Betriebe zeigen bei Gewerbeschau in Wolpertshausen, was sie leisten

Der ehemalige Wirtschaftsminister Walter Döring spricht am Vormittag. Später steht mit Alexander Bonde der aktuelle Landwirtschaftsminister am Mikrofon. Wolpertshausen scheint „in“ zu sein.

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Der ganze Ort ist auf den Beinen: Die Firmen in Wolpertshausen präsentieren sich bei ihrer großen Gewerbeschau.  Foto: 

„Wenn Du nicht gleich deine Goschn hälst, dann kriegst Du eine aufs Maul.“ An diese Drohung eines angeheiterten Besuchers bei der ersten Gewerbeschau 2003 in Wolpertshausen erinnert sich Walter Döring genau, wie er den Zuhörern in der neuen Mehrzweckhalle erzählt. Dabei habe er damals gerade zehn Minuten gesprochen. Einschüchtern lassen hat sich Döring nicht. Am Samstag hält er den Festvortrag bei der Eröffnung der dritten Gewerbeschau.

„Wolpertshausen liegt mitten in der Region der Weltmarktführer. Die Unternehmen im ländlich strukturierten Raum sind erfolgreich, weil sie innovativ und global aufgestellt sind“, führt der Ex-Minister aus. Befürchtungen, dass durch den Erfolg Arbeitsplätze verlagert würden, seien unbegründet. „Kärcher, Optima, Bausch und Ströbel investieren in Hohenlohe“, fährt er fort. Auch in Wolpertshausen selbst gebe es beste Beispiele. Döring nennt, zufällig ausgewählt, wie er betont, BWK (Dachzubehör). Die Firma sei 1989 gegründet worden, heute exportiere sie international. Die Edelstahlschmiede Zucker, 1994 in einer Garage gegründet, beschäftige heute 78 Mitarbeiter. Auch NKL (elektronische Bauelemente) wachse ständig. „Wolpertshausen ist längst zur Vorzeigegemeinde geworden.“

Doch es gebe für die Landesregierung noch viel zu tun. So bei der Breitbandversorgung. „Da ist Bayern beispielhaft. Das hätte ich früher nie gesagt“, bekannte Döring. Doch vom Ländernachbarn könne man lernen. Der Bund, der derzeit im Geld schwimme, gebe den Bürgern zu wenig zurück. Obwohl Spielraum da sei. „Amazon, Google oder Ikea müssen auch in Deutschland Steuern zahlen. Das zu erreichen ist aller Anstrengungen wert“, fordert Döring. Den Landkreis sieht er in der Pflicht, ein Gesamtkonzept für Asylbewerber und Zuwanderer zu erstellen. Mit langem Beifall belohnen die Zuhörer die launige und frei gehaltene Rede.

„Nur alle sechs Jahre gibt es die Gewerbeschau. Da könnte man die Taktzahl erhöhen“, rät der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten als erster Grußwortredner.

„Als ich vor 29 Jahren in den Landkreis kam, war Wolpertshausen die kleinste und ärmste Gemeinde“, erinnert sich SPD-Landtagsabgeordneter Nikolaos Sakellariou. „Seither hat die Gemeinde eine außerordentliche Entwicklung genommen.“

„Wolpertshausen ist mit 38,7 Jahren die im Schnitt jüngste Gemeinde im Kreis“, weiß Erster Landesbeamter Michael Knaus. 660 Auspendlern stünden 900 Einpendler gegenüber.

„Sie, Herr Bürgermeister Silberzahn, sind für die gewerblichen Betriebe Gold wert“, macht Martin Stapf für die Gewerbetreibenden dem Schultes das dickste Lob. Denn im Rathaus sind bei der Organisation der Schau die Fäden gezogen worden. Einen Gewerbeverein gibt es nicht.

Nachmittags kommt Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne). Mit einem großen Schritt entert er frontal die Bühne. Die Stufen an der Seite braucht er bei seinem dynamischen Auftritt nicht. Ohne Krawatte, aber im für ihn typischen Janker spricht Bonde vom ländlichen Raum als einem starken Wirtschaftsstandort. „Die Weltmarktführer sind in der in der Fläche nicht abgehängt, sondern Teil der Erfolgsgeschichte“, sagt der Minister. Die Verbraucher müssten aber ihren Beitrag leisten und regionale Produkte kaufen, um das heimische Lebensmittelhandwerk, bäuerliche Familienbetriebe und Dienstleister zu stärken. Nur dann hätten Orte mit Geschäften und Gaststätten eine gute Zukunft. Der ländliche Raum profitiere von der Energiewende und dem Tourismus. Auch wenn der Lärmpegel bei Bondes Rede recht hoch war: Die Besucher in der etwa halb gefüllten Hall zollen ihr Beifall.

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