Bettwanzen nisten sich in Asylheimen ein

Ein Fall für die Kammerjäger: Immer wieder nisten sich Bettwanzen in den Flüchtlingsunterkünften in Stadt und Landkreis Heilbronn ein.

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Eine Bettwanze: so klein und so lästig.  Foto: 

Die Menschen, die vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland geflohen sind, bringen mitunter unerwünschte kleine Tiere in ihrem Gepäck mit: Bettwanzen.

Das Ungeziefer überträgt zwar laut Umweltbundesamt keine Infektionskrankheiten. Allerdings nisten sich die sogenannten Lästlinge in Matratzen, Nischen, Ritzen und Möbeln in Flüchtlingsunterkünften ein und verursachen bei den Menschen in den Asylheimen, die auf die Wanzen allergisch reagieren, Juckreiz und Quaddeln auf der Haut. Ohne schnelle Reaktion, sprich professionelle Schädlingsbekämpfung, breiten sich die Mini-Blutsauger immer weiter aus.

„Wir hatten bisher dreimal Bettwanzenbefall in der Flüchtlingsunterkunft im Olgazentrum und einmal in der Alten Turnhalle in Horkheim“, berichtet Rathaussprecher Anton Knittel. Heilbronn steht mit dem Problem nicht alleine da. „Aktuell sind wir wanzenfrei“, verkündet Landratsamtssprecher Hubert Waldenberger. Allerdings sei es in der Vergangenheit „ab und zu“ vorgekommen, dass die Kreisbehörde in einer der 118 Asylunterkünfte, für die sie zuständig ist, die Kammerjäger auf die Pirsch geschickt hat.

Auch die großen Erstaufnahmestellen in Baden-Württemberg bleiben nicht verschont. „Hin und wieder kommt das vor“, sagt die Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Irene Feilhauer. Wichtig sei im Falle eines Insektenbefalls, sofort zu reagieren. Doch selbst mit dem großen Angriff der Schädlingsbekämpfer „kann man nicht komplett ausschließen, dass die Wanzen wiederkommen“. Schließlich gebe es auch einen häufigen Wechsel in der Belegung der Betten. Im Heilbronner Olgazentrum sind zurzeit 86, in der Alten Turnhalle Horkheim 31 Flüchtlinge untergebracht.

Die Behörde sei dazu übergegangen, die Erstaufnahmestellen einmal im Monat zu kontrollieren. Es werde auch geprüft, ob die Lager baulich so verändert werden können, dass die Wanzen möglichst wenig Gelegenheit bekommen, heimisch zu werden.

Der Aufwand, der notwendig ist, um die Wanzen wieder loszuwerden, ist nicht unerheblich. Da die Kammerjäger die Unterkünfte mit Schädlingsbekämpfungsmitteln „vernebeln“ müssen, wie Heilbronns Rathaussprecher erklärt, müssen die Flüchtlinge die Unterkünfte von morgens an für einen Tag komplett räumen. Schränke bleiben offen, Ritzen, die noch wanzenfrei sind, werden zugeklebt, damit die Lästlinge sich hier nicht verschanzen können. Bettwäsche und die Matratzen müssen ausgetauscht werden. Dann kommt die Frontalattacke der Profis.

Schließlich werden die Fenster geöffnet und die Hallen gut durchgelüftet, bevor die Bewohner wieder abends um 20 Uhr ihre Bleibe beziehen können. Knittel versichert, dass die Antiwanzenmittel für die Menschen nicht gesundheitsschädlich seien. Die Maßnahmen seien mit dem Gesundheitsamt und dem Ordnungsamt abgesprochen worden.

Doch wie reagieren die Asylbewerber selbst auf die ungebetenen Gäste in ihrem neuen Zuhause? „Sehr unterschiedlich“, berichtet der ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer Fred Dausel. „Manche nehmen das ruhig an, andere leiden unter Juckreiz oder bekommen richtige Quaddeln auf der Haut.“ Ein Asylbewerber habe die Wanzen sogar in einem Glas gesammelt. Dausel kritisiert, dass die Flüchtlinge nur mangelhaft informiert wurden. Es wäre zudem besser gewesen, wenn die Stadtverwaltung einen Arzt genannt hätte, an den sich die betroffenen Personen wenden können.

Kleine Schädlingskunde

Bettwanzen sehen Apfelkernen ähnlich. Sie sind nüchtern vier bis fünf Millimeter lang. Wenn sie sich mit dem Blut der Menschen vollgesaugt haben, wachsen sie auf bis zu neun Millimeter Länge heran. Die Lästlinge sind nachtaktiv, tagsüber verstecken sie sich in Ritzen von Bettgestellen, Dielen, Möbeln oder auch hinter Tapeten. Sie werden durch die Körperwärme und Ausdünstungen ihres Wirts, dem Menschen, angelockt. Genaue Zahlen zum Vorkommen gibt es zwar nicht, da keine Meldepflicht wie bei anderen Schädlingen besteht. Fachkreise sprechen aber von einer vielfältigen Ausbreitung in den letzten Jahren.

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