Biber mag die Hohenloher Flüsse

Das Landratsamt schätzt die Biber-Population auf 200 bis 250 Tiere, die in 50 bis 60 Revieren an allen größeren Fließgewässern leben. Martin Zorzi: Probleme können durch Jagd nicht gelöst werden.

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Ein Biber baut an der Jagst einen Damm. Die Bäume am Ufer weisen die typischen Spuren auf, die der Nager zurücklässt. Das Wasser staut sich auf und es kann zu Überschwemmungen kommen. Das schafft Probleme bei Land- und Forstwirten.  Foto: 

Der vor Jahren angesiedelte Biber scheint an den Hohenloher Flüssen gute Lebensbedingungen vorzufinden. „Von Osten her kommend hat er mittlerweile alle größeren Fließgewässer im Landkreis Schwäbisch Hall besiedelt. Aktuell wurden Reviere im Bereich der Bühler und der Fichtenberger Rot festgestellt. Jedes Revier benötigt eine Länge von ein bis drei Kilometern, je nach Nahrungsverfügbarkeit“, beantwortet das Landratsamt Nachfragen unserer Zeitung.

Jeder weiß, dass Biber Bäume fällen und so Flüsse aufstauen. Das führt zu Problemen mit der Land- und Forstwirtschaft. Landwirtschaftsminister Peter Hauk forderte, den Abschuss freizugeben. Dem schloss sich die FDP-Fraktion, speziell der Landtagsabgeordnete Friedrich Bullinger aus Rot am See, an.

„Faktische Enteignung“

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Haller Waldbauverein. Mit einem geregelten Abschluss des Bibers könne die Population in regelbaren Bahnen gehalten werden. Der Waldbauverein spricht von einer „faktischen Zwangsenteignung der Waldbesitzer mit dem Auftauchen eines Bibers“. In Biber-Dämmen verarbeitete Bäume und Äste dürften weder abtransportiert noch verwertet werden. Das Umfeld eines Biberdammes gelte durch die Unterminierung bereits für Fußgänger als „einsturzgefährdetes Gebiet“. „Ergo ist nahezu keine weitere Bewirtschaftung mehr möglich“, schreibt Martin Stümpfig. Die Auflagen für finanzielle Unterstützung der Waldbesitzer seien derart verschärft worden, dass kaum einer noch die Chance habe, diese zu erlangen.

Bei der Frage der Entschädigung sieht auch das Umweltzentrum Handlungsbedarf: „Wenn dies zutrifft, fänden wir das auch nicht gut. Ab einer gewissen Schadenshöhe sollte man den Betroffenen unbürokratisch helfen. Aber von Zwangsenteignung zu sprechen, ist überzogen. Wenn Wildschweine in ein Maisfeld einfallen, ist das auch keine Zwangsenteignung“, meint Geschäftsstellenleiter Martin Zorzi. Die wirtschaftlichen Schäden durch Biber relativiert Zorzi. Der Biber verbaue in seinen Dämmen nur Material, das er transportieren kann – also fast ausschließlich unter fünf Zentimeter Stärke. Das tauge nicht mal zum Häckseln. Jeder Waldbauer lasse dieses Holz liegen. Auch die Menge sei mit selten mehr als einem Kubikmeter Holz pro Damm marginal. Monetär handele es sich um Cent-Beträge. Selbst wenn ein Fußgänger mal einbreche, bleibe es bei einem Schreck oder ein paar Schrammen. So großvolumig, dass man darin versinken oder abstürzen könnte, sei die Wohnhöhle eines Bibers nicht.

Lesen Sie dazu auch ein Interview mit Martin Zorzi

Da es sich beim Biber um ein streng geschütztes Wildtier handelt, werden keine Schadenersatzleistungen bezahlt, schreibt das Haller Landratsamt. Das Land stelle aber für Material, das für Bibersicherungsmaßnahmen aufgewendet wird, Gelder zur Verfügung. In den vergangenen beiden Jahren wurden rund 8000 bis 10 000 Euro für Bibersicherungsmaßnahmen im Kreis Hall ausgegeben. Aktuell erhielten Besitzer von Weihern zur Dammsicherung einen Zuschuss in Höhe von 70 Prozent.

Ein Abschuss kommt für das Landratsamt nicht in Frage. Durch die geltenden naturschutz- und jagdrechtlichen Vorgaben sei der Biber nicht als jagdbares Wild ausgewiesen. Es sei aber möglich, einen Biberdamm vollständig zu entfernen. kor

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