentats nach. Er wechselt ständig zwischen zwei Erzählebenen. Der Gegenwart mit dem Attentat, den wirklich grausamen Folterszenen, dem Tod seines Peinigers am Strang und seiner eigenen Hinrichtung. Und der Vergangenheit, die in Teilen im Freilandmuseum in Wackershofen gedreht worden ist. Einiges davon im Käshof, der selbst eine Gedenkstätte ist und normalerweise nicht für solche Zwecke zur Verfügung steht. Das Dorf verwandelt sich nach und nach in eine nationalsozialistische Gemeinschaft.

Filmclub Hohenlohe zeigt Doku über die Dreharbeiten

Elser ist ein Freigeist, der frühzeitig erkennt, was für ein Unheil da heraufzieht und der im Alleingang beschließt, dem ein Ende zu bereiten. Er baut eine Bombe und platziert sie im Münchner Bürgerbräu Keller, wo Hitler eine Rede halten wird. Schlechtes Wetter macht einen Rückflug nach Berlin unmöglich und so verlässt Hitler die Veranstaltung früher als geplant, um den Zug zu erreichen. Die Bombe detoniert 13 Minuten zu spät. Elser wird gefasst und auf der Suche nach seinen Hintermännern gefoltert. Unschöne Szenen, die bei der Diskussion auch immer wieder hinterfragt werden. „Wir haben uns auch lange um die Darstellung dieser Szenen gestritten“, berichtet Leonie-Claire Breinersdorfer. „Und haben uns dafür entschieden.“ Sie wollen den täglichen Horrormeldungen der Nachrichten ein reales Gesicht geben. Ein reales Gesicht hat der Film „Elser“ wirklich bekommen. Ob in der Liebe oder der Grausamkeit der Ehe.

Betroffen macht auch die eher unspektakuläre Nähe zur Realität. Und die kann selbst in einem kleinen Dorf an der Brenz bisweilen sehr erschreckend sein, aus dem Elser stammt.

Zum Einstieg in den Abend wird den Kinogängern noch eine Uraufführung präsentiert. Der „Filmclub Hohenlohe“ hat die neuntägigen Dreharbeiten in Wackershofen begleitet und das Ergebnis in einer 20 minütigen Vorführung präsentiert. Das Werk wird, so Frank Lauter, Mitglied des Vereines, demnächst im Internet für alle zu sehen sein.

"Elser"-Film: Über einen Menschen mit Mut

Hier ein SWR-Video aus der Landesschau Baden-Württemberg zur Elser-Filmpremiere in Stuttgart

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