Beifall für Biermeier-Parodie

Ein informativer Blick hinter die Kulissen, eine unterhaltsame Bühnenshow und eine gehaltvolle Geburtstagstorte: Aus diesen Zutaten haben die Freilichtspiele Hall ihr Theaterfest zum 90-Jahr-Bestehen gebacken.

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Beim Theaterfest tauscht das "Stairways"-Ensemble kurzzeitig die Treppe mit der Globe-Bühne.  Foto: 

"Ohje", ruft Freilichtspiele-Intendant Christoph Biermeier entschuldigend. Beim Anschneiden der Freilichtspiele-Geburtstagstorte zur Eröffnung des Theaterfests am Sonntag vorm Globe-Theater fällt ihm das erste Stück hinunter in den Splitt. "Noch nie im Leben habe ich offiziell eine Torte angeschnitten", hatte er vorher noch gewarnt. Hoppala - und schon war's passiert. Das wird doch kein schlechtes Omen sein, könnte er in diesem Moment gedacht haben - nun, fürs Theaterfest jedenfalls nicht. Biermeier bleibt optimistisch: "Jetzt lasst uns einen schönen Tag zusammen verbringen." Das Tortenstücke-Schneiden übernimmt schließlich Gisela Breitschwerdt vom Freilichtspiele-Freundeskreis.

In den zwei Stunden, bevor die Bühnenshow im Globe-Theater beginnt, werfen die Gäste einen Blick hinter die Kulissen des Theaters im Haalgebäude - quasi dem Hauptquartier der Freilichtspiele. Dort sind Werkstätten, Probenräume und Büros untergebracht. Viele Besucher kommen spontan vorbei, bleiben stehen und wissen zunächst gar nicht, dass das Theaterfest gefeiert wird - wie zum Beispiel Martha und Rolf Stelzenmüller aus Königsbronn. Als Martha Stelzenmüller im Vorbeigehen sieht, dass in der ehemaligen Volkshochschule die Tür offensteht, tritt sie ein: "Hier bin ich von 1957 bis 1965 zur Schule gegangen", erzählt sie. Ihr Mädchenname ist Hofmann, sie stammt aus Steinbach. Einen Blick in die Vergangenheit wirft auch Ekki Busch. Der singende Akkordeonspieler, "Mr. Theaterspaziergang" der Freilichtspiele, moderiert die Bühnenshow im Globe. Auf 6000 Zuschauer in drei Aufführungen hätten es die als "Jedermann-Festspiele" gegründeten Freilichtspiele in der ersten Saison 1925 gebracht.

Damals begann die Vorstellung um 17 Uhr - damit die Gäste später noch ihre Züge erreichen, spielt Busch auf die Anbindung Halls an den Schienenverkehr an. Mit roter Freilichtspiele-Jacke, schwarzem Brillengestell, grauer Haarsträhne und Trilby-Hut auf dem Kopf kommt Bärbel Schwarz auf die Bühne - und spricht bayerisch. Ihre liebenswürdige Biermeier-Parodie wird heftig beklatscht. Die Ensemblemitglieder der Freilichtspiele können aus dem Vollen schöpfen. Das "Stairways"-Ensemble singt aus voller Kehle, die Gäste des Münchner Metropoltheaters sind mit dabei, es gibt lustige Einlagen und vieles mehr. Und Jan Kämmerer rezitiert nicht nur Texte des Kabarettisten Fritz Eckenga. Er gratuliert den Hallern zu 90 Jahre Freilichtspiele - und ganz ironiefrei vor allem dazu, dass in Schwäbisch Hall über den Neubau eines Theaters debattiert wird, während in anderen Städten Theater geschlossen werden.

Besucher Blicken im Haalgebäude hinter die Kulissen

In der ehemaligen Volkshochschule bilden die Freilichtspiele seit eineinhalb Jahren quasi eine Wohngemeinschaft mit der Haller Akademie der Künste. Eine riesige Drachen-Kralle steht vorm Eingang des Haalgebäudes - ein Bühnenbild-Teil aus der Produktion "Die Tochter des Salzsieders". Erst durch einen speziellen Multiflex-Putz sei es möglich gewesen, die Oberfläche so zu bearbeiten, erklärt Christian Gentner, Technischer Leiter der Freilichtspiele.

Intendant Christoph Biermeier ist zudem von der Arbeit des Theatermalers beeindruckt, der auf der Kralle auch die Flechten der Steinstufe der Großen Treppe imitiert. Ein Kilometer Theaterlatte, ein stabiles, verleimtes Holz, haben die Freilichtspiele in diesem Jahr für Bühnenbildbauten benötigt, erklärt Genter, "und zwei Kilometer Stahl".

BLO

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