Besonnener Wirbelwind

Bis vor Kurzem hatte Franziska Schuster die Freilichtspiele gar nicht richtig auf dem Plan. Nach ihrem spontanen Einsatz als Sara singt sie nun in „Blue Moon“.

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  • Franziska Schuster als Space-Lady in „Blue Moon“. Seit Dienstag, ist sie gemeinsam mit fünf weiteren Kollegen und Ekki Busch samt Band wieder in der Revue im Haller Theaterzelt auf dem Teurershof zu erleben. Bis 22. August stehen noch sieben Vorstellungen auf dem Spielplan.  1/2
    Franziska Schuster als Space-Lady in „Blue Moon“. Seit Dienstag, ist sie gemeinsam mit fünf weiteren Kollegen und Ekki Busch samt Band wieder in der Revue im Haller Theaterzelt auf dem Teurershof zu erleben. Bis 22. August stehen noch sieben Vorstellungen auf dem Spielplan. Foto: 
  • Franziska Schuster hat ihre Umzugspläne für die Freilichtspiele Hall kurzerhand über den Haufen geworfen.  2/2
    Franziska Schuster hat ihre Umzugspläne für die Freilichtspiele Hall kurzerhand über den Haufen geworfen. Foto: 
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Also, das war ja alles irgendwie verrückt“, sagt Franziska Schuster kopfschüttelnd und lacht. Wer sich mit ihr über die Geschichte unterhält, wie sie denn nun zu ihrem Einsatz bei den Freilichtspielen Hall gekommen ist, gerät zuweilen ins Staunen – ob der Spontaneität, der überlegten Professionalität und der Besonnenheit dieser jungen quirligen Frau, die einem im Café gegenübersitzt und munter von einem veritablen Musical-Rettungseinsatz auf der Großen Treppe erzählt.

Ursprünglich hatte Franziska Schuster ihren Kollegen aus früheren Jahren in Gandersheim einfach einen Besuch in Hall abstatten wollen. Die Freilichtspiele Hall und die Große Treppe kannte sie bislang eher vom Hörensagen. Im Musical „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ hat sie aber schon in Bad Gandersheim mitgespielt. Jetzt fand sie es spannend, das Stück in einer neuen Regie an einem ganz anderen Schauplatz zu sehen. „Es war der 13. Juli, ein Donnerstag“, erinnert sie sich genau. Auf ihrem gemütlichen Freizeitprogramm standen Kaffeetrinken, Stadtspaziergang, noch schnell bei den Kollegen in der Künstlergarderobe reinschauen, die Show ansehen und am nächsten Tag weiter nach Bad Vilbel reisen – ebenfalls für eine kleine Stippvisite bei den Burgfestspielen. „Um 12.30 Uhr bin ich losgefahren, um 13.50 Uhr klingelte mein Handy“ – Franziska Schuster hat die Details alle noch parat. Ob sie noch in Schwäbisch Hall sei, habe Dramaturg Florian Götz als Erstes gefragt und ihr dann die Situation geschildert: nämlich dass Sara-Darstellerin Jeannine Michèle Wacker erkrankte und keine Stimme mehr hatte. „Franzi, bitte dreh’ um“, habe Intendant Christian Doll sie gebeten. Sie tat es.

Keine Zeit zum Nachdenken

Kurze Zeit später wieder in Hall lief die Notfall-Maschinerie an: mit Noten, Textbuch, dem Musikalischen Leiter Heiko ­Lippmann­, dann den Musikern. Bei der Freitagsvorstellung hat Wacker gespielt, und Schuster übernahm die sängerischen Parts. Es hat geklappt. An dem Abend wurde ihr aber auch klar: Franziska Schuster wird die nächsten sechs Vorstellungen komplett übernehmen müssen. „Jeannine zog ihr Sara-Kleid aus und gab es mir“, erinnert sie sich an den Moment, als sie die Situation wirklich erfasste. „Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken.“

Die Art, wie Franziska Schuster fast wie im Rausch erzählt – unterhaltsam, humorvoll, auch mal nachdenklich –, lässt ahnen, mit welch fröhlichem und bodenständigen Pragmatismus sie ihre neue, spontane Aufgabe anging: Im Morgengrauen Text pauken per App, erste Probe mit dem Ensemble, nach dem Wochenmarkt auf die Treppe, kurze Pause, ab in die Maske – „und dann ging’s los“. Viel Zeit hatte sie nicht, sich mit den steilen Stufen anzufreunden: „Die Treppe ist eine herausfordernde Kollegin“, sagt Franziska Schuster jetzt. Aber offenbar hat sie sich mit der steinernen Diva schnell angefreundet.

Derweil tauchte ein weiteres „Problem“ auf: Jeannine Michèle Wacker fiel auch für die Revue „Blue Moon“ im Haller Theaterzelt auf dem Teurershof aus, die Proben liefen aber bereits. Ein paar Telefonate später ist klar: Franziska Schuster hat ihren geplanten Umzug von Wien, wo sie zuletzt sechs Jahre lebte, nach Hamburg kurzerhand umdisponiert – und springt ein. Was als Blaulicht-Aktion auf der Treppe begann, ist zu einem richtigen Engagement geworden.

Franziska Schuster ist 31 Jahre alt und stammt aus Kyritz an der Knatter im Nordwesten Brandenburgs. Bereits mit sechs Jahren sang sie im Schulchor und hatte Klavierunterricht. Sie besuchte Tanzkurse in Rock’n’Roll, Standard und Jazz und trat mit Kindertheatergruppen auf. Später war sie Sängerin in der „Ständchenband“ in ihrer Heimatstadt, und sie spielte Saxofon. Nach dem Abitur im Jahr 2005 begann sie in Greifswald, Zahnmedizin zu studieren. Nebenher pflegte sie auch ihr Musical-Faible, nahm 2008 erfolgreich an der Casting-­Show „Ich Tarzan, du Jane“ teil, die auch auf Sat 1 ausgestrahlt wurde. Danach konnte sie eine dreimonatige Ausbildung an der Joop-­van-den-Ende-Akademie absolvieren. Schließlich beendete sie ihr Zahnmedizinstudium und absolvierte ihre Musical-Ausbildung in Hamburg, wo sie 2010 ihren Abschluss machte.
Ihre erste Rolle spielte sie in der österreichischen Produktion „Tut Ankh Amon – The Musical“, die auch in englischer Sprache in Kairo und Alexandria gezeigt wurde. Danach spielte Franziska Schuster im Wiener Ronacher in „Sister Act“ mit, ging auf Tournee und war 2013 das erste Mal bei den Domfestspielen Gandersheim als Sally in „Cabaret“ zu erleben. Dort übernahm sie weitere Rollen, unter anderem in „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“. In den vergangenen Jahren stand sie vor allem im Wien auf der Musical-Bühne – in „Mamma Mia“, spielte Constanze Weber in „Mozart“, oder in „Schikaneder“.
Nach ihrem Intermezzo in Hall wird Franziska Schuster in Hamburg in der Deutschland-Premiere des Musicals „Kinky Boots“ auf der Bühne stehen – unter anderem gemeinsam mit Jeannine Michèle Wacker. blo

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