Bis zum Vollrausch

Die Vernissage der Vellberger Straßengalerie lockt viele Kunstbegeisterte am Sonntag ins Mittelalterliche Städtle. Das Thema „Berauschend“ wird beleuchtet.

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„Kindergeburtstag“ nennt Joachim Trick sein Farbrauschwerk aus leuchtend-bunten Kunststoffbechern. Im Hintergrund ist der Torturm im Vellberger Städtle zu sehen.  Foto: 

Kaufrausch, Blütenrausch, Höhen- und Tiefenrausch: Es gibt viele Arten von Rausch. „Vermutlich haben Sie alle zuerst Alkohol assoziiert“, meinte die Vellberger Bürgermeisterin Ute Zoll in ihrer Eröffnungsrede und wies auf die vielen Arten dieses intensiven Glücksgefühls hin.

Farbige Weinflaschen

Die Künstlergruppe habe das Motto auch wegen des Jubiläums des Vellberger Weinbrunnenfests gewählt. Selbstverständlich ist auch der Weinrausch in unterschiedlichen Facetten von den Künstlern aufgegriffen worden. Etwa von Lisa Hopf, die verschieden farbige und geformte Weinflaschen gezeichnet („Stilleben in Oechsel“) und dekorativ mit Etiketten aus Ton in einer Reihe aufgestellt hat.

Täuschend echt

Die Skulptur eines riesigen Weinblattes wirkt an ihrem Standort in der Nähe des Amtshauses, als gehörte sie schon immer dahin. „Süße Trauben, edler Wein, singen, tanzen, fröhlich sein“, heißt es da. So täuschend echt hat der Künstler die Oberfläche behandelt, dass sie aussieht wie aus Metall und von den Spuren der Zeit gezeichnet. „Ich habe gestern beobachtet, wie zwei Mann das Objekt aufgestellt haben. Wenn es aus Stahl wäre, hätte man dazu einen Kran gebraucht“, meint Martin Hanselmann aus Schwäbisch Hall lachend.

Die Schattenseite des Weins zeigt eine andere Darstellung: eine menschliche Figur, die in einem Weinfass ihren Rauch ausschläft. Auch das mit Aquarellfarben in vier Stadien gemalte Portrait einer jungen Frau zeigt die Folgen eines Rausches. Oder vielleicht, wie ein berauschter Gegenüber das Gesicht wahrnimmt?

Ein paar Meter weiter hängen drei Bilder aus ungewöhnlichem Material, das viele Leute anlockt. „Super“, meint eine Frau. Claudia Rieger freut sich über das Interesse an ihren Werken. Die Fichtenbergerin, die sich zum ersten Mal an der Freiluftgalerie beteiligt, hat die Bilder zum Blut-, Tanz- und Farbrausch aus Wolle gefilzt. Auch Sabine Brehmer ist begeistert von der Ausdruckskraft der Bilder – und nicht nur, weil Claudia Rieger ihre Kollegin ist. „Ich komme jedes Jahr zur Eröffnung der Straßengalerie, ich wohne ja hier in Vellberg,“ sagt sie.

Sitzen und lauschen

Ebenfalls neu in der Vellberger Straßengalerie ist die Umsetzung eines Themas als Klanginstallation. Ursula Schneider-Szutta hatte die Idee, die Besucher mit Meeresrauschen aus ihrem Alltag an einem imaginären Strand zu entführen: Eine blaue Bank lädt die Leute zum Sitzen und Lauschen ein. „Da hätte ich schon Lust auf richtiges Meer, wenn ich das höre“, meint Birgit Eberle spontan. Sie ist mit dem Fahrrad aus Hall nach Vellberg gefahren. „Wir kommen regelmäßig zur Straßengalerie, weil wir jemanden kennen, der mitmacht und uns einlädt“, erzählt sie.

Kunstvolle Blüten

„Kindergeburtstag“ nennt Joachim Trick sein Farbrauschwerk aus leuchtend-bunten Kunststoffbechern, dekorativ platziert vor dem Eingang zum Oberen Schloss. Einen Blütenrausch gibt es gleich zweimal zu sehen, einmal auf einer bunten Fahne, zum zweiten im Bauerngarten vor dem Rathaus, wo sich echte und kunstvoll gestaltete Blüten zu einem farbenfrohen Bild vermischen. Petra Brand hat die Blumen mit Bewohnern des Sonnenhofs in der Vellberger Kreativwerkstatt gestaltet.

Schon seit dem Weinbrunnenfest flattern zwei Bahnen aus bunt gestalteten Fahnen an Stahlseilen quer durchs Städtle. Darunter stehen die Besucher der Vernissage und genießen die lockere Mischung aus Kunst, Musik von Bernies Trio und anregenden Gesprächen.

Die zwölfte Vellberger Straßengalerie „Berauschend“ ist bis 31. Oktober im Städtle zu sehen. Es beteiligen sich 26 Künstler  und Künstlergruppen, viele aus Vellberg, aber auch einige aus der Umgebung. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es Stadtführungen mit Erklärungen zu den Werken. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Stadtbrunnen. Kontaktadresse der Künstler über
Joachim Trick, Im Städtle 3, 74541 Vellberg, Telefon: 0 79 07 / 83 46; E-Mail: joachim.trick@trickweb.de

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