Brennende Burgen, alte Wappen - Dötschmann-Chronik zurück in Hall

Auf 306 Blättern wird die Geschichte Halls erzählt. Die Dötschmann-Chronik aus dem 16. Jahrhundert ist nun im Besitz des Stadtarchivs. Der Kaufpreis in Höhe von 20000 Euro wurde teils durch Spenden finanziert.

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Begutachten die Neuanschaffung (von links): Josef Wagner (Vorsitzender Geschichts-Werkstatt), Dr. Mark Hiller (Geschäftsführer Recaro Aircraft Seating), Stadtarchivar Dr. Andreas Maisch, Hans Meinel, Bettina Wilhelm (Erste Bürgermeisterin).  Foto: 

Wenn er die weißen Handschuhe auspackt, dann wissen viele, die Dr. Andreas Maisch kennen, dass es ernst wird. Etwas Kostbares wird gleich zu sehen sein, was sonst höchstens durch Vitrinenglas betrachtet werden kann. Etwas, was nicht mit bloßem Finger angetatscht werden darf.

60 Besucher kommen vergangene Woche in den Veranstaltungssaal der Sparkasse am Hafenmarkt. Aber erst nach einem eineinhalbstündigen Vortrag, aufgelockert durch Musik des Bläserquintetts "Quintessenz" der städtischen Musikschule, öffnet Andreas Maisch die Vitrine. 20.000 Euro hat die sogenannten Dötschmann-Chronik gekostet. "Eine teure Anschaffung", so Maisch. "Für Hall ist das ähnlich teuer, wie die Madonna für Würth", scherzt ein Besucher. Das von Hans Holbein dem Jüngeren geschaffene Werk kam für geschätzte 60 Millionen Euro in die Johanniterhalle.

Nur Steuerzahler tauchen in alten Dokumenten auf

Doch was macht die Dötschmann-Chronik so besonders? "Der Inhalt ist aus anderen Chroniken schon bekannt", meint Maisch. "Es ist aber wie ein zusätzliches Gemälde, dass die Stadt zeigt." Eine neue Perspektive, mit unzähligen farbigen Illustrationen - mit brennenden Burgen, Stadtansichten und Wappen. Michael Beck, Vorstandsmitglied der Sparkasse, bezeichnet den Kauf als mutige Entscheidung. "Eine historische Rarität wurde für die Nachwelt gesichert."

Auf dem Titel steht "Cronica: Der löblichen Reichs Statt Schwebischen Hall", darunter das Stadtwappen. "Kreuz und Hand, die Stadtfarben Gelb und Rot und der Reichsadler bilden den Auftakt", so Maisch, "und das, obwohl die Chroniken keine offiziellen Arbeiten im Auftrag der Stadt waren."

Bis Andreas Maisch und seine Kollegen vom Stadtarchiv das Werk in den Händen halten konnten, verging viel Zeit. "Im Dezember 2011 bot der ehemalige Antiquar Hans Rübel in Glashütten dem Stadtarchiv eine Reihe von Schriftstücken und Drucken an", berichtet Josef Wagner, Vorsitzender der Geschichts-Werkstatt, der Förderverein von Stadtarchiv und Kreisarchiv. Dabei sei lediglich die eine handschriftliche Chronik interessant gewesen.

Finanziert werden mussten 20.000 Euro, von denen die Stadt Hall die Hälfte zahlte. Der Rest stammt aus der Kasse der Geschichts-Werkstatt, von Mitgliedern und Einzelspendern sowie von Unternehmen wie der Sparkasse und Recaro. Knapp eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis der Kauf in trockenen Tüchern war.

Auf dem Titel des Neuerwerbs steht "Dötschmann-Chronik", darüber "Herrmann". Die Familie Dötschmann könne man, so Wagner, seit dem frühen 15. Jahrhundert in Hall nachweisen. Sie waren Sieder und zahlten Steuern. Nur deswegen tauchen so in den Dokumenten auf. "Steuerhinterzieher dagegen fallen aus der historischen Überlieferung - selbst Schuld!" Die Familie Dötschmann sei stark in Hall verwurzelt gewesen und in vielen Berufszweigen aktiv. "Leider lässt sich aus der Chronik nicht entnehmen, welcher der zahlreichen Dötschmanns Besitzer der Handschrift war." Ähnliches gelte für die Familie Herrmann, die allerdings weniger in Hall verankert war.

In Hall hat es an Druckern gemangelt

Die Chronik, so Maisch, gehöre zu einer ganzen Reihe, die um 1600 in Hall entstanden ist. "Die Texte selbst sind ein halbes Jahrhundert älter und wurden von Johann Herolt und Georg Widmann verfasst." Obwohl damals der Druck erfunden war, was Johannes Brenz vielfältig nutzte (siehe Info), wurden die meisten anderen Chroniken handschriftlich verfasst. Das hatte den Vorteil der farblichen Illustrationen, die damals im Druck nicht möglich war. Außerdem habe es in Hall an Druckern gemangelt.

An der Dötschmann-Chronik selbst wird in der nächsten Zeit noch viel gearbeitet: Sie wird digitalisiert und die Blätter restauriert. Die Kosten von knapp 4000 Euro trägt die Geschichts-Werkstatt.

Chronik und Brenz-Drucke
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