Bezirkssynode in Crailsheim: Kirche in Zeiten des Pfarrplans

Die neue Dekanin Friederike Wagner hat ein Mammutprojekt vor sich: die Umsetzung des neuen Pfarrplans, der eine Streichung von 3,75 Pfarrstellen für das Dekanat vorsieht.

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Das Ohr am Puls der Zeit: Der Vorsitzende der Bezirkssynode Dr. Konrad Wetzel schenkte Dekanin Friederike Wagner ein Hörrohr, „damit Sie immer gut zuhören können“.  Foto: 

Ein Gespenst geht um im Land, oder besser gesagt in der evangelischen Landeskirche, das Gespenst des Pfarrplans. Schon seit einigen Jahren erfüllt es die Kirchengemeinden mit Angst und Schrecken. Denn er schreibt die Anzahl der Pfarrerstellen vor, die in einem Dekanat besetzt werden ­können.

Die „Zielzahl“ des alten Pfarrplans muss bis nächstes Jahr erreicht sein. Nun kommt eine neue, sagte Dekanin Friederike Wagner am Samstag bei der Bezirkssynode: Der Kirchenbezirk Crailsheim wird bis 2024 3,75 Pfarrerstellen weniger haben. Was bedeutet: Vier Pfarrhäuser bleiben leer, ein herber Einschnitt, so Wagner. „Das schmerzt, vor allem, weil der Pfarrperson entscheidende Bedeutung bei der Bindung an die Kirche zukommt.“

„Wir sind hier nicht bei ‚Ich wünsch mir was’. Wir sind bei ‚So ist es halt.’“
- Friederike Wagner, Dekanin Kirchenbezirk Crailsheim

Derzeit hat das Dekanat 25 volle Pfarrerstellen. Wenn der Pfarrplan 2018 vollends abgearbeitet ist, sind es 24, und bis 2024, dem „Geltungsbereich“ des neuen Pfarrplans, soll es im Dekanat nur noch 20,25 Stellen geben. Es sind hochkomplizierte Rechenmodelle, die zu diesen Zielzahlen führen. Denn in sie fließt die Anzahl der Gemeindeglieder mit ein. Aber auch, wie ländlich oder wie stark in der Diaspora eine Region liegt und wie viele Zusatzaufgaben es im Dekanat gibt, erläuterte Dekanin Wagner den Bezirkssynodalen.

Und dann ist ganz klar: Das Crailsheimer Krankenhaus hat weniger als 200 Betten? Dann gibt es auch nur eine Viertelstelle für die Krankenhausseelsorge. Will heißen: Die 50-Prozent-Stelle, die Pfarrer Matthias Brix (Christusgemeinde Crailsheim) als Krankenhausseelsorger innehat, wird bis 2024 um die Hälfte gestrichen.

Es gibt mehrere Gründe, die für die Umsetzung des Pfarrplans sprechen, erläutert Dekanin Wagner, die nicht von Streichungen sprechen will, eher von Anpassungen. Der wichtigste Grund ist der demografische Wandel, der gleich mehrfach wirkt: erstens in der Zahl der Kirchenglieder. „Es sterben mehr als durch Geburt dazukommen“, sagte die Dekanin. „Die Kirchenaustritte sind da nicht so entscheidend.“ Der evangelische Kirchenbezirk habe im vergangenen Jahr etwas über 300 Kirchenglieder verloren.

Der demografische Wandel schlägt auch bei den Pfarrern zu. In den nächsten Jahren werden so viele in den Ruhestand gehen wie nie zuvor – und Nachwuchs ist in dem Maße nicht in Sicht.

Thema Demografie und Steuern: Die geburtenstarken Jahrgänge zahlen derzeit so viele Kirchensteuern wie nie zuvor – sie sind an der Spitze ihrer Karriere angelangt. Doch in zehn Jahren fließt da nichts mehr, die Babyboomer sind in Rente. Auch die Pfarrer aus dieser Altersgruppe übrigens, was für die Pensionskassen der Kirche teuer wird. Es bleibe also gar keine andere Wahl, als sich schon frühzeitig gesundzuschrumpfen.

„Leider gibt es zwischendrin einen ‚unschönen Bauch’“, erklärt Friederike Wagner: Die Zahl der Gemeindeglieder geht nicht so schnell zurück wie Pfarrer aus dem Dienst scheiden. Doch nach ein paar Jahren werde sich das wieder eingespielt haben. Wagner: „Eine Kirchengemeinderätin hat mal gesagt: Wir sind hier nicht bei ‚Ich wünsch mir was’. Wir sind bei ‚So ist es halt’.“ Man müsse versuchen, das Beste daraus zu machen. Die Bezirkssynode hat nun einen Sonderausschuss gebildet, der Vorschläge erarbeiten wird, wo Pfarrerstellen gestrichen werden können. Wagner: „Ich würde mir von Herzen wünschen, dass es kein Hauen und Stechen gibt.“

Für das Dekanat Blaufelden sieht der Pfarrplan 2018 19,25 Stellen vor. Derzeit sind es dort 20,50 Stellen. Der aktuelle Pfarrplan, nach dem insgesamt 2,25 Stellen zu reduzieren waren, wurde in Teilen schon umgesetzt. 2024 wird es im Dekanat Blaufelden 16,75 Stellen geben. Allerdings: Die Zielzahlen des Pfarrplans 2024 gelten derzeit vorbehaltlich der Zustimmung der Landessynode. uts

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