Bequemer aus dem Parkhaus

Ein Auto fährt an die Schranke, muss nur leicht abbremsen, schon öffnet sich die Barriere. Die Stadtwerke testen derzeit ein neues System an allen Parkhäusern. Noch funktioniert es aber nicht gut genug.

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Weit aus dem Fenster lehnen muss sich dieser Autofahrer am Parkplatz Kocherquartier, um mit seiner Chipkarte an der Säule die Schranke zu öffnen. Bald könnte die Satellitenschüssel (oben links im Bild) einen Chip in der Windschutzscheibe erkennen und die Barriere würde sich ohne Zutun des Fahrers öffnen.  Foto: 

Der Autofahrer rollt am Parkhaus vor, kramt umständlich aus den Tiefen seines Wagens die blaue Zeitparkkarte, lässt das Seitenfenster heruntersurren, stellt fest, dass sein Arm nicht bis an die Säule reicht. Die Schranke bleibt unten, der Fahrer will nun die Autotür öffnen, um ranzukommen. Sie geht nur einen Spalt weit auf, weil neben dem Wagen ja die Säule im Weg steht, an die man die Chipkarte hinhalten soll. Solche und ähnliche Szenen kann man ab und zu in Haller Parkhäusern beobachten. Verärgerte Autofahrer - mitleidende bis schadenfrohe Zuschauer inklusive.

Installation der Technik sei relativ günstig

Das hätte sich längst ändern sollen. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall bauen derzeit eine automatische Erkennung für Anwohner, Jobparker und Benutzer der Zeitkarten in die Parkhäuser und an Parkplätzen ein. Zielgruppe seien "alle, die bei uns registriert sind und mitmachen wollen", sagt Ronald Pfitzer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall, die in der Stadt die Parkhäuser bewirtschaften.

Das neue System geht so: Zusätzlich zur "Hallcard", die Anwohner, Jobparker und registrierte Zeitparker nutzen, wird eine kleine Folie ohne Aufpreis an die Windschutzscheibe geklebt. Darin befindet sich ein Elektro-Chip. Das ist ein kleines Speichermedium, das beispielsweise in Mülltonnen versteckt ist, um die Leerungen zu zählen, oder eben auch in der bisherigen Plastik-Parkkarte. Jeweils am Eingang und am Ausgang des Parkhauses werden Antennen für eine Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen installiert. "Radio-frequency-identification RFID" lautet der Fachbegriff. Hört sich kompliziert an. Ist aber aus vielen Lebenslagen bekannt. So öffnet sich eine Katzenklappe am Haus nur für die Tiere, die einen Chip tragen. Oder ein Mitarbeiter kommt damit ganz ohne Schlüssel zu seinem Arbeitsplatz.

Dennoch laborieren die Stadtwerke Hall seit mehr als einem Jahr an dem System. Warum so lange? "In 90 Prozent der Fälle klappt es schon, aber das reicht uns noch nicht", erläutert Gebhard Gentner, Geschäftsführer der Stadtwerke Hall. Die Betreiberin der Parkierung in Hall hätte nur mehr Ärger, wenn jeder Zehnte nicht reinkommt, die Ruftaste drücke und sich beschwere. "Wir sind aber auf einem guten Weg", erläutert Gentner. Das System funktioniere andernorts tadellos. So wird per "Telepass" bei italienischen Fahrern und bei registrierten Touristen die Autobahngebühr im Vorbeifahren kassiert. Im engen Hall hat das System seine Tücken. Zunächst wollten es die Stadtwerke möglichst günstig, ohne viele Veränderungen an den Gebäuden, einführen.

In modernen Autos sind gleich mehrere Chips verbaut

Aber: Die Antennen an der Seite erkennen den Chip nicht so schnell. Daher müssten die Erkennungsmodule über den Aus- und Einfahrten eingebaut werden. Das allerdings ist wegen der manchmal niedrigen Decken nicht ganz einfach. Zudem mache die moderne Fahrzeugtechnik den Parkhausbetreibern einen Strich durch die Rechnung. In Autos sind nämlich selbst schon dutzende Chips verbaut, die alle möglichen Parameter an den zentralen Steuerungscomputer im Wagen funken. Nun müssen die Antennen an den Parkhäusern erst einmal sortieren und den Chip erkennen, der die Einfahrt ins Parkhaus ermöglicht.

Ebenfalls schwierig: Fahren zwei Autos zugleich aus dem Parkhaus raus - an manchen gibt es zwei Ausfahrspuren - kann es zu Verwechslungen kommen und das System werde gestört.

Doch Gentner hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Die automatische Fahrzeugerkennung, die für relativ wenig Geld von der Stadtwerketochter HKS aus Paderborn entwickelt wird (eine Antenne koste rund 2000 Euro), werde kommen. "Ich bin Testfahrer für das Kocherquartier. Dort hatte ich noch nie ein Problem." Doch wann das System scharf gestellt wird, sei noch offen.

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