Bausparkasse: "Kluge Energiewende" und erfreuliche Bilanz beim Neujahrsempfang

"Niemand redet über Gebäudesanierung und nachhaltige Mobilität", ärgert sich Claudia Kemfert. Die Energieexpertin rückt dies gestern in ihrem Vortrag vor Führungskräften und Freunden der Bausparkasse in den Fokus.

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Neujahrsempfang der Bausparkasse: Gastrednerin Claudia Kemfert fordert: weg von der "Stromangebotswende" hin zu einer "klugen Energiewende". Sie rückt Energiesparen, Gebäudesanierung, Energieeffizienz in den Mittelpunkt. Foto: Marc Weigert

1300 Euro nur fürs Heizen zahle der Bürger in Deutschland pro Jahr. "Das sind die richtigen Kostenfresser", die müssten nach und nach weg, sagt Claudia Kemfert am Rednerpult. Die Professorin für Energieökonomie sieht die öffentliche Diskussion derzeit auf eine "Stromangebotswende" reduziert. Die Zeit sei aber reif für eine "kluge Energiewende". Wesentliche Bausteine seien ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie der Netze (zentral und dezentral), Speichermöglichkeiten und bessere Regulierung des Bedarfs (bzw. Lastenmanagement), ein höherer CO2-Preis als Korrektiv im Emissionshandel und vor allem: Energieeffizienz, Gebäudesanierung und nachhaltige Mobilität.

Im Bereich der energetischen Gebäudesanierung gebe es noch sehr viel zu sparen und zu investieren, eine große Chance auf regionale Wertschöpfung. Kemfert nennt in diesem Bereich Profiteure wie beispielsweise Bauwirtschaft, Gebäudetechniker und Hausgerätehersteller. "Hier muss massiv unterstützt, hier müssen klare Anreize gesetzt werden, damit Kapital fließen kann", fordert die Professorin und erkennt ein Defizit, denn im Koalitionsvertrag stehe dazu nichts, was auf eine Förderung in diesem Bereich hinweist. Dagegen werde weiter in Kohlekraftwerke investiert, wodurch Klimaziele gefährdet und immer mehr Strom ins Ausland verkauft werde. Eine gesicherte Stromleistung könne auch ohne Atom- und Kohlekraftwerke erreicht werden, macht die Energieexpertin deutlich und bringt die Kommunen in ihren Vortrag. "Die Energiewende läuft vor Ort. Hier wird sie umgesetzt. Sie findet von unten statt", sagt Kemfert. Hall hat sich bis 2030 das Ziel gesetzt, den Energiebedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu ziehen, wurde als erste Energiekommune Deutschlands ausgezeichnet. Energieeffizienz und gesicherte Leistung werde beispielsweise durch Blockheizkraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplung sowie einer intelligenten Steuerung und Regelung des Strombedarfs durch Nah- und Fernwärmeleitungen sowie Gebäudesanierung und energetisch moderne Neubauten erreicht. Speichermöglichkeiten sieht sie vor allem in Pumpspeicher- und Gaskraftwerken sowie neuen Möglichkeiten durch Wasserstoff bzw. Methanisierung.

Um fossile Energie durch nachhaltige Mobilität reduzieren und ersetzen zu können, setzt Kemfert beispielsweise auf Car-Sharing, ÖPNV oder erneuerbare Brennstoffe. Die Investitionen für solch eine "kluge Energiewende" berechnet sie auf 31 bis 38 Milliarden pro Jahr. Zum Vergleich: eine Billion sei in den vergangenen zehn Jahren nur für fossile Energiequellen fällig gewesen.

Energiesparen, Energieeffizienz, Gebäudesanierung sind Schlagworte, die auch Vorstandsvorsitzender Matthias Metz aufgreift, denn die Bausparkasse habe derzeit rund 7,3 Millionen Bausparer, und eine neue Heizung, ein neues Dach oder neue Fenster ließen sich über einen Bausparvertrag finanzieren, wenngleich eine Förderung von staatlicher Seite noch fehle.

Der Vorstandsvorsitzende zieht für 2013 eine erfreuliche Bilanz. 2012 war für die Bausparkasse bereits "ein Prädikatsjahr" und "2013 war in schwäbischer Bescheidenheit ein ordentliches Jahr". Es sei noch besser gelaufen. Mehr will Metz noch nicht verraten, denn am 23. Januar gibt es dazu die Jahresbilanzpressekonferenz in Stuttgart.

Zur Person vom 15. Januar 2014
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