Braunsbacher regen sich über Gaffer auf - Appell von Polizei und Gemeinde

Viele Braunsbacher fühlen sich zum zweiten Mal als Opfer, teilt die Polizei mit. Gaffer schauen sich vor allem sonntags zum Privatvergnüngen im Ort um.

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Geröllmassen und Zerstörung: Solche Bilder wollen die Gaffer sehen, die nach Braunsbach kommen. Viele Einwohner fühlen sich dadurch belästigt. Teilweise betreten die Schaulustigen fremde Grundstücke.   Foto: 

Für staugeplagte Autofahrer ist es ein bekanntes Bild. Ganz langsam rollen die Autos an der Unfallstelle vorbei, weil Gaffer ihre Augen auf das Unglück richten. Die Sensationslust scheint stärker als die Vernunft. Und dieses Phänomen zeigt sich nicht nur auf Autobahnen, sondern auch an Unglücksorten, die von einer Katastrophe heimgesucht wurden – wie Braunsbach.

Familienausflug nach Braunsbach

180 Fahrzeuge hat die Polizei am vergangenen Sonntag umkehren lassen, die auf der gesperrten Strecke zwischen Geislingen und Braunsbach in den Hauptort der Gemeinde gelangen wollten. Sie hatten keine Berechtigung, als Anlieger nach Braunsbach zu fahren. „Speziell sonntags ist das so. Teilweise nützen ganze Familien den Sonntagsausflug, um in Braunsbach zu gaffen“, berichtet Bernhard Kohn, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Aalen, das für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständig ist. Er macht noch einmal deutlich, dass nur Anlieger passieren dürfen, also Ortsansässige oder beispielsweise Handwerker, die Arbeiten in Braunsbach ausführen. „Wir machen das als Unterstützung für die Braunsbacher“, erzählt Kohn.

Immer wieder hätten die Bewohner der Kochertalgemeinde davon berichtet, wie Schaulustige sich im Ort breitmachen. Manche würden Fotos oder sogar Filmaufnahmen von den Schäden machen, um sie zuhause nochmal anschauen zu können. Die Polizei appelliert daher an die Gaffer, „ihre Neugierde im Zaum zu halten“. Die Reaktionen der zurückgeschickten Autofahrer würden aber eher nicht zuversichtlich stimmen, so die Polizei.

In den ersten Wochen nach dem Unwetter am 29. Mai ist übrigens täglich von der Polizei an den Einfahrten Braunsbachs kontrolliert worden. Das ist aber nicht mehr möglich: „Dafür haben wir einfach nicht genug Leute“, so Polizeisprecher Kohn.

„Offenbar haben manche am Sonntag für sowas Zeit“, sagt Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch. Vereinzelt kommen die Schaulustigen auch unter der Woche abends in den Ort. „Einige Gaffer benehmen sich ein Stück weit respektlos. Sie betreten einfach Gärten oder sogar Häuser“, erzählt der Bürgermeister.

Ein großes Problem sieht Harsch beim Parken: „Die Leute stellen ihre Autos oft an unübersichtlichen, gefährlichen Stellen ab. Da geht es um einen Sicherheitsaspekt.“ Die Gaffer würden nicht nur die Einwohner gefährden, sondern auch sich selbst, führt Harsch weiter aus.

Dass zwischen Geislingen und Braunsbach die Durchfahrt prinzipiell verboten ist, ist in erster Linie nicht auf den „Katastrophentourismus“ zurückzuführen. Die Strecke ist wegen der Straßenschäden gesperrt, erläutert Polizeisprecher Kohn. „Dort herrscht auch noch viel Verkehr mit großen Baumaschinen“, ergänzt Bürgermeister Harsch.

Bei der Kontrolle an der Straßensperre werde in den meisten Fällen mündlich abgeklärt, ob jemand Anlieger ist oder nicht, so Harsch. Natürlich könne man nicht verhindern, wenn jemand bei der Kontrolle lügt und sich als Helfer ausgibt, wenn Helfer im Ort gebraucht werden. „Da muss man der Ehrlichkeit der Leute vertrauen“, sagt der Bürgermeister. „Die Leute sollen gern wieder in den Ort kommen, aber erst wenn wieder alles aufgebaut ist. Dann sollen sie sogar kommen“, appelliert auch Harsch an die Vernunft der Schaulustigen. Theoretisch könnte man alle Unberechtigten bestrafen, erklärt Polizeisprecher Kohn. Aber bei dieser Masse sei dies nicht möglich. Auch eine dauerhafte Überwachung der Straßensperre ist nicht praktikabel. Falls jemand doch beim Gaffen erwischt wird, werden 20 Euro Bußgeld fällig.

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